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  • 20.06.2005 · 13:20

Teams stempeln Mosley zum Sündenbock

Offenbar hat FIA-Präsident Max Mosley mit fast skurril anmutenden Drohungen das Rennen in Indianapolis im Alleingang zur Farce gemacht

(Motorsport-Total.com/sid) - Ausgepfiffen, gedemütigt, beschimpft: Michael Schumacher flüchtete nach dem Sieg der Schande im Skandalrennen von Indianapolis unter Polizeischutz durch den Hinterausgang. Der Rekordweltmeister - nach dem Rückzug aller Michelin-Teams Schnellster von nur sechs Fahrern beim Großen Preis der USA - musste den Zorn der mehr als 110.000 Zuschauer ertragen: "Es ist schade für alle die Fans, dass wir nicht unter normalen Umständen um den Sieg kämpfen konnten. Aber es lag nicht in unser Hand", sagte er.

Max Mosley

Ist Max Mosley schuld am Fiasko von Indianapolis? Die Teams sagen ja...

Die Hauptschuld an der größten Farce der Formel-1-Geschichte trägt allem Anschein nach Max Mosley, der in London per Telefon seine Anweisungen gab. Der Präsident des Automobilweltverbandes persönlich hatte den Aufbau einer Schikane vor der Steilkurve von Indianapolis verhindert und damit dafür gesorgt, dass nur sechs von 20 Autos das Rennen gefahren sind.#w1#

"Es hätte durch den Bau der Schikane eine Lösung gegeben"

"Es hätte durch den Bau der Schikane eine Lösung gegeben, aber Max Mosley sagte nein. Neun von zehn Teams wollten den Sport über die Politik stellen", meinte Minardi-Teamchef Paul Stoddart, der sich unter den skandalösen Umständen des neunten von 19 WM-Läufen überhaupt nicht über sieben WM-Punkte für sein Team freuen wollte: "In jedem anderen Sport oder Geschäft käme man als Präsident mit so etwas nicht durch. Die Leute würden nach dem Rücktritt rufen."

Auch BMW Motorsport Direktor Mario Theissen erklärte, dass bis rund 20 Minuten vor dem Start versucht worden sei, eine Lösung zu finden: "Leider hat das keine Zustimmung gefunden." Für die sieben Teams mit Michelin-Reifen (Renault, McLaren-Mercedes, BMW WilliamsF1 Team, Toyota, Red-Bull-Cosworth, Sauber-Petronas, BAR-Honda) wäre es laut Theissen "sogar in Ordnung gewesen, die Punkte abzugeben". So hätte man den Fans, die viel Geld für die Eintrittkarten bezahlt haben, und Millionen vor den Fernsehern zumindest 20 fahrende Autos präsentiert. "Die Fans interessieren nicht die Punkte, sondern ein Rennen", meinte Renault-Boss Flavio Briatore.

Doch Mosley, der im vorigen Jahr umstrittene und weitreichende Regeländerungen unter dem Aspekt der Sicherheit gegen den Willen der Teams durchgedrückt hatte, stellte sich stur. Wie ein hochrangiges Mitglied der Formel 1 verriet, setzte der Brite die Teamchefs und Veranstalter in Indianapolis sogar massiv unter Druck. Als er bei einem Telefongespräch mit Briatore die Schikane genehmigen sollte, drohte Mosley mit dem Abzug der Streckensicherung und Zeitnahme, von Safety- und Medical-Car.

Mosley drohte mit einem FIA-Boykott gegen Nordamerika

Als die neun Teamchefs - lediglich Ferrari enthielt sich - und Indy-Boss Tony George mit Hilfe von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone dennoch an ihrer Idee festhalten wollten, ging Mosley noch einen Schritt weiter. Er drohte mit dem Entzug der FIA-Genehmigung und -Unterstützung für alle Rennserien in Nordamerika und setzte seinen Willen durch. Jetzt muss er nicht nur mit einer Flut von Protestbriefen - George veröffentlichte dafür die Adresse der FIA - rechnen, sondern auch mit einer Welle von Schadenersatzklagen.

Ausgelöst hatte die ganze Affäre aber Michelin: Weil der Fehler an dem Reifen, der am Freitag zum schweren Unfall von Toyota-Pilot Ralf Schumacher geführt hatte, nicht zu finden war, gaben die Franzosen ihren Teams aus Sicherheitsgründen keine Startfreigabe für das Rennen. Alle sieben Rennställe zeigten sich solidarisch und standen beispielhaft zu ihrem Reifenpartner. "Das war ein gutes Gefühl", sagte der gebeutelte Michelin-Sportchef Pierre Dupasquier.

Michael Schumacher gab zu, dass er bei einem ähnlichen Problem auch auf den Start verzichtet hätte. Er bat jedoch um Verständnis, dass er und Teamkollege Rubens Barrichello gefahren sind: "Ferrari hat nichts falsch gemacht", meinte der Kerpener, der auf einen Schlag mit 34 Punkten auf den dritten Platz der Gesamtwertung vorgerückt ist und sich im WM-Rennen zurückgemeldet hat.

Der Rückstand auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso aus Spanien (Renault/59) beträgt nur noch 25 Zähler. Schumacher: "Es waren zehn Punkte für uns, natürlich ist das wichtig für die Meisterschaft. Aber unter diesen Umständen braucht man sich nicht wirklich zu freuen."

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