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Teamchef ärgert sich: Traktoren so gefährlich wie eh und je

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost hält die Bergungsfahrzeuge in der Formel 1 immer noch für zu gefährlich, weil nach dem Bianchi-Unfall nichts daran gemacht wurde

(Motorsport-Total.com) - Gut zehn Monate sind seit dem schrecklichen Unfall von Jules Bianchi in Suzuka vergangen, bei dem der Franzose unter einen Bergungskran rutschte und sich dabei tödliche Kopfverletzungen zuzog. In der Folge des Vorfalls hat der Weltverband FIA reagiert und weitere Sicherheitsmaßnahmen wie das Virtuelle Safety-Car eingeführt. Doch den wahren Grund des Unfalls hat man immer noch nicht beseitigt, ärgert sich Toro Rossos Teamchef Franz Tost.

Daniel Ricciardo

Die Bergungsfahrzeuge sind immer noch nicht sicher, sagt Franz Tost Zoom

"Die Bergungsfahrzeuge selbst wurden immer noch nicht entschärft", mahnt der 59-Jährige bei 'Auto Bild motorsport'. Tost sind die mobilen Kräne und Traktoren schon seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Schon 1994 will er Michael Schumacher gebeten haben, dieses Thema in der Fahrervereinigung anzusprechen, getan hat sich aber bislang nichts. "Da habe ich so ein Unglück wie das von Bianchi kommen sehen", meint Tost.

Nach dem Unfall von Jules Bianchi wurde intensiv über eine Verbesserung der Bergungsfahrzeuge diskutiert, weil zwar die Sicherheit auf den Strecken deutlich besser geworden ist, die Fahrzeuge aber ein gefährliches Hindernis geblieben sind. "Bei diesen Kränen besteht aufgrund ihrer Höhe immer die Gefahr einer schweren Kopfverletzung, wenn das Auto unter den Kran rutscht", erläutert der Toro-Rosso-Teamchef weiter.


Fotostrecke: Unfall von Jules Bianchi

Vorgeschlagene Cockpit-Kuppeln hätten in diesem Fall nicht weitergeholfen, da waren sich Experten einig. Trotzdem wird die Forschung in diesem Bereich weiter vorangetrieben. Tost will erst einmal eines: die Gefahrenquelle Bergungsfahrzeug entschärfen. "Man bräuchte eine Leitplanke rund um den Kran, damit kein Formel-1-Auto darunter rutschen kann. Nur so verhindern wir schwere Kopfverletzungen", sagt der Österreicher.

Jahrelang ist in der Formel 1 nichts passiert, doch der Unfall von Bianchi hat die Schwachstellen unbarmherzig aufgezeigt. Der Franzose rutschte eben mit hoher Geschwindigkeit unter einen solchen Kran und erlitt dabei die schweren Kopfverletzungen. Zwar hat der Franzose laut Analyse trotz doppelter gelber Flaggen nicht stark genug verzögert, doch auch ohne eigenen Fehler könne sich so ein Vorfall wiederholen, denn ein Reifenschaden oder ein Aufhängungsbruch sind schließlich nichts Ungewöhnliches. Da hilft auch ein Virtuelles Safety-Car nicht weiter, meint Tost.

Felipe Massa

Auch Felipe Massa möchte die Sicherheit in der Formel 1 weiter vorantreiben Zoom

Auch Felipe Massa, der die Gefahr der Formel 1 2009 selbst erlebte, als ihm beinahe eine Stahlfeder aus Rubens Barrichellos Brawn-Boliden zum Verhängnis wurde, fordert weiterhin Maßnahmen: "Es war sehr traurig und definitiv ein weiterer Grund für die Formel 1, weiter um die Sicherheit der Fahrer zu kämpfen", so der Brasilianer zu 'Globo'. "Es war kein normaler Unfall, es war eine Kollision mit einem Traktor", schüttelt er den Kopf.

Nach der Nachricht vom Tod Bianchis rollte eine Welle der Menschlichkeit in die Königsklasse. Fast alle Piloten fanden sich zur Trauerfeier in Nizza ein, überall gab es Botschaften und Gesten in Richtung des Franzosen. Vor dem Großen Preis von Ungarn versammelten sich die Piloten mit Bianchis Familie zur Gedenkminute in der Startaufstellung. "Nach einem solchen Moment rückt die Formel 1 enger zusammen", sagt Massa. "Der Zusammenhalt wird stärker."