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Nach Reifenskandal: Michelin-Aktien im Sinkflug

Nach der Farce von Indianapolis befinden sich die Michelin-Aktien in der Formel 1 und an der Börse im Sinkflug - Ausstieg kein Thema

(Motorsport-Total.com) - Zwar gehen die Meinungen in der Schuldfrage bezüglich der gestrigen Formel-1-Farce in Indianapolis nach wie vor weit auseinander, Fakt ist aber, dass Michelin mit nicht geeigneten Reifen das Fiasko ausgelöst hat. Die französische Reifenfirma dürfte daher einen gewaltigen Imageschaden vom Debakel in den USA davontragen.

Michelin-Reifen

Die Michelin-Reifen lösten den gestrigen Skandal von Indianapolis aus

Die Auswirkungen der Blamage von gestern sind so weitreichend, dass sogar die Börse darauf ansprang: In Paris verloren die Michelin-Aktien heute Morgen bis 11:00 Uhr 1,26 Prozent an Wert. Speziell in Nordamerika sind wirtschaftliche Folgen nicht ausgeschlossen: "Der Rückzug der Michelin-Teams bei dem Rennen in Indianapolis könnte dem Ruf des Unternehmens im wichtigen US-Markt schaden", wird ein Händler vom 'Handelsblatt' zitiert.#w1#

Dupasquier: "Wir bedauern, was passiert ist"

Michelin-Sportchef Pierre Dupasquier zeigte sich im Anschluss an den Grand Prix der USA geknickt: "Es tut uns leid. Wir bedauern, was passiert ist", erklärte er. Allerdings sei der Rückzug der 14 Fahrzeuge unvermeidlich gewesen: "Wir mussten so handeln, denn wir tragen die Verantwortung dafür, wenn einem Fahrer im Rennen etwas passiert."

Ein Formel-1-Ausstieg kommt für die Franzosen dennoch nicht in Frage: "Wir fühlen uns dieser Disziplin sehr verbunden und sehen viele Vorteile darin, im Grand-Prix-Sport involviert zu sein", wischte Dupasquier derartige Spekulationen vom Tisch. "Wir haben so viel Leidenschaft in diesen Sport gesteckt, genau wie unsere Partner und ihr, die Journalisten, und unser Engagement steht nicht in Frage. Wir sind besonders froh darüber, in der Formel 1 zu sein, weil wir hier unsere Technologie weiterentwickeln können. Das ist unser Ziel."

Der 67-Jährige bedankte sich darüber hinaus für die Solidarität der sieben Partnerteams, die sich in einer gemeinsamen Presseerklärung geschlossen hinter Michelin gestellt hatten: "Die Reaktionen unserer Teams hat man ja gesehen: Alle haben einheitlich gesagt, dass sie unserem Ratschlag folgen. Keine Schikane, kein Rennen. Das war ein großartiges Gefühl der Solidarität. Dafür müssen wir sehr dankbar sein", sagte er.

Rettende Schikane wurde von der FIA verhindert

Die einzige Möglichkeit, doch am neunten WM-Lauf 2005 teilnehmen zu können, wäre aus Sicht von Michelin eine zusätzliche Schikane in der Steilkurve gewesen. Dadurch wären die Belastungen auf den kritischen linken Hinterreifen verringert worden. Allerdings scheiterte die notwendige Einstimmigkeit der zehn Teams in dieser Angelegenheit an Ferrari - und die FIA, die als oberste Sportbehörde ein Machtwort hätte aussprechen können, lehnte den Vorschlag ab.

FIA-Kommunikationschef Richards Woods erklärte nun erstmals die Beweggründe für diese Entscheidung: "Es war ein Leistungsthema. Wir haben die möglichen Optionen Michelin gegenüber dargestellt. Wenn Bridgestone darum gebeten hätte, eine zusätzliche Schikane einzubauen, und wir das erlaubt hätten, hätten sich alle beschwert, dass die FIA Ferrari bevorzugt. Daher war das für uns klarerweise keine Option", teilte er mit.