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Toro Rosso im Hintertreffen: "Sehr schwieriger" Start in Spa

Carlos Sainz und Daniil Kwjat kämpfen in Belgien mit wenig Power gegen den Abstieg ans Ende des Mittelfeldes - Sainz ratlos und verwirrt

(Motorsport-Total.com) - Carlos Sainz sollte mit seiner düsteren Prognose recht behalten. Schon am Donnerstag noch vor dem ersten Training in Belgien prophezeite der Spanier das bisher schwierigste Wochenende für Toro Rosso. Am Freitag folgte die erste Ausfahrt und sein Resümee fällt erwartungsgemäß negativ aus: "Das war ein sehr, sehr schwieriger Freitag." Teamkollege Daniil Kwjat konnte ihm nicht widersprechen.

Carlos Sainz

P18 & P14: Kein guter Arbeitstag für Carlos Sainz im STR11 am Freitag in Belgien Zoom

Schaffte Sainz am Vormittag nur den 18. Rang (+2,1 Sekunden), konnte Kwjat immerhin den 14. Platz (+1,8 Sekunden) hinter Lewis Hamilton erreichen. Im zweiten Training kam der Spanier besser in Fahrt und sicherte sich den 14. Rang (+3 Sekunden), Kwjat landete auf dem 17. Platz (+4 Sekunden). "Ich bin im Moment auch etwas verwirrt", gibt Sainz zu, denn "im Vergleich zum Vorjahr sind wir schwach. Das haben wir nicht erwartet. Wir müssen das nun analysieren, um aufzuklären, warum wir weder in Sektor eins, zwei noch drei stark sind." (Der Freitag in Belgien in der Chronologie!)

Bereits am Donnerstag argumentierte der 21-Jährige, dass der STR11 auf der Power-Strecke in Spa aufgrund des 2015er-Ferrari-Antriebs im Hintertreffen liegt. Doch nicht nur der Motor sei schwach, auch das Chassis kann die Performance nicht retten: "Das hängt miteinander zusammen. Hätten wir einen Mercedes-Motor, könnten wir mehr Abtrieb fahren und wären im zweiten Sektor sehr gut." Mit jenem Abtrieb, den man am Freitag eingestellt hat, sei man auch auf anderen Strecken gefahren. Doch dort sei man auch in den Kurven konkurrenzfähig gewesen.

Sainz: "Jeder hat sich verbessert, nur wir nicht"

Daniil Kwjat

P14 & P17: Auch für Kwjat gab es am Freitag in Belgien wenig Grund zur Freude Zoom

"Hier sind wir beim gleichen Abtrieb nicht konkurrenzfähig. Jetzt müssen wir vor allem schauen, warum wir im zweiten Sektor nicht stark sind. Im ersten und dritten Sektor haben wir das schon erwartet." Denn vor allem im ersten und dritten Abschnitt kommt die Power des Antriebs zum Tragen. Trotzdem versucht er zu relativieren: "Das Gefühl (im Auto; Anm. d. Red.) ist kein Desaster, aber auch nicht perfekt. Mit dem Soft sind wir drei Sekunden langsamer als die Pole des Vorjahres. Das wirft Fragen auf. Jeder hat sich verbessert, nur wir nicht."

Weniger dramatisch sieht Daniil Kwjat die Ausgangslage: "Freitag ist nur Freitag. Man fährt herum und schaut sich an, wie sich das Auto verhält. Auf dieser Strecke könnten die Reifen eine interessante Herausforderung darstellen. Es wird mit diesen Mischungen hier nicht einfach, man muss das Arbeitsfenster genau erwischen", weiß der Russe. Toro Rosso entschied sich wie auch Ferrari oder Williams für eine aggressivere Reifenwahl mit sieben Supersoft-Sätzen.

Carlos Sainz

"Halo"-Test: Neben Sainz fuhren auch Rosberg, Hülkenberg & Ricciardo damit Zoom

"Natürlich können wir uns noch verbessern. Wir müssen unsere Schwachpunkte identifizieren und sie für morgen finden", fordert der Russe. Zum Thema Reifen hatte auch Sainz etwas zu sagen. Der Spanier polterte über den hohen Reifendruck: "Wir sind damit zu weit gegangen. Der Supersoft ist nach zwei Runden schon unfahrbar. Es ist ungefähr so, als würde man auf einer total nassen Strecke fahren - obwohl es trocken ist. Es ist sehr rutschig. Ich fühle mich nicht unbedingt sehr wohl dabei", gibt er zu.

Sainz fuhr am Vormittag außerdem eine Installationsrunde mit dem "Halo" auf dem Auto. Er bestätigt, dass die Sicht überhaupt kein Problem ist. "Man kann perfekt sehen, wie die Kurven verlaufen. Die Augen gewöhnen sich daran und am Ende der Runde merkst du gar nicht mehr, dass es da ist. Die größte Schwachstelle ist wahrscheinlich das Ein- und Aussteigen", so der erklärte "Halo"-Befürworter. Daran müsse noch gearbeitet werden.

Probleme mit der Reifentemperatur

Chefingenieur Phil Charles gibt Sainz mit seiner Einschätzung bezüglich des zweiten Sektors recht. In den mittelschnellen Kurven verliert Toro Rosso unerwartet viel. "Ich denke nicht, dass wir den Reifen in ein gutes Arbeitsfenster gebracht haben und die Fahrer konnten nicht viel Grip spüren. Wir hatten bei den warmen Temperaturen sehr hohe Reifentemperaturen", erklärt er den Rückstand auch in diesem Streckenabschnitt.


Fotos: Toro Rosso, Großer Preis von Belgien, Freitag


Grundsätzlich unwohl fühlte sich Kwjat vor der Sommerpause im Formel-1-Boliden. Er gab sogar zu, dass er die Lust am Rennfahren verloren hat. Wie geht es ihm nun nach einer dreiwöchigen Pause fernab des Formel-1-Zirkus? "Vor der Sommerpause war es anders im Vergleich zu jetzt. Wir müssen abwarten, wie es morgen und Sonntag läuft. Davor möchte ich darüber nicht sprechen." Helmut Marko meinte, dass Kwjat nur ein, zwei gute Ergebnisse benötigen würde, um zu seiner alten Form zurückzufinden. Kwjat entgegnet: "Zuerst will ich ein gutes Rennen abliefern, dann werden wir sehen, was passiert. Im Moment mache ich hier nur meinen Job und denke über nichts anderes nach."