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Formel 1 Ungarn 2016: Hamilton übernimmt die WM-Führung!

Lewis Hamilton übernimmt mit einem kontrollierten Sieg auf dem Hungaroring zur WM-Halbzeit die Führung - Kimi Räikkönen sauer auf Max Verstappen

(Motorsport-Total.com) - Die erste Hälfte der Formel-1-Saison 2016 ist vorbei, und zum ersten Mal in diesem Jahr führt Lewis Hamilton nach dem Grand Prix von Ungarn die WM an. Der Mercedes-Fahrer sicherte sich im heutigen Rennen seinen bereits fünften Sieg auf dem Hungaroring und ist damit neuer Budapest-Rekordsieger. Nico Rosberg folgte ihm zwar über weite Strecken wie ein Schatten, musste sich letztendlich aber doch geschlagen geben.

Hamilton hatte im Silberpfeil-Duell stets die Kontrolle, konnte immer dann zulegen, wenn es eng wurde. Aber es wurde ein paar Mal eng! Sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Boxenstopp war Rosberg zu Beginn der Stints jeweils der schnellere Mann, robbte sich bis in die DRS-Sekunde heran. Hamilton klagte im Mittelstint über Graining, mutmaßlich wegen seines linken Vorderreifens. Wirklich bedrohlich war das aber nie.

Sehr wohl bedrohlich wurde es in den letzten Runden des Rennens, und das gleich zweimal. Zuerst wurde Hamilton beim Überrunden von Esteban Gutierrez aufgehalten, wofür der Haas-Fahrer mit einer Fünf-Sekunden-Strafe belegt wurde. Rosberg war plötzlich wieder dran, aber ebenso schnell auch wieder abgeschüttelt. Und wenig später wiederholte sich dieses Spielchen, als Hamilton bei einem heftigen Verbremser mit einem blauen Auge davonkam.

Weshalb man im Nachhinein festhalten muss: "Der Start war alles", wie Hamilton analysiert. "Ich war außen, Lewis innen, das war's", seufzt Rosberg. "Ich habe versucht, Lewis unter Druck zu setzen, aber auf dieser Strecke kannst du einfach nicht überholen." Dass er in der ersten Kurve sogar kurzzeitig hinter Daniel Ricciardo (Red Bull) lag, diesen aber eine Kurve später mit einem sehenswerten Manöver auskonterte, sei der Vollständigkeit halber ebenfalls erwähnt.

Red Bull und Ferrari konnten nur zu Beginn mit Mercedes mithalten. "Wir haben den Reifen gemanagt, vielleicht ein bisschen zu sehr", analysiert Sportchef Toto Wolff den ersten Stint. Nach neun Runden lagen die Top 4 (Hamilton, Rosberg, Ricciardo und Max Verstappen) innerhalb von fünf Sekunden. "Ich fahre wie eine Oma", klagte Verstappen in der Phase über den Speed. Aber: "Unsere Pace war schneller als die von Red Bull und Ferrari. Das stimmt mich positiv", analysiert Wolff.

Sebastian Vettel (Ferrari) fightete nach unbelohntem Superstart (kein Platz in der ersten Kurve) in der Schlussphase des Zweistopprennens noch gegen Ricciardo um den dritten Platz, zog aber um 0,7 Sekunden den Kürzeren. "Mit freier Fahrt hätte ich eine Sekunde schneller fahren können", sagt er - was auch logisch ist: Seine Soft-Reifen waren um acht Runden frischer. Ricciardo aber blieb cool und fuhr auf dem Hungaroring zum dritten Mal hintereinander auf das Podium.

Hinter den beiden gab es ein weiteres Duell Red Bull gegen Ferrari, und auch in dem setzte sich der Energydrink-Hersteller durch. Kimi Räikkönen gewann durch einen langen ersten Stint auf Soft-Reifen auf strategischem Weg sieben Positionen, schnappte sich auf der Strecke auch noch Fernando Alonso (McLaren). Aber an Verstappen biss er sich nach seinem letzten Reifenwechsel (von Supersoft auf Supersoft) trotz des schnelleren Tempos die Zähne aus.

Verstappen verteidigte sich in dem sehenswerten Duell rundenlang geschickt, bis Räikkönen in Kurve 2 dann doch zur Attacke ansetzte. Verstappen zackte zuerst nach rechts, lenkte dann nach links in die Kurve ein - und Räikkönen konnte eine leichte Berührung, bei der sein Frontflügel leicht beschädigt wurde, nicht mehr verhindern. Danach folgte der "Iceman" dem jungen Niederländer wie ein Schatten, für eine weitere Attacke reichte es aber nicht.

Nach dem Rennen gingen die Emotionen hoch: "Es wurden schon Strafen für viel weniger ausgesprochen", regt sich Räikkönen auf. Verstappen kontert cool: "Schön, dass man Kimi zumindest mal über den Funk reden hört!" Und Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko findet: "Ich wüsste nicht, was er sich da aufzuregen hat. Das war ein derartig optimistischer Versuch von Kimi! Max hat überhaupt nichts falsch gemacht."

Dass Verstappen sich überhaupt mit Räikkönen herumschlagen musste, wurde beim ersten Boxenstopp entschieden. Vettel setzte die beiden Red Bulls mit einem früheren Boxenstopp unter Druck, Red Bull holte aber den vorne liegenden Ricciardo zuerst an die Box und opferte damit Verstappen. Der kam hinter Räikkönen, der zu dem Zeitpunkt am Ende seines langen Stints war, auf die Strecke - und verlor so den Anschluss an die Top 3.

Alonso holte für McLaren als Siebter hart erkämpfte Punkte, dreieinhalb Sekunden vor Landsmann Carlos Sainz (Toro Rosso). Dessen Teamkollege Daniil Kwjat wurde nach einem weiteren verkorksten Rennen mit Durchfahrtstrafe wegen selbstverschuldetem Pit-Lane-Speeding 16. Auf Platz neun landete Valtteri Bottas (Williams), Zehnter wurde Nico Hülkenberg (Force India) - diesmal 14,8 Sekunden vor seinem Teamkollegen Sergio Perez (verpatzter Boxenstopp).

Für Aufregung sorgte wieder einmal das Funkverbot, denn als Jenson Button (McLaren) mit Druckverlust in der Hydraulik zu kämpfen hatte, gab ihm sein Team wohl eine unerlaubte Anweisung. Später gab Button sowieso auf, aber zunächst wurde er vom Kommandostand gebeten, so lange wie möglich weiterzufahren. Das quittierte der Ex-Weltmeister mit einem genervten Funkspruch: "Oh, fantastisch! Das wird ein super Rennen!"

Jolyon Palmer (Renault) lieferte am Ungarn-Wochenende seine wahrscheinlich beste Vorstellung seit dem Saisonauftakt in Australien ab. Am Ende wurde er trotz eines überflüssigen Drehers guter Zwölfter, vor seinem Teamkollegen Kevin Magnussen (15.). Insgesamt sahen 21 von 22 gestarteten Autos die Zielflagge. Pascal Wehrlein (Manor) wurde mit zwei Runden Rückstand 19., mehr als eine halbe Minute vor seinem Teamkollegen Rio Haryanto.

In der Fahrer-WM führt Hamilton nach elf von 21 Rennen erstmals vor Rosberg, und zwar mit sechs Punkten Vorsprung. Rosberg lag zwischenzeitlich schon 43 Zähler voran, sagt aber trotzdem: "Es war bisher eine großartige Saison." Dass der "Krieg der Sterne" weiterhin tobt, zeigte sich auch in der Sieger-PK nach dem Rennen. In der brachte Hamilton das Thema Doppel-Gelb noch einmal auf den Tisch - und löste damit ein kleines Wortgefecht aus...

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