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Niki Lauda: Alternativmotor "ist für den Sport der Tod"

Mercedes und Ferrari gehen auf Konfrontationsmotor zum geplanten Alternativmotor: Die Motoren könne man auch auf anderem Weg günstiger machen

(Motorsport-Total.com) - Niki Lauda hat sich klar gegen die Einführung eines kostengünstigen Alternativmotors ausgesprochen, der ab 2017 in der Formel 1 parallel zu den aktuell verwendeten Hybridantrieben verfügbar sein soll. Lauda stellte klar, dass dies dem jetzigen Reglement widerspreche und daher nicht hinnehmbar sei. "Das ist für den Sport der Tod", sagt der Aufsichtsratschef des Mercedes-Team bei 'ServusTV'.

Niki Lauda

Niki Lauda hält nichts von der Einführung eines Alternativmotors Zoom

"Es kann nicht sein, dass der Bernie (Ecclestone) sich einen Motor baut, den beim Helmut (Marko; Anm. d. Red.) in sein Red-Bull-Auto steckt und sie uns dann schlagen. Das ist schwerste Manipulation. Jeder Sport, der so etwas macht, ist tot, wettert Lauda gegen die geplante Regeländerung, die Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt dank eines vom Motorsportweltrat der FIA erteilten Mandats auch gegen den Willen der Teams durchsetzen können.

Diese Schaffung zweier Regeldiktatoren stößt auch bei Ferrari-Boss Sergio Marchionne auf heftigen Widerstand. "Wir sind mit der Position des Weltrats nicht einverstanden", machte der Italiener am Montag bei einer Pressekonferenz in Maranello klar. "Alle relevanten Entscheidungen müssen im Einklang mit den Teams getroffen werden. Die Hersteller geben Hunderte von Millionen Dollar aus. Dafür wollen wir ein Mitsprache-Recht."

Marko: Honda-Antrieb kostet 35 Millionen pro Jahr

Insbesondere die Forderung nach einer Kostenobergrenze für die Motoren lehnt Marchionne vehement ab. Das sei ein direkter Eingriff in die Geschäftsfreiheit der Motorenhersteller und daher nicht hinnehmbar. "Wenn wir gezwungen werden, die Motoren für zwei Pfund zu verkaufen, ist das wirtschaftlich nicht darstellbar", wählt Marchionne ein drastisches Beispiel.


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Eine völlig andere Meinung hat in dieser Angelegenheit Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Er ist froh darüber, dass Ecclestone und Todt nun Fakten schaffen können, wo bisher nur fruchtlos diskutiert wurde. "Da die Formel 1 in ihrer Attraktivität und überhaupt in Gefahr ist, können sie über diese Gremien wie die Strategiegruppe hinweg entscheiden, wo ja immer nur diskutiert und hinausgezögert wurde und keine Fakten geschaffen wurden."

Der Alternativmotor sei alleine schon aufgrund der ausufernden Kosten für die aktuell eingesetzten Hybrid-Aggregate dringend geboten. "Honda hat uns die Motoren für 35 Millionen Euro pro Jahr angeboten", gibt er ein Beispiel. Im Vergleich dazu sei der von Ilmor konzipierte Biturbo-Motor mit rund 1.000 PS Leistung, der auf dem Chevrolet-Aggregat aus der IndyCar-Serie basiert, ein echtes Schnäppchen.

Ferrari: Kein zurück zu den V8-Saugmotoren

"Der kostet in der Entwicklung fünf bis sechs Millionen und soll dann an die Teams für zwischen sechs und acht Millionen weitergegeben werden. Das wäre ungefähr ein Drittel des jetzigen Motorenbudgets", sagt Marko. Eine solcher Kostenrahmen sei aber auch mit den aktuellen Antriebseinheiten machbar, kontert Lauda.

"Ein Zurück zu V8-Saugmotoren darf es nicht mehr geben." Sergio Marchionne

"Wir müssen die Motoren, die wir jetzt haben, billiger produzieren, damit die Kundenteams sie sich leisten können. So um die zehn Millionen", schlägt er vor. Eine Abkehr von den Hybridantrieben dürfe es nicht geben. "Wir sollten das, was wir jetzt mühsam entwickelt und wo wir viel investiert haben, einfach so weiterfahren."

Auch Ferrari-Boss Marchionne fordert, die Formel 1 dürfe das Rad der Zeit in dieser Beziehung nicht mehr zurückdrehen. "Ein Zurück zu V8-Saugmotoren darf es nicht mehr geben. Dieser Vorschlag ist eine Beleidigung", sagt er. Der Klimagipfel in Paris habe allen gezeigt, wohin der Weg führte. "Wir können an einer Technologie nicht vorbeigehen, die auch für Serienfahrzeuge relevant ist. Ein Zurück zu der alten Motorentechnologie wäre so, als würde man morgen Mobiltelefone verbieten und wieder zurück zum Festnetz gehen."