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Max Verstappen: Rookie-Bilanz des "Überholkönigs"

Der 18-jährige Toro-Rosso-Pilot Max Verstappen blickt auf seiner erste Formel-1-Saison zurück: Viele Höhen, ein paar Tiefen und der Drang, noch besser zu werden

(Motorsport-Total.com) - Als sich Max Verstappen im März dieses Jahres anschickte, der jüngste Teilnehmer eines Formel-1-Rennens zu werden, konnte er sich vor vorschneller Kritik kaum retten. Von allen Seiten prasselte es auf den 17-Jährigen und dessen Umfeld herein, wie man nach gerade einmal einer Saison im Formelsport (Formel 3) ernsthaft von einer vernünftigen Vorbereitung auf die Formel 1 sprechen könne.

Max Verstappen

Max Verstappen überzeugte in seiner Rookie-Saison mit starken Auftritten Zoom

Acht Monate später ist die Kritik verstummt. Verstappen - inzwischen 18 Jahre alt - hat seine Rookie-Saison in der Königsklasse in überzeugender Manier hinter sich gebracht. Dass sein erstes Formel-1-Jahr nicht komplett fehlerfrei verlief, liegt auf der Hand. Darin unterscheidet sich der Teenager in Diensten von Toro Rosso aber in keinster Weise von anderen Debütanten.

"Über mein Alter habe ich mir nie Gedanken gemacht. Ich habe einfach das getan, was ich schon im Kartsport und in der Formel 3 tat. Ich bin einfach raus auf die Strecke und habe versucht, als Fahrer den bestmöglichen Job zu machen. Der einzige Unterschied ist, dass das Auto jetzt größer und schneller ist", sagt Verstappen unbeeindruckt. Dass er seine erste Saison in der Königsklasse mit stolzen 47 WM-Punkten auf Platz zwölf der Fahrer-Weltmeisterschaft abgeschlossen hat, überrascht ihn aber dann doch: "Ich habe mehr Punkte eingefahren als ich erwartet hatte. Damit bin ich sehr zufrieden."

Überholmanöver an "unmöglichen" Stellen

Sergio Perez, Max Verstappen

In Interlagos zog Verstappen im Senna-S an Sergio Perez vorbei Zoom

Für Aufsehen sorgte Verstappen nicht nur damit, dass er mehr als die Hälfte der Rennen seiner Rookie-Saison in den Punkterängen beendete und als bestes Ergebnis zwei vierte Plätze (Budapest und Austin) einfuhr. Es ist vor allem die Art und Weise, wie der Sohn von Ex-Formel-1-Pilot Jos Verstappen seine Rennen fährt, die für hochgezogene Augenbrauen sorgt. Im Fahrerlager hat sich der junge Niederländer den Ruf des "Überholkönigs" erarbeitet.

Zwar taucht Verstappen in der Statistik der Positionsveränderungen in der Saison 2015 (Rennergebnis im Vergleich zur Startposition) nur an 13. Stelle auf. Die Überholmanöver, die er gezeigt hat, waren aber in aller Regel vom Feinsten. Wie er in Spa-Francorchamps in der ultraschnellen Blanchimont außen an Felipe Nasr vorbeiging oder wie er in Interlagos im Senna-S Sergio Perez düpierte, sind nur zwei Beispiele.

Als bestes Rennen seiner ersten Formel-1-Saison bezeichnet Verstappen rückblickend den Grand Prix der USA in Austin, den er auf Platz vier abschloss: "Es war einfach das kompletteste Rennen, in dem ich noch dazu gute Überholmanöver zeigte." Daraus schlussfolgert der Toro-Rosso-Pilot: "Mit einem richtig guten Motor hätten wir in diesem Jahr schon auf dem Podest stehen können." Im Gegenzug bezeichnet er "das Erlernen der Charakteristika der Reifen" als seine größte Herausforderung anno 2015.

Note 8 von 10 für die Rookie-Saison

Max Verstappen

Mit seiner ersten Saison in der Königsklasse ist Verstappen sehr zufrieden Zoom

Der Rummel um die eigene Person, ist dem 18-jährigen Sohn von Jos Verstappen gar nicht so recht. "Ich stehe eigentlich lieber im Schatten", gesteht er im Gespräch mit 'Sky Sports F1', weiß aber auch, dass das in der in alle Welt übertragenen Formel 1 "nicht möglich ist".

Auf einer Skala von 1 bis 10 gibt sich Verstappen für die Leistungen in seiner Rookie-Saison "eine 8" und begründet: "Verbessern kann man sich immer. Deswegen würde ich mir niemals eine 10 geben."

"Ich kann mich aber nicht beschweren. Ich hatte ein paar richtig gute Rennen, insbesondere nach der Sommerpause. Auch mit meinen Überholmanövern kann ich sehr zufrieden sein. Insgesamt habe ich viel gelernt, sowohl im Qualifying als auch in den Rennen. Zudem weiß ich jetzt viel besser, wie ein ganzes Wochenende in der Formel 1 abläuft", so der 18-jährige Toro-Rosso-Pilot.

Die Kehrseite der Medaille: Acht Strafpunkte

Auf der Kehrseite der Medaille steht die Tatsache, dass sich Verstappen in seiner ersten Formel-1-Saison nicht nur zum inoffiziellen "Überholkönig", sondern ganz offiziell auch zum Strafpunkte-König gemausert hat. Allein für das Ignorieren Blauer Flaggen beim Saisonfinale in Abu Dhabi kassierte der junge Niederländer drei Strafpunkte. Für zu schnelles Fahren während einer Safety-Car-Phase in Budapest hagelte es ebenfalls drei. Zwei Strafpunkte gab es für die Kollision mit Lotus-Pilot Romain Grosjean in Monte Carlo.

Max Verstappen, Romain Grosjean

Den Crash mit Grosjean in Monte Carlo sieht Verstappen als "Teil der Lernkurve" Zoom

Letztgenannten Zwischenfall sieht Verstappen als mahnendes Beispiel: "Das war natürlich ein heftiger Crash. Ich betrachte ihn als Teil der Lernkurve, und zwar dahingehend, wie dicht ich in solchen Situation auf den Vordermann auffahren kann." Situationen wie jene bei der Pressekonferenz in Montreal, als er sich den von Routinier Felipe Massa geäußerten Vorwürfen stellte oder wie er sich in Singapur der Anweisung widersetzte, Teamkollege Carlos Sainz vorbeizulassen, prägten Verstappens Saison zusätzlich.

Als zusammenfassende Erkenntnis seines ersten Formel-1-Jahres steht für Verstappen selbst unter dem Strich: "Ich kann sehr zufrieden sein, weiß aber auch, dass ich mich auf allen Gebieten noch verbessern kann. Ich bin aber noch sehr jung und daher absolut überzeugt, dass die Verbesserungen eintreten werden." Als persönliche Zielvorgabe für seine Saison gibt der junge Niederländer aus: "Ich möchte insgesamt ein bisschen besser abschneiden als in diesem Jahr. Genau kann ich das aber noch nicht sagen, weil ich noch nicht weiß, wie gut das nächstjährige Auto sein wird."

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