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Genii vs. Renault: Heikles Pokerspiel um Lotus-Übernahme

Wieso Genii Capital und Renault in Sachen Lotus-Übernahme abwarten, während Formel-1-Boss Bernie Ecclestone das Überleben des Rennstalls sicherte

(Motorsport-Total.com) - In Spa war Lotus mit Romain Grosjeans drittem Platz auf der Strecke der heimliche Sieger, aber nach wie vor wartet das Team auf eine Übernahme durch den Automobilhersteller Renault. Doch warum gibt es derzeit diesbezüglich kaum Bewegung, obwohl sich die finanzielle Lage immer weiter zuspitzt?

Romain Grosjean

Quo vadis, Lotus: Fällt das Team einem politischen Pokerspiel zum Opfer? Zoom

In Ungarn konnte man eine Rechnung für die Pirelli-Reifen lange nicht bezahlen und erhielt diese erst kurz vor dem Beginn des Freien Trainings. In Spa steckten die LKW auf dem Ardennenkurs fest, weil diese vom belgischen Gerichtsvollzieher beschlagnahmt wurden. Das Problem: Ex-Testfahrer Charles Pic meint, dass er für Freitag-Einsätze bei Lotus bezahlt hätte, zu denen es nie gekommen ist.

Renault wartet: Noch kein Lotus-Angebot

Am Ende musste Formel-1-Boss Bernie Ecclestone aushelfen: Der Brite beschwichtigte den französischen Rennfahrer, zudem bezahlte er die vakanten Juli-Gehälter der 400 Teammitarbeiter, um den vorzeitigen Lotus-Niedergang zu verhindern. "Ich dachte, dass ich die Gehälter der Leute abdecken sollte, damit es ihnen gutgeht und es Lotus zumindest nach Spa und hoffentlich nach Italien schafft", wird Ecclestone von 'Times' zitiert. "Sie müssen nun aber mit Renault wirklich Fortschritte erzielen, damit alles in Ordnung ist."

Ecclestones Beweggründe sind klar: Der 84-Jährige will unbedingt dafür sorgen, dass das hochverschuldete Team von den Franzosen übernommen wird. Die haben aber laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' noch kein Angebot an die Truppe aus Enstone gestellt. Die Gründe erscheinen auf den ersten Blick schleierhaft.

Übernimmt der Insolvenzverwalter?

Gerard Lopez, Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone (mit Gerard Lopez) musste Lotus unter die Arme greifen Zoom

Doch hinter den Kulissen scheint sich gerade ein Pokerspiel zwischen den aktuellen und den wahrscheinlichen künftigen Besitzern abzuspielen: Die britische Steuerbehörde hat für den Mittwoch nach dem Grand Prix von Italien in Hinblick auf die Außenstände eine Anhörung anberaumt - man fordert eine Übernahme des Teams durch den Insolvenzverwalter FRP Advisory, der bereits die Marussia-Insolvenz bewältigte. Zudem wies man das Gericht an, drei schwebende Liquidationsverfahren fallen zu lassen, da das Team dadurch seine Lizenz und den Großteil seines Werts verlieren würde.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hat vor allem mit den aktuellen Besitzern des Rennstalls zu tun. Das Finanzunternehmen Genii Capital, das von Teamchef Gerard Lopez geleitet wird, hält die Mannschaft seit dieser Saison auf Sparflamme, weshalb sich die Schlinge immer enger zuzieht. Dahinter steckt Kalkül: Wenn nun einige Gläubiger ihr Geld bekommen, würde man eine Kettenreaktion auslösen und auch die verbleibenden Gläubiger aufscheuchen, die ebenfalls ihre Chance sehen würden.

Warum Renault auf Zeit spielt

Geht es nach Lopez, dann sollte aber Renault das Finanzloch stopfen - und nicht der Genii-Konzern, der das in den vergangenen Jahren immer wieder mit kurzfristigen Finanzspritzen getan hat.

Doch der französische Staatskonzern wartet nun scheinbar das Verhalten der britischen Steuerbehörden ab. Ein Pokerspiel, das für Lopez Gefahren birgt: Sollte tatsächlich der Insolvenzverwalter die Kontrolle übernehmen, dann würden vermutlich die meisten kleineren Gläubiger ihr Geld erhalten, nicht aber das Finanzunternehmen Genii Capital, bei dem Lotus die meisten Schulden hat. Genau darauf scheint Renault zu warten: Man könnte in so einem Fall kurzfristig eingreifen und den Rennstall retten.

Das hat auch politische Hintergründe: Renault will auf keinen Fall den Eindruck vermitteln, mit Geld um sich zu werfen. Der Konzern gehört zu 20 Prozent dem französischen Staat. Die Regierung plant derzeit Steuersenkungen, um die in Turbulenzen geratene Grande Nation wirtschaftlich wieder auf Kurs zu bringen und somit im Amt zu bleiben. Ein Formel-1-Comeback mit schiefer Optik käme da nicht gerade gelegen.

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