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Michelin stichelt gegen Pirelli: "Bei uns grinsen die Fahrer"

Michelin-Motorsportchef Pascal Couasnon erklärt, woran das Formel-1-Comeback scheiterte und warum der Sport damit eine Riesenchance vergeben hat

(Motorsport-Total.com) - Michelin bemühte sich in der Formel 1 um ein Comeback als Reifenhersteller, zog aber gegen Pirelli den Kürzeren. Der Vertrag mit den Italienern wurde nach der offiziellen Ausschreibung um drei Jahre bis Ende 2019 verlängert. Eigentlich hatten beide die sportlichen Kriterien erfüllt, doch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone entschied sich aus kommerziellen Gründen für Pirelli.

Nico Hülkenberg

Ein grinsender Nico Hülkenberg ist für Michelin die beste Werbung Zoom

Eine krasse Fehlentscheidung, wenn es nach Michelin-Motorsportchef Pascal Couasnon geht. Der Franzose ist der Ansicht, dass die Formel 1 die falschen Prioritäten setzt und kann sich bei der Rallye Monte Carlo im Interview mit 'Motorsport-Total.com' eine Spitze gegen Pirelli nicht verkneifen: "Wenn die Fahrer aus dem Auto wegen der Reifen mit einem breiten Grinsen aussteigen, weil sie Spaß hatten und ihr Talent zeigen konnten, dann ist das für uns die beste Werbung. Wir machen das nicht wegen der Aufkleber auf den Autos. Bei uns sind zumindest 50 Prozent des Budgets für die Technologie reserviert."

Als Beispiel nennt er Nico Hülkenberg, der dieses Jahr den direkten Vergleich hatte: In der Formel 1 geht er mit Pirelli-Pneus an den Start, bei seinem Triumph bei den 24 Stunden von Le Mans war er auf Michelin-Reifen unterwegs. "Hülkenberg hat uns gefragt, wie er die Reifen am besten managen soll", erinnert sich Couasnon an einen der ersten Tests im Porsche. "Ich habe geantwortet: Hab Spaß, mein Freund. Und er kam zurück, und er hat mir recht gegeben."

Michelin: Hülkenbergs Le-Mans-Vergleich die beste Werbung

Earl Bamber, Nick Tandy, Nico Hülkenberg

Force-India-Ass Hülkenberg triumphierte mit Michelin-Pneus in Le Mans Zoom

Der Franzose kritisiert nicht nur, dass die Pirelli-Reifen den Piloten weniger Spaß machen, sondern sieht auch ein technologisches Defizit. "Wir haben den Vorschlag gemacht, 18-Zoll-Reifen einzuführen - und zwar aus technischen Gründen und wegen des Marketings", erklärt er.

Er versteht nicht, warum die Formel 1 die in der Serie üblichen Niederquerschnittreifen weiter ignoriert und stattdessen an den 13-Zoll-Pneus festhält. "Wenn man nämlich die Technologie von der Rennstrecke auf die Straße bringen will, dann benötigt man eine gemeinsame Basis", sagt er. "Die Seitenwände der Formel-1-Reifen gibt es aber im Straßenverkehr nicht." Ein Technologietransfer sei dadurch kaum möglich.

Michelin: 18-Zoll-Reifen wären perfekt für Formel 1

18 Zoll

In Monaco testete Pirelli 18-Zoll-Reifen an einem GP2-Boliden Zoom

Doch die Synergien mit der Serie sind laut Couasnon nicht die einzigen Argumente für 18-Zoll-Reifen. "Wir haben bei unserem Test mit dem Renault-World-Series-Auto bewiesen, dass der Umstieg von 13 auf 18 Zoll 1,5 Sekunden bringt", wirft er ein. Der Zeitpunkt für einen Umstieg wäre also optimal, da die Formel 1 in der kommenden Saison um mehrere Sekunden schneller werden soll. "Die Hälfte soll vom Reifen kommen. Da muss man doch auf neue Technologien setzen", versteht er die Formel-1-Entscheidungsträger nicht.

Das Gegenargument, das in Formel-1-Technikerkreisen die Runde machte, dass die 18-Zoll-Räder nicht nur teuer wären, sondern wegen des größeren Gewichtes der Felge keine besseren Rundenzeiten ermöglichen, kann er nicht nachvollziehen.

"Die Kosten sind kein Thema, denn wie viel würde es kosten, beim Auto eine Sekunde zu holen? Wir könnten einfach so 1,5 Sekunden bringen", spielt er darauf an, dass eine Zeitverbesserung durch die Reifen immer noch günstiger wäre als durch die Autos. "Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Wechsel zu Michelin für die Teams billiger wäre, als bei Pirelli zu bleiben."

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