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MotoGP-Test Katar, Tag 2: Fabelzeiten und Stürze bei Abschluss der Wintertests

Francesco Bagnaia am letzten Testtag in Lusail sogar unter 1:51 Minuten - Aleix Espargaro auf Aprilia erster Ducati-Verfolger, aber einer der vielen Gestürzten

(Motorsport-Total.com) - Die insgesamt elf MotoGP-Teams von Ducati, KTM, Aprilia, Honda und Yamaha haben das offizielle Testprogramm in Vorbereitung auf die Grand-Prix-Saison 2024 abgeschlossen. Auf dem Lusail International Circuit in Katar fand am Dienstag der letzte Tag der Wintertestfahrten statt. Es war der Abschluss des Zweitagestests, der am Montag begonnen hatte.

Titel-Bild zur News: MotoGP-Test auf dem Lusail International Circuit in Katar

In Katar sind die MotoGP-Testfahrten zu Ende, der Saisonauftakt steht an Zoom

MotoGP-Champion Francesco Bagnaia (Ducati), der schon am Montag der Schnellste gewesen war, hat sich am Dienstag mit einer sagenhaften Rundenzeit von 1:50.952 Minuten die Tagesbestzeit und gleichzeitig die Testbestzeit gesichert. Mehr noch: Der offizielle Streckenrekord in Lusail, gefahren von Luca Marini am Katar-Rennwochenende im November 2023, wurde von Bagnaia um satte 0,810 Sekunden unterboten!

Waren es am Montag 23 Piloten gewesen, die auf die Strecke gingen, so wurden am Dienstag 24 gezählt. Neu hingekommen für den Schlusstag ist Aprilia-Testfahrer Lorenzo Savadori. Genau wie am ersten Testtag, so tat sich aber auch am zweiten zunächst stundenlang wenig. Dann aber wurden die Hosen heruntergelassen.

Die besten Bedingungen herrschen in Katar traditionell am Abend, wenn sich die Sonne verzogen hat und die Strecke sauber gefahren ist. Deshalb gab es den meisten Fahrbetrieb wieder erst gegen Ende der Session. Schluss war um 21:00 Uhr Ortszeit (19:00 Uhr MEZ) und zu diesem Zeitpunkt war die Fabelzeit von Bagnaia endgültig in Stein gemeißelt. Ein offizieller neuer Streckenrekord ist es aber nicht, weil die Zeit "nur" bei Testfahrten erzielt wurde.

Ducati: Werksteam an der Spitze - Marc Marquez holt auf

Technisch gesehen gab es im Ducati-Lager am letzten Testtag des Winters keine großen Überraschungen mehr. Was den Motor betrifft, waren alle vier Desmosedici GP24 - zwei im Werksteam und zwei im Pramac-Team - mit dem 2024er-Aggregat ausgestattet.

Hinsichtlich der Aerodynamik nutzte man bei Ducati die 2023er-Verkleidung bei Tageslicht, als der Streckenzustand noch nicht perfekt war. Unter Flutlicht kam dann wie schon tags zuvor die 2024er-Verkleidung zum Einsatz. Und damit wurden auch die besten Rundenzeiten erzielt. Bagnaias Teamkollege Enea Bastianini schloss den Test mit 0,120 Sekunden Rückstand als Zweitschnellster ab.

Francesco Bagnaia

Francesco Bagnaia schloss den Test mit Fabelzeit als Schnellster ab Zoom

Pramac-Pilot Jorge Martin konnte seinen letzten Versuch nicht beenden. Er belegte P7 im Tagesklassement. Marc Marquez (Gresini-Ducati) blieb am Dienstag gleich bei seiner ersten Ausfahrt aus der Box stehen, noch bevor überhaupt die sogenannte Out-Lap beendet war.

Wenig später markierte Marquez aber vorübergehende Bestzeit. Und am Endes des Tages wurde für ihn P4 mit weniger als 0,4 Sekunden Rückstand notiert. Am Montag hatten dem Neuzugang im Ducati-Lager noch 0,9 Sekunden auf die Spitze gefehlt. In der letzten halbe Stunde hatte Marquez in Kurve 4 einen harmlosen Sturz. Es war sein erster seit dem Wechsel von einer Honda auf eine Ducati.

Im VR46-Team hinterließen am Schlusstag sowohl Routinier Marco Bezzecchi als auch Neuzugang Fabio Di Giannantonio einen starken Eindruck auf der Vorjahres-Ducati GP23. Nach viereinhalb der sieben Stunden am Dienstag war Di Giannantonio der erste, der unter die Montagsbestzeit von Ducati-Werkspilot "Pecco" Bagnaia kam.

Marc Marquez

Marc Marquez verzeichnete am letzten Testtag Fortschritte: P4 auf der GP23 von Gresini Zoom

Kurz darauf war dann VR46-Teamkollege Bezzecchi der erste, der die 1:52er-Marke knackte. Dabei knackte "Bez" auch gleich den offiziellen Streckenrekord, den Luca Marini im Qualifying des Katar-Wochenendes 2023 auf einer Ducati GP22 des VR46-Teams aufgestellt hatte. Am Schluss war trotzdem "Diggia" der schnellere der beiden aktuellen VR46-Piloten, weil er noch einmal nachlegte.

Aprilia wirklich zweite Kraft hinter Ducati?

In der Zeitentabelle des Schlusstages war Aprilia die zweite Kraft hinter Ducati. Aleix Espargaro belegte den dritten Platz, hatte allerdings in der letzten Stunde des Tests einen Sturz in Kurve 5. Teamkollege Maverick Vinales beendete den Test auf P6, war damit aber nur drittschnellster Aprilia-Fahrer.

Aerodynamisch betrachtet drehten sowohl Espargaro als auch Vinales am Dienstag ihre Runden mal mit der 2023er-Heckpartie der RS-GP und mal mit der 2024er. Die neue Heckpartie erinnert rein von der Optik her ein wenig an einen Diffusor. Der neue Motor der Aprilia wurde für den Katar-Test noch zurückgestellt. Er soll nun am Rennwochenende kommen. Wunderdinge verspricht man sich davon aber nicht.

Miguel Oliveira, der im Trackhouse-Team ebenfalls eine 2024er-Aprilia fährt, war am Montag noch der langsamste aller 21 anwesenden Stammpiloten gewesen. Am Dienstag kam er deutlich besser zurecht. Mit P12 in der Zeitenliste und weniger als 0,9 Sekunden Rückstand verpasste Oliveira nur knapp die Top 10.

Aleix Espargaro

Die Aprilia RS-GP mit dem 2024er-Heck, das ein wenig an einen Diffusor erinnert Zoom

Aber: Trackhouse-Teamkollege Raul Fernandez reihte sich mit der 2023er-Aprilia auf dem starken fünften Platz der Tageswertung ein. Auf dem Weg dorthin war der Spanier (wie schon tags zuvor) zwischenzeitlich sogar der Schnellste.

Insgesamt waren am Dienstag fünf Aprilia-Piloten auf der Strecke. Nachdem Testfahrer Lorenzo Savadori zuletzt an zwei der drei Tage des Malaysia-Tests für Fernandez im Trackhouse-Team eingesprungen war, pilotierte er nun am letzten Tag des Testwinters wieder wie gewohnt eine dritte RS-GP aus dem Werksteam. Allerdings beließ es Savadori bei Shakedowns. In der Zeitenliste belegte er mit großem Rückstand abgeschlagen den letzten Platz (P24).

KTM: Defekt stoppt Brad Binder auf Rennsimulation

Auch bei KTM konzentrierte man sich zum Abschluss der Wintertestfahrten darauf, die zuvor gewonnenen Erkenntnisse zu bestätigen. Bezogen auf die Aerodynamik waren im Verlauf des Katar-Tests unterschiedliche Konfigurationen auf dem Höcker hinter dem Sitz zu sehen. Auffällige Neuerungen an der RC16 gab es am Dienstag aber keine mehr.

Brad Binder war gegen Ende des Tages auf einer Rennsimulation unterwegs, musste diese aber abbrechen, als er im Bereich von Kurve 15 mit einem technischen Defekt stehenblieb. Die Longrun-Pace der RC16 war bis dahin vielversprechend. Anschließend rückte Binder noch einmal kurz aus, fuhr auf P9 der Tageswertung und war damit schnellster der vier Fahrer, die eine KTM RC16 pilotieren.

Brad Binder

Wo steht KTM? Brad Binder konnte seine Rennsimulation nicht beenden Zoom

Binders Teamkollege Jack Miller, der P11 belegte, reihte sich in die Liste derjenigen ein, die in der letzten Stunde des Testbetriebs gestürzt sind. MotoGP-Rookie Pedro Acosta (Tech3-GasGas) belegte mit einem Rückstand von knapp 1,1 Sekunden auf die Spitze den 15. Platz im Tagesklassement.

Yamaha ohne erkennbare Fortschritte

Bei Yamaha waren am Dienstag keine echten Fortschritte erkennbar. Ex-Weltmeister Fabio Quartararo (P14) und seinem neuen Teamkollegen Alex Rins (P16) fehlte jeweils rund eine Sekunde.

Der neue, längere Auspuff für die M1, der schon montags zu sehen war, kam wieder zum Einsatz, und zwar ausschließlich. Sowohl die beiden Motorräder für Quartararo als auch die beiden für Rins hatten den langen Auspuff dran. Abgesehen von Optik unterscheidet sich auch der Sound. Der lange Auspuff ist lauter als der kurze. Den Ingenieuren freilich geht es um die Performance. Auch Testfahrer Cal Crutchlow war wieder im Einsatz.

Fabio Quartararo

Die 2024er-Yamaha mit dem langen Auspuff funktoniert noch nicht wie gewünscht Zoom

Am Montag hatte es für Quartararo knapp zu einer Top-10-Platzierung gereicht, aber der Routinier im Yamaha-Team klagte vor allem darüber, dass die 2024er-Spezifikation der M1 nicht genügend Grip am Hinterrad produziert. Zwar probierte man es mit sechs neuen Aero-Elementen auf dem Höcker hinter dem Sitz (drei auf jeder Seite). Quartararo aber sprach wörtlich davon, dass der Grip "furchtbar" sei.

Honda mit Problemen beim Testabschluss

Bei Honda sorgte Joan Mir am Dienstag für eine kurze Rotphase. Grund war aber kein Sturz, sondern ein Ausrollen im Bereich von Kurve 1. Wie sich herausstellte, war es auch kein technischer Defekt im eigentlichen Sinne. Die Verkleidung der Werks-Honda hatte sich im Fahrtwind gelockert. Die Strecke musste gesäubert werden.

Aber es gab noch einen anderen Zwischenfall. Kurz darauf nämlich wurde Mir von einem Insekt gestochen. Der Stich hatte sogar zur Folge, dass der Ex-Weltmeister den Testbetrieb für längere Zeit unterbrechen musste. Nachdem er bis dahin nur sechs Runden gedreht hatte, kam Mir letztlich auf immerhin 32 Runden Tagespensum. Allerdings ging auch er in den letzten Minuten der Session noch mit einem Sturz zu Boden.

Luca Marini, der Teamkollege von Joan Mir im Honda-Werksteam, hatte am Montag mit einer Magenverstimmung zu kämpfen. Er probierte einen neuen, größeren Heckflügel an der RC213V. Derweil experimentierte man im LCR-Team an den Bikes von Johann Zarco und Takaaki Nakagami mit unterschiedlichen Flügeloptionen an der Verkleidung.

Joan Mir

An der Honda von Joan Mir löste sich die Verkleidung, später gab es auch noch Stürze Zoom

Kurz nach dem späten Sturz von Mir hatte auch Zarco auf der LCR-Honda noch einen späten Sturz zu beklagen. In der Zeitenliste war Zarco am letzten Testtag der schnellste der vier Honda-Fahrer, kam aber über P17 mit 1,2 Sekunden Rückstand nicht hinaus.

Nach dem Malaysia-Test hatte man sich bei Honda für den Katar-Test auf die Fahnen geschrieben, die Longrun-Pace zu verbessern. In Katar war laut den Aussagen vom Montag mangelnde Traktion aus den Kurven heraus das größte Problem der RC213V.

Personell hat man bei Honda entschieden, dass HRC-Direktor Tetsuhiro Kuwata innerhalb des weltweiten Motorsportprogramms aus der Motorrad- in die Automobilsparte wechselt. Im MotoGP-Projekt wird Kuwata Ende April abgelöst von Taichi Honda. Er kommt aus dem Offroad-Programm und war zuletzt für den Honda-Einsatz bei der Rallye Dakar verantwortlich.

Saisonauftakt in knapp drei Wochen wieder in Katar

Die meisten Runden am letzten offiziellen MotoGP-Testtag vor dem Saisonauftakt drehte Tech3-GasGas-Pilot Augusto Fernandez mit deren 83. In der Zeitenliste aber setzte er keine Akzente. Fernandez war als 21. der langsamste aller angetretenen Stammfahrer.

Nur 21 statt 22 Stammpiloten waren es am Montag und Dienstag deshalb, weil Pramac-Ducati-Pilot Franco Morbidelli auch den Katar-Test noch ausgelassen hat, um sich auszukurieren. Beim Saisonauftakt in knapp drei Wochen will er wieder fahren. Es wäre sein erster Einsatz im Pramac-Team seit dem Valencia-Test im November 2023.


Fotos: MotoGP 2024: Vorsaisontest in Katar


Die Wintertestfahrten in Vorbereitung auf die neue Saison in der Königsklasse der Motorrad-WM sind nun abgeschlossen. Das erste der 21 Rennwochenenden im MotoGP-Kalender 2024 findet vom 8. bis 10. März ebendort statt, wo am Dienstag die Testfahrten zu Ende gegangen sind: auf dem Lusail International Circuit in Katar unter Flutlicht.

Rundenzeiten MotoGP-Test in Lusail (Dienstag):

01. Francesco Bagnaia (Ducati) - 1:50.952 Minuten (52 Runden)
02. Enea Bastianini (Ducati) +0,120 Sekunden (49)
03. Aleix Espargaro (Aprilia) +0,308 (45)
04. Marc Marquez (Gresini-Ducati) +0,383 (42)
05. Raul Fernandez (Trackhouse-Aprilia) +0,389 (56)
06. Maverick Vinales (Aprilia) +0,435 (60)
07. Jorge Martin (Pramac-Ducati) +0,514 (50)
08. Fabio Di Giannantonio (VR46-Ducati) +0,537 (60)
09. Brad Binder (KTM) +0,631 (55)
10. Marco Bezzecchi (VR46-Ducati) +0,726 (49)
11. Jack Miller (KTM) +0,768 (57)
12. Miguel Oliveira (Trackhouse-Aprilia) +0,884 (65)
13. Alex Marquez (Gresini-Ducati) +0,992 (62)
14. Fabio Quartararo (Yamaha) +1,013 (57)
15. Pedro Acosta (Tech3-GasGas) +1,094 (72)
16. Alex Rins (Yamaha) +1,151 (60)
17. Johann Zarco (LCR-Honda) +1,210 (52)
18. Takaaki Nakagami (LCR-Honda) +1,432 (53)
19. Joan Mir (Honda) +1,505 (32)
20. Luca Marini (Honda) +1,725 (60)
21. Augusto Fernandez (Tech3-GasGas) +1,818 (83)
22. Cal Crutchlow (Yamaha) +2,060 (59)
23. Michele Pirro (Pramac-Ducati) +2,703 (67)
24. Lorenzo Savadori (Aprilia) +10,448 (12)

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