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Fernando Alonso: Nach der Formel 1 ist noch nicht Schluss

Fernando Alonso verrät, wann er seine Formel-1-Karriere womöglich beenden werde, wie er diese Entscheidung treffen will und was er danach machen möchte

(Motorsport-Total.com) - Fernando Alonso muss sich in einem Punkt seinem Teamkollegen Jenson Button klar geschlagen geben, obwohl er mit zwei Titeln der erfolgreichere Pilot ist: Der Brite ist der erfahrenere Fahrer. Alonso belegt in der Liste der meisten Rennteilnahmen den zweiten Platz unter den aktiven Fahrern (259). Button steht bei 291. Unangefochten an der Spitze liegt Rubens Barrichello mit 324 Teilnahmen. Was diese Statistik zeigt? Dass die beiden McLaren-Piloten sich im Spätherbst ihrer Karriere befinden. Während Button ein letztes Intermezzo bei Williams anstreben könnte, ist Alonso noch bis Ende 2017 bei McLaren gesetzt. Er spricht im exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com' aber auch schon über seine fernere Zukunft.

Fernando Alonso

Keine fünf Jahre Formel 1 mehr? Fernando Alonso denkt schon an Le Mans Zoom

Bereits mehrfach deutete der Spanier an, dass es nach der Formel 1 für ihn im Motorsport noch weitergehen könnte. Auf die Frage, wie seine Zukunft aussehe, antwortet er: "Ich weiß es noch nicht genau, dahinter steht noch ein Fragezeichen." Das anstrengende Leben in der Formel 1 werde er eher weniger vermissen: "Man ist dem Sport 365 Tage im Jahr verpflichtet, man muss sich vorbereiten und trainieren. Wenn man nicht mehr in der Formel 1 ist, dann kann man ein normales Leben führen."

Ein ganz normales Leben kann sich der Doppelweltmeister dann aber doch nicht vorstellen: "Ich habe den Eindruck, dass ich dann das Fahren vermissen werde. Ich werde das Adrenalin und das Fahren im Wettkampf vermissen, weil das mein Leben ist. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass ich in einer anderen, weniger anstrengenden Kategorie weiterfahren werde", gibt er einen Ausblick. Wo genau? "24 Stunden von Le Mans zum Beispiel", meint er und betont: "Ich habe immer noch Spaß am Fahren, aber man muss nicht mehr in der Welt herumfliegen."

Alonso verrät: Immer noch mit Mark Webber in Kontakt

In Le Mans - das Langstreckenrennen wird am kommenden Wochenende zugleich mit dem Grand Prix von Aserbaidschan stattfinden - war er bereits 2014 vor Ort und hat dort in der Porsche-Box mit Mark Webber gesprochen. 2015 wäre er fast selbst in ein LMP1-Auto eingestiegen. Ob er mit dem ehemaligen Formel-1-Piloten über sein Vorhaben gesprochen hat? "Ja, natürlich."

Fernando Alonso, Mark Webber

Ziemlich beste Freunde: Mark Webber und Fernando Alonso 2014 in Le Mans Zoom

Teamkollegen könnten die beiden vielleicht nicht mehr werden: "Ich weiß nicht, ob er noch so lange fahren wird", schmunzelt Alonso. "Er hat auch andere Lebenspläne. Ja, ich spreche viel mit ihm", gibt der Spanier Einblicke in seine Beziehung zu dem Australier. Le Mans sei "sehr attraktiv" für ihn nach dem Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft, weil "es ein legendäres Rennen ist, auch Indy 500".

Woran wird er merken, dass seine Zeit in der Formel 1 vorbei ist? "Wenn es Zeit ist, um die Karriere zu beenden, werde ich es fühlen. Ich werde spüren, wenn ich nicht mehr schnell genug bin. Wenn man Selbstvertrauen verliert, nicht das liefert, was man soll und es nicht mehr genießt, dann fühlt man es einfach", erklärt Alonso, um gleich anzuhängen: "Ich denke, ich bin immer noch gut. Ich genieße es und ich versuche, diese dritte Weltmeisterschaft zu gewinnen mit McLaren-Honda."

Romantiker Alonso flirtet immer noch mit drittem Titel

Bereits zehn Jahre ist der zweite Titelgewinn des Spaniers her, an die dritte Meisterschaft glaubt er noch immer: "Das wäre ein ziemlich romantisches Ende meiner Karriere. Mit drei Jahren habe ich ein Modelauto eines McLaren-Honda gehabt, mit 35 fahre ich nun in einem echten McLaren-Honda", wird er nostalgisch. Er versichert aber auch, dass er es nicht ewig probieren werde: "An dem Tag, an dem ich mich nicht mehr konkurrenzfähig fühle, höre ich auf. Ich werde nicht weiterpushen, bis ich 45 bin und in irgendeinem Auto sitze."

Fernando Alonso

Brasilien 2006: Fernando Alonso feiert seinen zweiten WM-Titel mit Renault Zoom

Wann genau er seine Karriere, die nun bereits über 15 Formel-1-Saisonen andauert, beenden werde, verrät Alonso dann doch nicht. Ob er auch in fünf Jahren noch in der Formel 1 fahren wird? "Möglicherweise nicht, aber ich habe keine Antwort darauf", gibt er zumindest einen kleinen Hinweis.

Zwar hat er schon des Öfteren mit der Langstrecken-WM (WEC) und den Indy 500 spekuliert, eines ist aber sicher: Alonso wird es Kimi Räikkönen oder auch Robert Kubica nicht gleichtun und bestimmt nicht in die Rallye-WM (WRC) wechseln. "Nicht alles wird möglich sein, da ich meinen Fahrstil zu sehr umstellen müsste, wie zum Beispiel in der Rallye-Weltmeisterschaft. Das ist zwar auch interessant aus Fahrersicht, aber ich bin kein Rallyefahrer." Le Mans würde hingegen laut dem Spanier aber durchaus im Bereich des Möglichen liegen...