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Paddock live

Formel 1 Bahrain 2020: Der Freitag in der Chronologie

Aktuell im Formel-1-Liveticker: +++ Ferrari strukturiert weiter um +++ George Russell fährt Bestzeit in FT1 und FT2 +++ Grosjean spricht nach seinem Unfall in Bahrain +++

10:58 Uhr

Trainingstag!

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Formel-1-Livetickers! Der Medientag liegt hinter uns, heute stehen die ersten beiden Trainings in Bahrain auf dem Plan. FT1 beginnt zwar erst um 14:30 Uhr, doch wir sind trotzdem bereits jetzt am Start, denn um 11:30 Uhr gibt Romain Grosjean eine Online-Medienrunde. Und da sind wir natürlich live dabei!

Ruben Zimmermann wird dich an dieser Stelle erneut durch den Freitag begleiten, und für Fragen, Kritik und Anregungen stehen dir wie immer unser Kontaktformular und unser Twitter-Hashtag #FragMST zur Verfügung. Auf geht's!


11:13 Uhr

Verstappen: Vandoorne tut mir leid

Während wir auf Grosjean warten, nutzen wir die Zeit, um uns anzuhören, was Max Verstappen über die Situation von Stoffel Vandoorne zu sagen hat. Der Mercedes-Ersatzpilot bekam an diesem Wochenende keine Chance und zeigte sich danach enttäuscht. "Ehrlich gesagt tut er mir ein bisschen leid", so Verstappen, der laut eigener Aussage eine "gute Beziehung" zum Belgier hat.

"Ich hätte gerne gesehen, dass Stoffel eine Chance im Mercedes bekommt. Andererseits verstehe ich, dass Mercedes jemanden ins Auto setzt, der schon die ganze Saison Formel 1 gefahren ist und Erfahrung mit Mercedes hat. Und George hat natürlich einige ihrer Autos getestet", erinnert er. Trotzdem leide er ein bisschen mit Vandoorne.


11:29 Uhr

Die PK der Teamchefs ...

... beginnt heute übrigens zur ungewohnten Zeit um 16:30 Uhr. Zu Gast sind zunächst Günther Steiner (Haas), Toto Wolff (Mercedes) und Mario Isola (Pirelli), in Teil zwei folgen Franz Tost (AlphaTauri), Otmar Szafnauer (Racing Point) und Christian Horner (Red Bull). Die wichtigsten Aussagen gibt es auch dabei natürlich wieder hier im Ticker. Jetzt geht’s aber erst einmal bei Romain Grosjean los!


11:37 Uhr

Grosjean: Das passierte nach dem Einschlag

"Es waren 28 Sekunden [im Feuer], hat sich aber viel länger angefühlt", berichtet der Franzose und verrät: "Das Erste, was ich gemacht habe, war mich abzuschnallen, als das Auto einmal stand. Ich dachte, ich hätte das Lenkrad weggenommen, aber man hat mir gesagt, dass die Lenksäule gebrochen war und es zwischen meinen Beinen lag."

"Als ich raus wollte, habe ich mir den Kopf angestoßen. Ich drehte mich nach links, und wieder den Kopf angestoßen. Ich habe überall Feuer gesehen. Da war keine Zeit zu warten. Ich musste an Niki Lauda denken. Ich hab's immer wieder probiert, aber ich steckte fest", verrät er.

Grosjean weiter: "Dann hat sich mein Körper entspannt. Ich war im Reinen mit mir und dachte, ich würde sterben. Ich habe mich gefragt, wo es anfängt, ob das wehtut. Dann musste ich an meine Kinder denken. Ich dachte: 'Die können ihren Papa nicht heute verlieren!'"


11:41 Uhr

Grosjean: Ich war ein laufender Feuerball

"Irgendwie habe ich es dann mit der Schulter durchgeschafft", schildert Grosjean seinen Ausstieg und ergänzt: "Ich habe meine roten Handschuhe gesehen. Einer wurde vom Feuer schon ganz schwarz. Ich bin erleichtert, dass ich aus dem Auto raus bin, und spüre, wie mich jemand berührt. Da habe ich dann gemerkt, dass ich ein laufender Feuerball bin."

"Ich habe meine Hände geschüttelt, weil sie wehgetan haben. Es fühlte sich an, als würde die Haut schmelzen. Ich habe sofort die Handschuhe ausgezogen. Die Haut blieb zum Glück dran", berichtet er und ergänzt: "Ian [Roberts] hat mich angeschrien: 'Setz dich hin!' Und ich habe ihm nur gesagt, er soll normal mit mir reden."

"Sie haben gesagt, dass ich auf die Trage warten soll, aber ich wollte unbedingt gehen. Mir war wichtig, dass man Bilder sehen kann, dass es mir gut geht und dass ich zum Rettungswagen gehen kann", verrät er und ergänzt: "Manche Dinge haben wahrscheinlich nur Millisekunden gedauert. Aber mir kam es wie mehrere Sekunden vor."


11:44 Uhr

Grosjean: Abu Dhabi wichtig, aber ...

Der Franzose macht kein Geheimnis daraus, dass er in Abu Dhabi wieder fahren will. Er stellt aber auch klar: "Meine linke Hand brauche ich noch 60 Jahre. Mir ist das Rennen wichtig, aber ein Rennen ist nicht so wichtig wie der Rest meines Lebens." Trotzdem sei es ein "Ziel", beim Saisonfinale zu fahren. Aber wie realistisch ist das? "Der Körper erholt sich so schnell wie möglich", erklärt er.

"Verbrennungen sind leider keine genau vorhersehbare Wissenschaft. Ich bin da jetzt Fachmann. Wenn sich die Haut ablöst sieht man Dinge, die man nicht sehen will. Ich hoffe jeden Tag, dass die Genesung schneller geht als am Tag davor", erklärt er und ergänzt: "Ich habe meiner Familie gleich gesagt: 'Ich fahre in Abu Dhabi.' Sie waren nicht begeistert. Aber ich habe gesagt, dass ich da egoistisch sein und das für mich versuchen muss."


11:47 Uhr

Grosjean: "Ich hatte nie Panik"

"Ich hatte nie Panik. Ich habe mathematisch genau gewusst, was ich tun muss. Ich weiß nicht, ob das angeboren ist oder ob man das lernen und trainieren kann. Aber das hat mich gerettet", verrät er. Ähnliches berichtet übrigens auch Marc Surer in unserem Video. "Wenn ich die Bilder gesehen hätte und es wäre wer anderer gewesen, hätte ich garantiert gedacht, dass der Fahrer tot ist", gesteht Grosjean.

"Vielleicht kann ich das tun, was Jules [Bianchi] für mich getan hat. Durch die Erfahrung meines Unfalls anderen zu helfen. Das wäre ein tolles Vermächtnis", so Grosjean, der vor einigen Jahren noch Halo-Gegner war. "Nur dumme Menschen ändern ihre Meinung nicht", sagt er und stellt klar: "Ich würde heute in kein Rennauto ohne Halo mehr steigen."


Surer erinnert sich: Wie das so ist im Feuerball

Romain Grosjean hat sich in erster Linie selbst gerettet, sagt Marc Surer. Er muss es wissen. 1986 wäre er bei einem ähnlichen Crash fast gestorben! Weitere Formel-1-Videos


11:50 Uhr

Ricciardo-Kritik: Grosjean versteht beide Seiten

Unter anderem Daniel Ricciardo hat die Formel 1 heftig dafür kritisiert, die Bilder vom Unfall unmittelbar danach immer wieder im TV gezeigt zu haben. "Ich verstehe beide Seiten", sagt Grosjean und erklärt: "Für die Fahrer war es schrecklich. Kevin [Magnussen] kam am Sonntagabend ins Krankenhaus. Er hat mich aus dem Auto aussteigen sehen, dachte aber trotzdem, dass ich das nicht überleben kann."

"Er hatte Angst, dass ich im Schock ausgestiegen bin, aber dann was nachkommt. Wenn du das als Fahrer siehst ... Selbst heute, wenn ich es sehe, es ist verrückt. Es ist der schwerste Unfall, den ich je in meinem Auto gesehen habe. Es ist außergewöhnliches Bildmaterial. Ich kann schon verstehen, während sie die Leitplanken aufbauen, dass das gezeigt wird. Ich verstehe beide Seiten", so Grosjean.


11:54 Uhr

Kein Problem mit Onboard-Aufnahmen

Der Franzose spricht sich sogar dafür aus, dass die Onboard-Aufnahmen aus seinem Auto vom Crash veröffentlicht werden. "Ich habe sie selbst noch nicht gesehen, habe aber darum gebeten. Man muss alles untersuchen", erklärt er und stellt klar :"Ich bin nicht dagegen, dass das ausgestrahlt wird. Wenn es hilft, anderen Rennfahrern dabei zu helfen, wie sie sich verhalten müssen, dann wäre das gut. Ich hoffe, dass es veröffentlicht wird."


11:57 Uhr

Abu Dhabi: Darum will Grosjean unbedingt fahren

"Weil es mein Leben war", erklärt der Franzose und ergänzt: "Ich möchte meine Karriere auf der Ziellinie beenden, und nicht mit diesem Tag [in Bahrain]. Auch wenn es nicht so dramatisch ist, wenn ein Haas ganz hinten über die Ziellinie fährt, aber das wünsche ich mir. Wenn es nicht klappt, ist es auch okay. Ich werde noch andere Rennen fahren."

Laut den Ärzten sei es "schwer zu sagen", wie seine Chancen stehen. "Die Mobilität der linken Hand wird jeden Tag besser, aber es ist noch sehr geschwollen", sagt er und verrät: "Ich bin dieses Jahr in der Küche gestürzt und habe mir was gebrochen. Ich habe zwei Finger selbst eingerenkt. Ich kann mit Schmerzen gut umgehen."

"Ich habe das niemandem gesagt, weil ich kein Drama draus machen wollte. - Nur Fieber geht gar nicht! Zwei Grad zu hoch und ich sterbe", lacht er. Seinen Humor hat er definitiv nicht verloren.


12:00 Uhr

Apropos Humor ...

Unser Ex-Kollege Dieter Rencken spricht Grosjean darauf an, dass er in den ersten Runden der Rennen mehr Unfälle gehabt habe als alle anderen Fahrer zusammen und ob er seinen Fahrstil in Zukunft überdenken werde. Einige Journalisten in der Medienrunde schütteln über diese Frage den Kopf.

Grosjean selbst nimmt's aber mit Humor. Er stimme der Statistik nicht zu, lacht er - und ergänzt: "Sniper Dieter Rencken legt das Gewehr an!" Beeindruckend, wie er selbst potenziell unangenehme Situationen weglächelt.


12:03 Uhr

Grosjean: Kwjat war im toten Winkel

Auch darüber hat der Franzose gesprochen. Er berichtet: "Ich hatte einen sehr guten Exit aus Kurve 1. Zu dem Zeitpunkt war rechts niemand neben mir. Auf der linken Seite sehe ich viele Funken und kleine Teile. Ich schaue in den Spiegel und sehe niemanden rechts neben mir. Rechts vorne ist eine Lücke, also fange ich an rüberzuziehen. Ich stimme zu, dass ich ziemlich aggressiv die Spur gewechselt habe."

"In Bahrain haben sie neben der Strecke diesen aufgemalten Sand. Selbst wenn du jemandem den Weg abschneidest, kann der neben die Strecke fahren. Wenn man das alles berücksichtigt, war es nicht verrückt, was ich gemacht habe. Spiegel sind nicht die beste Technologie, die die F1 hat", erinnert er und erklärt: "Dany [Kwjat] war in meinem toten Winkel."

"Keine Chance, dass ich ihn hätte sehen können. Darum kam mir der Gedanke, dass ich nach rechts ziehen könnte", so Grosjean. War letztendlich keine so gute Idee ...


12:06 Uhr

So erlebte Grosjeans Familie den Unfall

"Für [meine Frau] Marion war es sehr schwierig", berichtet er und verrät: "Sie kam am Mittwochabend [in Bahrain] an. Für sie war wichtig, mich zu umarmen. Sie konnte nicht fassen, dass ich noch in einem Stück bin. Am schwierigsten ist für mich nicht, was ich durchgemacht habe. Das ist das Risiko, das wir eingehen. Am schwierigsten ist für mich, was meine Familie, meine Eltern, meine Freunde durchmachen mussten."

"Sie dachten fast drei Minuten, dass ich sterben werde. Dass sie das durchmachen mussten, treibt mir die Tränen in die Augen", verrät er und ergänzt: "Die Kinder waren besorgt, dass ich ganz verbrannt und schwarz sein würde. Mein fünfjähriger Sohn konnte nicht verarbeiten, dass ich selbst ausgestiegen bin. Er glaubt, ich bin geflogen. Deswegen glaubt er jetzt, ich bin ein Superheld."


12:09 Uhr

Grosjean: Konnte kaum etwas sehen

"Ich konnte nicht viel sehen", berichtet er und ergänzt: "Es war Nacht, kein Licht. Einmal habe ich den Feuerlöscherknopf gesucht, konnte ihn aber nicht finden. Hätte eh nix gebracht. Helm und Visier sind intakt. Nur die Schutzfolien sind geschmolzen. Aber ich konnte genug sehen. Die rechte Seite hat noch ein bisschen was gesehen, und das Gehirn war dazu in der Lage, sich daraus das volle Bild zusammenzusetzen."


12:13 Uhr

Wie geht es nach Abu Dhabi weiter?

Das letzte große Thema der Medienrunde ist Grosjeans Zukunft nach der Formel 1. Diese ist noch immer unklar, und er selbst erklärt, dass er sich auch noch keine weiteren Gedanken gemacht habe. "Wir haben mal über IndyCar geredet. Der Gedanken an Ovale mit schweren Unfällen, weit weg von meiner Familie, ist im Moment nicht so reizvoll. Aber ich werde erst später eine Entscheidung treffen", kündigt er an.

"Vorige Woche war meine Priorität, einen Vertrag zu unterschreiben und Rennen zu fahren. Das hat sich ein bisschen verändert", erklärt er und ergänzt: "Jetzt denke ich so, dass ich auch Radfahren und Kitesurfen und Zeit mit meiner Familie verbringen kann." Wir drücken ihm einfach die Daumen, dass er etwas findet, was ihm Spaß macht - ob im Rennauto oder woanders!


12:18 Uhr

Das war's von der Medienrunde!

Das war es von der durchaus beeindruckenden Medienrunde von Romain Grosjean. Wir wollen die gesammelten Eindrücke nun auch erst einmal verarbeiten und legen hier im Ticker zunächst eine kurze Pause ein. Ab Mittag sind wir dann mit dem gewohnten Programm wieder für dich da. Sprich: FT1, PK der Teamchefs, FT2 und Nachbereitung der Trainings. Bis später!


Fotos: Grand Prix von Sachir