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Ferrari: Hässliches Auto besteht Crashtest nicht

Der neue Ferrari besticht weder durch seine Optik, noch durch seine Robustheit, dafür hat man die Lotus-Innovation nicht verschlafen

(Motorsport-Total.com) - 2012 sollte für Ferrari ursprünglich das Jahr des großen Comebacks werden. Doch nach neuesten Informationen dürfte der Auftakt in die Hose gegangen sein: Angeblich fiel der neue Bolide vor einigen Wochen beim ersten Crash-Test in Bollate in der Nähe von Mailand durch. Das berichtet der meist gut informierte 'Turun Sanomat'. Der Test soll noch diese Woche wiederholt werden.

Noch wissen nur wenige Eingeweihte, wie der neue Ferrari aussehen wird Zoom

Die Zeit drängt, denn Ferrari möchte beim Testauftakt am 7. Februar in Jerez bereits mit dem neuen Boliden ausrücken, der firmenintern unter dem Decknamen 663 bekannt ist. Durch eine Reglementänderung müsste der Bolide aber auch bei den Tests in der Garage bleiben, wenn er die verlangten Sicherheits-Tests nicht besteht. Um dies zu gewährleisten, besserte man in der Fabrik in Maranello nach.

Wie der neue Bolide, der am 3. Februar in den heiligen Werkshallen präsentiert wird, aussieht, ist derzeit noch unbekannt. "Ich habe es im Windkanal und im Entwicklungsprogramm gesehen", gibt sich Fernando Alonso im Zuge des Wrooom-Events in Madonna di Campiglio geheimnisvoll. "Ich habe aber nur Zahlen, Daten und Linien am Computer-Bildschirm gesehen, daher kann ich nicht beurteilen, wie dieses Auto funktionieren wird."

Neuer Ferrari soll hässlich sein

Um davon ein realistisches Bild zu haben, müssen sich die Ferraristi laut dem Spanier noch einige Monate lang gedulden: "Wir alle sind zuversichtlich, alle geben ihr Bestes, aber bis Malaysia oder China, also bis zum zweiten oder dritten Rennen werden wir nicht wissen, wie gut das Auto ist. Mir ist bewusst, dass einige Wintertests vor uns stehen. Die kann man als Rennen sehen, aber ich glaube nicht, dass wir vor China das Potenzial des Autos einschätzen werden können."

"Der neue Bolide ist nicht so hübsch." Stefano Domenicali

Nach optischen Kriterien soll der rote Bolide keinen besonders ästhetischen Eindruck machen. Das gibt man in Maranello unumwunden zu. "Das Auto ist definitiv anders, denn es stellt bei der Design-Philosophie einen klaren Bruch mit der Vergangenheit dar", sagt Teamchef Stefano Domenicali. "Es ist nicht so hübsch, denn die vom technischen Reglement diktierte Form lässt nicht viel Spielraum. Aber wir hoffen, dass es zumindest wirklich schnell ist - und das ist es doch, was zählt."

Höcker auf der Nase


Fotos: Ferrari-Wrooom in Madonna di Campiglio


Ferrari-Boss Luca di Montezemolo setzt sogar noch eins drauf: "Ich wünsche mir, dass das Auto miserabel aussieht. Ich sage das so provokant, denn ich will, dass es ein Siegerauto ist - zuverlässig, aber auch sympathisch. Es soll wissen, wie man mit einem Lächeln gewinnt."

"Ich wünsche mir, dass das Auto miserabel aussieht." Luca di Montezemolo

Die mangelhafte Optik des neuen Ferrari beruht auf einer Reglementänderung: Damit die Autos bei einer Kollision nicht nach oben gerissen werden und den Kopf anderer Piloten gefährden, entschieden die Regelmacher, eine niedrigere Nase vorzuschreiben. Da die maximale Chassishöhe aber gleich bleibt, wird die Bolidengeneration 2012 durch einen wenig attraktiven Höcker auf der Nase auffallen.

Mechanische Höhenverstellung: Ferrari auf Lotus' Spuren

Obwohl Domenicali gerne darauf verweist, dass Emotionen und Atmosphäre für die Scuderia von großer Bedeutung sind, wird er diesen Schönheits-Fehler gerne hinnehmen, wenn Ferrari dadurch nach 2007 endlich wieder einen WM-Titel einfahren kann. "Ich habe unsere Ingenieure bereits im Sommer angewiesen, jedes kleine Detail der Regeln auszuloten und ans Limit zu gehen", verrät der Italiener.

"Ich habe unsere Ingenieure angewiesen, jedes kleine Detail der Regeln auszuloten und ans Limit zu gehen." Stefano Domenicali

Während die Truppe aus Maranello in den vergangenen Jahren Innovationen oft verschlief, deutet einiges darauf hin, dass man Ferrari nun in diesem Punkt tatsächlich ernster nehmen muss. Laut 'Autosport' bestätigen Ferrari-Insider, dass die Technikabteilung rund um Fry bereits seit einiger Zeit an einem ähnlichen System wie Lotus arbeitet, das mehr Stabilität beim Bremsen bietet.

Dieses System, das von der FIA bereits abgesegnet wurde und Teil der Radaufhängung ist, verhindert ein Einnicken der Frontpartie in der Bremsphase. Um dem Reglement zu entsprechen, darf es nicht vom Piloten bedient werden und muss mechanisch auf die beim Bremsen frei werdenden Kräfte reagieren. Bei Lotus wird dies angeblich über einen Hydraulik-Zylinder gewährleistet. Ob das Ferrari-System ähnlich funktioniert, ist derzeit unbekannt.

Domenicali: Nur nicht den Kopf verlieren

Mit Prognosen hält sich Domenicali ähnlich wie Alonso zurück: "Solange wir die anderen Autos nicht sehen, werden wir nicht wissen, ob wir wirklich ans Limit gegangen sind oder nicht." Er traut sich aber immerhin deutlich früher als sein Starpilot ein Urteil über den neuen Ferrari zu: "Dazu müssen wir bis zum Qualiying in Melbourne warten."¿pbvin|512|4347||0|1pb¿

"Das wird ein schwieriges Jahr." Stefano Domenicali

Schon jetzt bereitet er sein Team, das mit Pat Fry auf einen neuen Technikchef setzt, auf Rückschläge vor: "Das wird ein schwieriges Jahr, aber das ist Teil des Sports. Wir müssen den Erwartungen so gut wie möglich entsprechen und mir ist bewusst, dass die Emotionen in unserem Team eine große Rolle spielen. Dennoch weiche ich nicht von meiner Herangehensweise ab: Wenn es gut läuft, werden wir nicht abheben. Wir werden aber auch nicht betrübt sein, wenn es Schwierigkeiten gibt, vor allem am Anfang, denn wir wissen, dass die Saison lange ist. Wir müssen ruhig und am Boden bleiben und unsere Motivation und Konzentration bewahren."

Hoffnungen ruhen auf Alonso

Ferrari-Boss Montezemolo leitet die Frage nach der Konkurrenzfähigkeit des neuen Autos an Alonso weiter: "Er ist derjenige, den man fragen sollte, denn es ist eine Konstante, dass er schnell ist. Wir werden ihm die Frage in Jerez stellen, nachdem er die ersten Kilometer am Steuer des Autos zurückgelegt hat."

"Ich bin weder optimistisch, noch pessimistisch." Fernando Alonso

Alonso gibt sich diesbezüglich noch bedeckt: "Wenn ich eine Kristallkugel hätte, dann könnte ich diese Frage beantworten. Heute haben wir aber den 12. Januar. Ich bin weder optimistisch, noch pessimistisch. Wir arbeiten Tag für Tag." Er weiß aber: "Wir müssen es gut hinkriegen. Wenn uns das gelingt, dann können wir um den Titel kämpfen. Sollte das Auto zu langsam sein oder wir zu viele Fehler machen, dann werden wir den Titel nicht gewinnen können. Wir müssen uns auf das Auto konzentrieren, damit es schnell ist. Gleichzeitig müssen wir gute Rennen fahren." Davor muss mit dem Crashtest aber noch der erste Schritt bewältigt werden.

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