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Alex Wurz: Wie gefährlich der ominöse MP4-18 wirklich war

Von Bremsdefekten bis zum Bruch des Unterbodens: Der McLaren MP4-18 ließ kaum eine Panne aus und schaffte es aus guten Gründen nie zu einem Grand Prix...

(Motorsport-Total.com) - Adrian Newey gilt als einer der größten Designer in der Geschichte der Formel 1. Je zehn Fahrer- und Konstrukteurstitel konnten die von ihm entwickelten Autos für Williams, McLaren und zuletzt Red Bull im Laufe der Jahre einfahren. Doch auch der mittlerweile 57-Jährige greift hin und wieder daneben. Sein vielleicht berühmtester Flop ist der McLaren MP4-18, mit dem das Team aus Woking in der Saison 2003 nach dem Titel greifen wollte. Zu einem Grand Prix schaffte es der Bolide allerdings nie...

Alexander Wurz

Ein Ausflug ins Kiesbett gehörte noch zu den kleineren Zwischenfällen... Zoom

"In der Saison 2003 hatten wir den McLaren MP4-17D", erinnert sich der damalige Testpilot Alex Wurz zurück. "Wir haben das Auto sehr gut entwickelt, und am Ende war es ein sehr gutes Rennauto. Leider hatten wir einige Probleme mit der Zuverlässigkeit des Motors, aber in der zweiten Saisonhälfte holte Kimi die meisten Punkte, als es keine Motorschäden mehr gab. Er kämpfte bis zum letzten Rennen um die Weltmeisterschaft."

In jenem Jahr verpasste Kimi Räikkönen den WM-Titel im MP4-17D nur um zwei Punkte an Michael Schumacher. Ursprünglich hätte der Finne das weiterentwickelte Vorjahresauto allerdings gar nicht bis zum Saisonende fahren sollen. "Das war auch des Jahr des MP4-18. Es war sehr spannend, denn der 18 war seiner Zeit weit voraus, aber leider lief er nie zuverlässig", erinnert sich Wurz zurück.

Plötzlich bricht der Unterboden...

Damals war es für die Spitzenteams nicht unüblich, das neue Auto erst mit etwas Verspätung an den Start zu bringen. So startete Ferrari 2002 zunächst mit dem F2001B in die Saison, und auch für die ersten vier Rennen des Jahres 2003 musste zunächst noch der alte Bolide herhalten. Auch der MP4-17D sollte eigentlich nur ein Übergangsauto sein, doch der MP4-18 schaffte es nie über Testfahrten hinaus - und das aus guten Gründen.

Alexander Wurz

Zum Glück sind die Auslaufzonen auf dem Circuit Paul Ricard ziemlich groß... Zoom

"Für den MP4-18 legten die Designer fest, dass der Motor aus aerodynamischen Gründen sehr niedrig liegen muss. Aber es gab immer wieder Motorschäden. Ich fuhr ihn am ersten Tag in Paul Ricard, und er war schnell", berichtet Wurz. "Es war ein guter Start, aber es war das einzige Mal, dass der 18 schneller war als der 17D", so der Österreicher, der in den folgenden Monaten eine echte Odyssee erlebte.

"Dreimal versagten mir an diesem Auto die Bremsen, aber zum Glück passierte mir nichts, denn es geschah immer in Kurve 1 in Paul Ricard. Als der Motor platzte, wurden die Bremsleitungen durchtrennt, also reagierte das Pedal nicht mehr", schildert Wurz. Das war allerdings erst der Anfang der Pannenserie. Der immer wieder überhitzende Motor war dabei aus Pilotensicht noch das geringste Problem...

"Wir gingen mit dem 18 nach Jerez, und in Kurve 4 brach der Unterboden. Ich hatte einen massiven Einschlag, bei dem der Motor am Ende neben mir lag. Niemand wusste wirklich, was passiert war, aber man konnte auf dem Asphalt Spuren des Unterbodens sehen, und dann drehte ich mich", verrät der heute 42-Jährige. Die Testfahrten gingen trotz der Vorfälle weiter.

"Keiner wollte dieses Auto fahren!"

"Dann hatte ich einen Tag in Silverstone. In Becketts/Maggotts verlor ich dreimal das linke Vorderrad, weil die Belastungen so hoch waren, dass sich das Rad in der ersten Linkskurve lockerte, und in der zweiten Linkskurve flog es dann ab. Dann versagten in einer langsamen Kurve die Bremsen, was Glück war, denn so konnte ich durch das Kiesbett und das Gras fahren, und es wieder zurück auf die Strecke schaffen", berichtet Wurz weiter.

Alexander Wurz

Laut Adrian Newey war der MP4-18 "aerodynamisch viel zu heikel" Zoom

"Sie reparierten das Auto und sagten, dass wir noch einen Versuch fahren müssen. Sie schickten mich wieder raus, und in der Bridge-Kurve brach die Hinterradaufhängung. Ich hatte einen heftigen Einschlag, und das Auto zerbrach wieder in zwei Teile. Ich kam zurück in die Garage, nahm mein Handy, rief den Teamchef an und sagte: 'Tut mir leid, aber ich will dieses Auto nicht mehr fahren.'"

Wurz verrät: "Kein Rennfahrer wollte damals dieses Auto fahren! Das waren meine letzten Meter mit dem MP4-18..." Weil die Probleme zu groß waren, schaffte es erst das Nachfolgemodell, der MP4-19, im Jahr 2004 zu einem Grand Prix. Dieser erbte zwar die Unzuverlässigkeit des Vorgängers, doch immerhin blieben die Piloten von ähnlich kuriosen und angsteinflößenden Unfällen verschont.

Der MP4-18 ging währenddessen als "Phantomauto" in die Geschichte der Formel 1 ein. Newey selbst ordnet das Projekt Jahre später selbst als gigantischen Flop ein und erklärt: "2003 habe ich das schlimmste Auto abgeliefert, das ich jemals entworfen habe. Es war zu ambitioniert und aerodynamisch viel zu heikel." Ende 2005 trennten sich die Wege von McLaren und Newey, der anschließend mit Red Bull je viermal die Fahrer- und Konstrukteurs-WM gewinnen konnte.

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