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  • 20.09.2001 · 17:25

  • von Adam Cooper/Fabian Hust

Monza 2001 - ein Insider blickt zurück

Ein Insider berichtet, warum Monza 2001 ein denkwürdiges Rennen war und was die Formel 1 für die Sicherheit unternimmt

(Motorsport-Total.com/Haymarket) - Wie kann man Zwischenfälle in der ersten Kurve unterbinden? Man startet jedes Rennen in der zweiten Runde? Dieser bekannte alte Witz kam mir wieder letztes Wochenende in Monza in den Sinn, während einer der bizarrsten Episoden der nahen Formel-1-Vergangenheit. Für ein paar Stunden wurde der Grand-Prix-Rennsport durch Michael Schumachers Versuch, Sicherheit in der ersten Runde zu garantieren, in ein totales Chaos gestürzt. Das Fahrerlager war in zwei Lager gespalten, die Fahrer stimmten gegen andere Fahrer und gegen ihre Teamchefs.

Michael Schumacher

Michael Schumacher war in Monza mit seinen Gedanken oft abwesend

Am Ende fand sich der großartigste Fahrer dieser Ära selbst als Objekt der Kritik wieder und setzte sich so unter starke Belastung kurz vor dem wichtigsten Rennens seines Teams in diesem Jahr. Als er sich vorbereitete, in das Auto zu steigen, da hatte er ein grimmiges Gesicht aufgesetzt.

Zuvor hatte mir am Morgen ein Deutscher Kollege gesagt, dass ihn Schumachers generelles Verhalten an Ayrton Senna in Imola nach Roland Ratzenbergers Unfall in Imola vor sieben Jahren erinnert. "Wir haben ein Sprichtwort", sagte er. "Es bedeutet so etwas wie, dass Michael neben seinen Schuhen läuft." Ich hatte das zuvor noch nicht gehört, aber es schien zu passen. Exakt ein Jahr nach seinem tränenreichen Zusammenbruch in einem TV-Interview nach dem Rennen ließ Schumacher erneut seine Emotionen die Oberhand über sich gewinnen. Doch warum das alles?

Ein trauriges Fahrerlager
Man muss mir nicht sagen, welche Auswirkungen die Ereignisse in Amerika letzte Woche auf die Leute in der ganzen Welt hatten. Jetzt scheint das Leben zur Normalität überzugehen, aber man muss sich daran erinnern, dass die Teams und Fahrer sich in Monza weniger als 48 Stunden nach dem Beginn der Attacken versammelten.

Die meisten Leute klebten seitdem vor ihren Fernsehern und für einmal war das Hauptthema im Fahrerlager nicht die Reifenmischung oder das Thema, wer im nächsten Jahr den zweiten Arrows fahren wird. Jeder hatte seine eigene Ansicht und eine Geschichte zu erzählen. Sie glaubten entweder, dass das Leben und der Sport weitergehen müsse und dass wir uns den Terroristen nicht beugen sollten oder sie glaubten, dass es ein wenig frivol ist, im Kreis herumzufahren und dass es nicht angemessen ist, so früh nach einer internationalen Tragödie wieder zum Tagesgeschäft über zu gehen.

Es steht außer Frage, dass Michael von der Situation in den Vereinigten Staaten zutiefst berührt war. Michael liebt Amerika, nicht nur weil es ein Land ist, in dem er Urlaub nehmen kann und wie ein normaler Mensch leben kann, weil er unerkannt umhergehen kann. Es ist verständlich, dass er es als hart empfunden hat, nach nur ein paar Tagen später wieder in Aktion zu sein, besonders deshalb, weil er nach den Erfolgen vor kurzem auf einem solchen Hoch schwebte.

Wenn es um die Formel 1 geht, dann steht er weltweit im Focus des Interesses und wenn der Italienische Grand Prix über die Bühne geht, dann dachten wohl alle zuerst, dass es für Michael "business as usual" ist. Was auch immer er gesagt hätte, wäre um die Welt gegangen aus diesem Grund machte er klar, dass er nicht über die Situation sprechen möchte. Er wollte seine Gedanken für sich behalten. Oder vielleicht wusste er gar nicht, was er denken sollte.

Gesten der Unterstützung
Am Donnerstag fand ein Treffen der Teamchefs statt, auf dem man sich unterhielt, wie die Formel 1 reagieren sollte. Es führte zu einer Vereinbarung, dass man das morgendliche Training am Freitag um 10 Minuten vorverlegt, um am Mittag in der Boxengasse eine Schweigeminute zu erlauben. Ansonsten sollte es zurück zum Alltag gehen, mehr recht als schlecht.

Für viele war es deshalb überraschend, als am Freitag Ferrari seine Autos in einer blanken Lackierung enthüllte, mit schwarzer Nase. Die Logos wurden von den Fahrern, den Lastwagen und allen Teammitgliedern entfernt. Es war eine ausdrucksvolle und umfassende Geste, die von Luca di Montezemolo angespornt worden war. Zunächst dachte man, dass Ferrari nur die geplanten Feiern auf heimischen Boden anlässlich der erfolgreichen Saison abblasen würde.

Aber das führte zu ein wenig Spannung im Fahrerlager. Andere Teams fuhren immer noch mit den normalen Lackierungen und jetzt sah es so aus, als würden sie die Situation weniger ernst nehmen als Ferrari. Ein Teamchef sagte mir, dass er wütend war, nach dem Meeting in einer solchen Position zu stehen, als man beschlossen hatte, welche Reaktionen würdig seien. Es ist mehr als zynisch, dass Ferraris Sponsoren mehr Aufmerksamkeit dank ihrer Abwesenheit erhalten würden, als wenn sie noch auf dem Auto stehen würden?

Es war eine sehr sensible Situation, nicht nur weil vier Teams Sponsoren hatten, die ihre Büros im World Trade Centre hatten. Am Samstag wurden auch Jaguars springende Katzen durch schwarze Farbe auf der Airbox ersetzt und nach einer Anfrage eines Sponsors von Jordan wurde am Renntag eine große US-Flagge getragen.

Eine Serie von Problemen
Auf der Strecke begann das Wochenende nicht besonders gut. Es gab im Training in den Schikanen ein Dutzend Zwischenfälle und sowohl Jos Verstappen als auch Kimi Räikkönen hatten Glück, mit einem blauen Auge von ihren heftigen Zwischenfällen davonzukommen, die viel schlimmere Konsequenzen gehabt hätten können. Der Finne verpasste knapp einen geparkten Minardi, als er beim Anbremsen der ersten Schikane abflog und ein umher fliegender Reifen hätte fast die Absperrung durchbrochen. Dann wurde am späten Nachmittag das Qualifying der Formel 3000 komplett von einem unglaublichen Sturm zugeschüttet, der den Himmel schwarz färbte und die Strecke mit Baumstücken und herumfliegenden Blättern bedeckte.

Das Drama ging am Samstagmorgen weiter, als Mika Häkkinen einen heftigen Unfall in der zweiten Lesmo hatte. Zur Erleichterung aller in der Formel 1 ging das Qualifying ohne große Zwischenfälle über die Bühne, aber das dann folgende Formel-3000-Rennen war dann völlig chaotisch, mit abgebrochenen Starts gefolgt von einer Serie von Zwischenfällen, als es dann endlich im Gang war.

Während das Rennen im Gange war, wurde das Lausitzring Cart-Rennen in ein paar Teammotorhomes angeschaut. Nach Alex Zanardis Unfall brach das Deutsche Fernsehen die Übertragung schnell ab, aber die Beschreibungen von denen, die den Unfall sehen konnten, machten in Monza schnell ihre Runde. Es bestand kein Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Situation.

Es ist erst zwei Jahre her, als Alex in der Formel 1 fuhr und der Italiener hat im Fahrerlager eine Menge Freunde. Nachrichten über seinen Unfall wurden ständig erfragt, aber wie immer herrschte Konfusion. Die Berichte waren irreführend und mir tut es Leid sagen zu müssen, dass einige Leute, die es eigentlich besser wissen müssten, sagten, dass Zanardi tot ist, ohne zu erwähnen, dass sie das auch nur aus zweiter oder dritter Hand gehört hatten.

Es war eine sehr ungemütliche Zeit und die willkommene Nachricht, dass Alex am Leben war, wurde von seinen extremen Verletzungen getrübt. Was dem armen Zanardi passiert ist, hat es in der Geschichte des Motorsports noch nicht gegeben und als die komplette Geschichte bekannt war, hatte sie sicherlich auf jeden Fahrer im Fahrerlager so seine Auswirkung gehabt. Natürlich akzeptieren sie die Risiken und dass sie sich vielleicht die Knochen brechen könnten, aber das war etwas außerhalb der Vorstellungskraft aller.

Das Warm Up am Sonntagmorgen ging ohne Zwischenfälle über die Bühne, aber es gab beim Porsche-Supercup-Rennen einen heftigen Unfall vor der ersten Schikane. Für einige von uns, inklusive Michael Schumacher, wurde alles etwas zu spukhaft - Amerika, die Zwischenfälle in Monza und schlussendlich Zanardi.

Ein virtuelles Safety-Car?
Michael war ganz klar beeinflusst von dem, was vorgefallen war und die Erinnerungen an den Zwischenfall im letzten Jahr, die zu einem Unfall eines Feuerwehrmanns führten, hatte er noch ganz frisch vor Augen. Und aus diesem Grund hatte er die Idee eines garantiert sicheren Starts.

Michael legte seine Gedanken den FIA-Offiziellen dar und fragte, ob es möglich wäre, einen Start hinter dem Safety-Car zu haben. Wenig überraschend sagten sie nein. Was hätten sie auch tun sollen? Was auch immer die Umstände gewesen wären, hätten sie zugestimmt, hätten sie eingestanden, dass die Strecke nicht sicher ist und man aus diesem Grund nicht für ein Rennen gerüstet wäre.

Michael gab seinen Standpunkt dann seinen Kollegen im Fahrerbriefing bekannt. Wenn es kein Safety-Car geben kann, dann war es die Idee gewesen, dass es in den ersten zwei Schikane keine Überholmanöver geben soll. Mit anderen Worten sollte das Feld fahren, als wäre es eine Informationsrunde oder wie hinter einem "virtuellen" Saftey-Car und sollte nicht vor dem Ende der zweiten Schikane Vollgas geben.

Natürlich stand sein Bruder hinter ihm, auch Eddie Irvine und Pedro de la Rosa. Andere stimmten entweder zu, dass es eine vernünftige Option war oder sagten nichts und deuteten an, dass sie der Mehrheit folgen würden. Aber Jacques Villeneuve war vehement gegen diese Idee, die komplett seinen Prinzipien widersprach - die Tatsache, dass Jacques und Michael vielleicht darüber argumentiert hätten, was zwei plus zwei ergibt, hätte nichts geholfen?

Eine Ansicht eines Einzelnen
Man stimmte ab und Jacques stand alleine da, auch wenn Enrique Bernoldi und Jenson Button dicht davor waren, ihn zu unterstützen. Jos Verstappen und Olivier Panis gaben zu, dass sie Michaels Idee nicht mochten, aber sie waren bereit, mitzumachen, wenn alle zustimmten. Aber da Jacques ganz klar dagegen war, hatte man ein Problem.

Die Teammanager verließen das Meeting ohne zu wissen, was passieren wird und waren sich unsicher, was sie ihren Bossen sagen sollten. Die Fahrer hingegen stiegen gleich auf den Laster, der sie auf die Paraderunde brachte. Es gab eine weitere Schweigeminute auf Anfrage des Olympischen Komitees, bevor sich die Runde auf den Weg machte. Die TV-Bilder enthüllten ein paar ernste Diskussionen und der Grund warum wurde klar, als der Öffentlichkeitsarbeitsverantwortliche Bob Constanduros Michael fragte, was los ist. Bisher hatte er noch gar nichts gesagt, deshalb verblüfften seine Worte das ganze Fahrerlager.

"Die Tragödie, die wir gesehen haben und das, was während dem Wochenende passiert ist sowie die Tatsache, dass einer unserer Kumpels im Krankenhaus ernsthaft verletzt ist. Es ist ein Wochenende, an dem vieles nicht richtig läuft und wir sollten uns fragen, ob wir fahren sollten."

"Nachdem, was im letzten Jahr passierte, wissen wir, dass die zwei ersten Schikanen ein richtig großes Problem darstellen. Wir hatten gerade ein Treffen und entschieden uns, dass es in den ersten zwei Schikanen keine Überholmanöver geben wird. Mit der Ausnahme eines Fahrers haben alle zugestimmt. Es ist ein Fahrer, der nicht mitmachen möchte, das ist seine Entscheidung." Um welchen Fahrer handelt es sich also? "Ich denke, das weiß jeder. Er ist ziemlich klein?"

Als die Paraderunde endete, gingen die Fahrer zurück in ihre Motorhomes. Und dann begann es. Die Leute liefen herum, Meinungen wurden geäußert und Meetings abgehalten. Einige Teamchefs, besonders Flavio Briatore, Tom Walkinshaw und Craig Pollock regten sich auf.

In der Zwischenzeit bat Michael seine Pressesprecherin Sabine Kehm, einen Brief von seinen Fahrerkollegen unterschreiben zu lassen. Sie ging wie befohlen durch das Fahrerlager, um für die Unterstützung zu trommeln. Als sie zu BAR kam, jetzt von Michaels Physiotherapeuten begeleitet, war die Mitteilung von Pollock klar - du verschwendest deine Zeit und das gilt für Olivier und Jacques gleichermaßen.

Pollock sagte mir, dass er Villeneuves Standpunkt völlig unterstützt. "Jacques' Standpunkt ist jener, dass er ein Formel-1-Fahrer ist und er hat jede Absicht Rennen zu fahren, so lange ihm die FIA oder Bernie nicht etwas anderes sagt. Aber ich glaube, dass auch Bernie exakt das gleiche denkt wie Jacques."

"Wie gewöhnlich ist Jacques derjenige mit Courage, der aufsteht und sagt, dass er fahren möchte. Ich denke, dass die FIA die Strecke abgesegnet hat und sie glauben, dass es ein sicherer Kurs ist, auf dem man Rennen fahren kann. Warum ist es denn nicht sicher genug, in die erste Kurve zu fahren? Ein großer Teil des Rennens ist der Start und das Rennen zur ersten Schikane ist der aufregende Teil. Die FIA hat ihn abgesegnet, die FIA hat es überprüft, aus diesem Grund ist die Schikane sicher. Wenn sie sagen, dass sie sicher ist, dann sollten die Fahrer gehen und Rennen fahren."

Sabine bekam die gleiche negative Antwort bei Arrows und Jos hatte mittlerweile seinem Teamchef zugestimmt, dass der Start normal wie immer vonstatten gehen sollte.

"Manche Leute sind der Meinung, dies zu tun, aber andere nicht", sagte mir der Holländer. "Sie müssen Leistung zeigen. Wir müssen Ergebnisse holen, um das Unternehmen am Leben zu halten und wir sind hier, um Rennen zu fahren und nicht, um den anderen zu folgen. Plötzlich zu entscheiden, so etwas zu tun? Sie hätten am Mittwoch entscheiden sollen, dass sie nicht fahren sollten. Aber sie kamen hier ohne Probleme hin."

"Wir alle wissen, was in den Staaten passiert ist. Aber das ist für alle das selbe. Wenn du erst einmal im Auto sitzt, den Helm auf hast, dann bist du konzentriert und zielorientiert. Du denkst nicht darüber nach, was in der Welt passiert und ich denke, das gilt für jeden. Wenn man mit seinem Kopf woanders ist, kann man meiner Meinung nach kein gutes Qualifying oder was auch immer haben. Es könnte ein paar Leute mehr beeinflussen als andere. Ich kann nur sagen, was ich fühle."

Viele andere unterzeichneten, darunter auch Giancarlo Fisichella. Das führte zu einer Auseinandersetzung mit seinem Teamchef - und der Italiener war für 15 Minuten gekündigt, bis er zustimmte, sich von dem Fall zurückzuziehen. Also sah es bis jetzt danach aus, als würde ein Drittel des Feldes normal starten. Was um alles in der Welt würde als nächstes passieren?

Zu schnell für die Gemütlichkeit
Bei Jaguar saß Irvine ganz ruhig in seinem Raum im hinteren Teil des Teammotorhomes. Über die Jahre war er während Fahrerbesprechungen mit Schumacher zusammengeraten, sogar als sie Teamkollegen waren. Er zog die Meinungen des Deutschen oft ins Lächerliche aber dieses Mal stand er voll hinter ihm.

"Die Geschwindigkeiten sind auf dieser Strecke zu hoch. Wenn man ein kleines Problem hat, gibt es keinen Spielraum. Wir fahren mit 350 Sachen. Wir fahren Ovalgeschwindigkeiten mit einem hohen Unfallrisiko, mit Bäumen, die die Strecke umranden. OK, es gibt ein wenig Leitplanken und ein wenig Zaun, aber bei 350 Sachen stoppt dich nichts. Ich habe mich darüber mit Max Mosley mehrmals unterhalten. Und nichts wurde gemacht. Es ist schlimmer als Hockenheim. In Hockenheim gibt es nicht wirklich Auslaufzonen. Es ist nicht sicher, da die Geschwindigkeiten zu hoch sind. Es besteht zu viel Risiko, dass die Autos abheben."

Sogar Jos Verstappen stimmte da zu: "Für mich sind die Geschwindigkeiten für diesen Kurs zu hoch. Ich bremse für die Schikane auf 80 km/h ab, der Unterschied ist also zu groß. Ich denke, dass man eine schnelle Kurve statt einer Schikane haben sollte. Um schnell zu sein, nimmt man hier Flügel runter. Jeder geht an das Limit und ja, wir erreichen 350 km/h. Es ist der falsche Typ Kurs. Wenn wir im Moment in Ungarn wären, dann würde sich keiner Sorgen machen?"

Eddie hatte ähnliche Stimmen nach dem letztjährigen Unfall losgelassen. Seine Meinung war, dass die Strecke mehr Schikanen braucht, was nicht nur geringere Geschwindigkeiten bedeuten würde sondern auch die Teams zwingen würde, mehr Abtrieb zu fahren. Seine Ansicht ist jene, dass Autos mit 800 PS mehr Abtrieb haben müssten, um die Geraden-Geschwindigkeiten zu senken. Aber das führt zu höheren Kurvengeschwindigkeiten?

Michael in der Schusslinie
Klar waren Eddies Gedanken eine langfristige Lösung, aber das Rennen kam schnell auf alle zu. Das Thema war, dass die Fahrer sich selbst in den Fuß geschossen hatten, in dem sie so spät für Wirbel sorgten. Der fatale Unfall war ein Jahr vorbei und seitdem hat jeder in Monza öfters getestet. Nichts wurde im Fahrerbriefing zu Beginn des Wochenendes gesagt.

Und das ließ Schumacher und seine Unterstützer natürlich für Kritik angreifbar. Warum um alles in der Welt warteten sie bis Sonntagmorgen, bis sie Wirbel machten? Wie immer konnte sich niemand dazu durchringen, das Problem zur richtigen Zeit anzusprechen, wie das Tom Walkinshaw gleich deutlich gemacht hatte.

"Ich denke, dass es die Aufgabe der FIA ist, die Sicherheit einer Strecke für das Rennen sicher zu stellen und wenn sie es getan haben, dann kommen wir hier her, um Rennen zu fahren. Wir sind nicht hier, um in einer künstlichen Umgebung zu fahren. Wenn wir etwas über die Strecke zu sagen haben, so hatten wir für ein Jahr genügen Zeit dafür, so dass die Organisatoren etwas hätten machen können. Am Donnerstag, Freitag oder Samstag wurde diesbezüglich nichts gesagt und ich denke, dass es völlig ungerechtfertigt ist, dies am Sonntagmorgen aufzutischen. Am Ende des Tages sind wir hier, um den Leuten eine Show zu bieten, die sich Tickets gekauft haben und bezahlt haben, um etwas zu sehen. Darum geht es doch."

Es war unvermeidlich, dass Michael im Focus des Ärgers der Teamchefs stand. "Es ist erneut Sennas Rabaukengehabe", sagte eine führende Person. "Wenn er nicht in der Stimmung ist Rennen zu fahren, dann sollte er Heim gehen und nicht seine Ansicht den anderen auf das Auge drücken."

Der Konsens war jener, dass die Saison vielleicht für Michael vorbei ist, was die Meisterschaft angeht, aber jeder andere hatte Gründe, um Punkte zu fahren. Montoya stand auf Pole, er konnte also nur daran interessiert haben, einen kontrollierten Start zu haben. Oder Benetton hat eine großartige Launch-control, aus diesem Grund wollte Flavio, dass es wie normal losgeht. Verstappen machte keinen Hehl aus seinen Wünschen: "Eine meiner Hauptgründe ist jener, dass ich bei den Starts immer eine Menge Plätze gut mache und ich war nicht sehr erpicht darauf, allen zu folgen."

Ich hörte sogar einen Fahrer sagen, dass de la Rosa Michael unterstütze, weil er letztes Jahr im Unfall in der ersten Runde verwickelt war und aus diesem Grund "Angst hatte". Nun, ich würde sagen, dass er dazu ein Recht hatte?

Mit Sicherheit war Michael mit seinem Kopf woanders und als ihm die Unterstützung in der letzten halben Stunde vor dem Start wegbrach, war er noch mehr aufgebracht. Es hätte für Jean Todt einen Grund gegeben, ihm vorzuschlagen, dass er nicht Rennen fahren sollte, aber das tat er nicht. Er wollte Rennen fahren, aber er wollte auch das Risiko am Start minimieren.

Als er auf die Startaufstellung kam, kamen mehrere Fahrer zu einer Diskussion zu ihm und er hatte auch eine Unterredung mit seinem deutlich sichtbar unzufriedenen Bruder Ralf. Michael nahm dann den beispiellosen Marsch durch die Startaufstellung nach hinten auf sich, um seinen Kollegen mitzuteilen, dass der Start wie normal über die Bühne gehen wird. Jacques besuchte er nicht.

Noch nicht vorbei?
Ich nehme einmal an, dass der Streit nicht so schnell vergessen sein wird. Schumacher hat eine Menge Flakfeuer gezeigt und war möglicherweise geschockt darüber, dass seine informelle Rolle als Anführer der Fahrer nicht so ist, wie er das dachte. Wie Jackie Stewart vor drei Jahrzehnten wurde er scheinbar als Anstifter übermäßiger Reaktionen auf Sicherheitsbedenken angesehen.

Ich denke, dass Michael Schumacher auf keinen Fall wollte, dass in den TV-Newssendungen und am Montag in den Zeitungen ein Massencrash in der Formel 1 zu sehen sein wird. Das gleiche ging den Leuten im Zusammenhang mit dem CART-Event durch den Kopf, ich hatte das erwähnt, die TV-Übertragung wurde gestoppt, da der Sender zugestimmt hat, das Rennen zu zeigen, aber keine ernsten Unfälle.

Wenn es notwendig war, was Michael versuchte zu tun, so sollte er von den wichtigen Personen dafür ein wenig gelobt werden und nicht geschmäht werden. Aber was er nicht tat, er brachte seine Message nicht deutlich genug rüber. Es kam so rüber, als tue sich der größte Star im Sport selbst leid, dass er persönliche Zweifel habe, an jenem Tag Rennen zu fahren und versuchte, seine Ansichten den anderen aufzuzwingen. Das führte zu erzürnten Teamchefs bei der Konkurrenz, von denen einige schon wegen Ferraris Lackierungs-Saga auf der Palme waren. Das gipfelte dann noch, als die arme Sabine Kehm, die ein Ferrari-Shirt trug, in ihren Motorhomes auftauchte und die Fahrer bat, die Petition von Michael zu unterschreiben.

Jetzt ist eine Schwäche in Michaels bisher unantastbaren Rüstung offensichtlich geworden. Mit Sicherheit war es das erste Mal gewesen, dass er nicht in ein Rennauto steigen wollte - etwas, das vor ein paar Tagen noch undenkbar war? Vielleicht haben ihn auch noch die "Urlaubspläne" seines langjährigen Gegners Mika Häkkinen in einer Weise beeinflusst?

Jeder, der ihn einsam am Flughafen sitzen sah, wie er auf die Flucht mit seinem Privatjet wartete, hatte keine Zweifel, dass Michael ein schweres Wochenende durchgemacht hatte. Der Weltmeister gab zu, dass er froh war, sich auf den Heimweg machen zu können.

Gemeinsam stehen wir?
Es ist jetzt offensichtlich, dass die Fahrer in der Zukunft Probleme haben werden, geschlossen dazustehen, wenn es um Sicherheitsfragen oder sonst etwas geht. Und das, man könnte darüber spekulieren, könnte sowohl Bernie Ecclestone als auch den Teamchefs gefallen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine starke Fahrerpersönlichkeit nicht willkommen ist - erinnern Sie sich an Kyalami 1982? Villeneuves Kompromisslosigkeit spielte in ihre Hände. Die Fahrer mögen Millionen mehr verdienen als ihre Vorgänger, aber es besteht kein Zweifel daran, wer noch immer die Macht hat.

Was mit Sicherheit in Frage gestellt werden muss ist Briatores hartnäckige Bestimmung, Fisichella dazu zu bringen, seinen Anweisungen zu folgen. Bei BAR und Arrows waren sich die Fahrer und Teamchefs zumindest einig, nicht so aber bei Benetton. In welchem Zustand war der Kopf des Stars von Spa beim Start? Mit Sicherheit in keinem sehr guten, nehme ich einmal an und ich gehe davon aus, dass mehr als einer seiner Kollegen nicht völlig abschalten konnten, als sie ihre Helme aufgezogen hatten.

Es war aus diesem Grund ein wenig ironisch, dass ein Problem mit der Benzinpumpe Fisichella schlussendlich dazu zwang, mit dem Ersatzauto aus der Boxengasse zu starten während der andere Benetton früh aus dem Geschehen raus war, als er Trulli aus dem Weg räumte und dabei seinen Frontflügel verlor.

Flavios 2002-Fahrer hatten im letzten Jahr eine Menge Zusammenstöße, in Spa und Indianapolis und der Monza-Zwischenfall wird die innerteamliche Harmonie im nächsten Jahr nicht fördern. Und damit muss Briatore zurechtkommen. Vielleicht ein Fall von dichterischer Gerechtigkeit?

Die Asphaltdebatte
Zum Schluss eine kurze Anmerkung zu einem anderen Thema. Es geht um die Kiesbetten in Spa's Eau Rouge und Blanchimont, wo die Fahrer auf Asphalt mehr Schwung verlieren könnten. Ironischerweise passiere Luciano Burtis Unfall vor der Blanchimont, aber er zeigte einmal mehr, wie nutzlos Kies manchmal sein kann, da er scheinbar kaum abgebremst wurde, als er auf die Reifenstapel zuraste.

Die Asphalt-Philosophie wurde auch bei einigen Ovalkursen in Amerika angewandt, besonders in Fontana, wo Greg Moore vor ein paar Jahren ums Leben kam. Ich weiß nicht genügend über den Unfall von Zanardi, um darüber viel sagen zu können, aber von dem, was ich sah, kam er auf einem Grasinnenfeld ins Rutschen, das nach einigen Tagen Regen wohl noch feucht war. Nicht in der Lage, das Auto kontrollieren zu können, rutschte er zurück auf die Steilkurve. Wenn jemand noch einen Beweis braucht, dass einige Strecken noch überarbeitet werden müssen, so hat er ihn hier mit Sicherheit erhalten.

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