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Fahrer begeistert: "Diese Autos machen Spaß"

Das neue Formel-1-Reglement als zweischneidiges Schwert - Sound und Optik sind umstritten, aber die Fahrer sind begeistert: Innenansichten aus dem Cockpit

(Motorsport-Total.com) - Die neuen Formel-1-Nasen sorgten bislang für viel Aufregung, auch über den Sound der Boliden wird ausgiebig diskutiert - doch wie fühlt sich die neue Formel 1 im Cockpit an? Für ein endgültiges Urteil ist es noch etwas früh, da bislang nur selten schnell gefahren wird, doch der erste Eindruck der Piloten ist ganz klar positiv.

Nico Rosberg

Technikfreak Nico Rosberg bereitet die neue Multitasking-Formel-1 viel Freude Zoom

Williams-Pilot Valtteri Bottas, der im neuen Williams am Mittwoch immerhin auf 35 Runden kam, stellt der neuen Bolidengeneration ein positives Zeugnis aus: "Ich hatte viel Spaß und finde, die Autos sind toll zu fahren. Die Leistung stimmt. Ich kann mich nicht beschweren."

Und auch die Herausforderung kommt nicht zu kurz, was auf das deutlich höhere Drehmoment der Turbomotoren mit Hybridpower zurückzuführen ist: "Das Fahren an sich ist ein bisschen schwieriger geworden. Die Leistung des Motors setzt einfach anders ein. Man braucht viel Gefühl im rechten Fuß, speziell bei rutschigen Verhältnissen."

Viel Spaß im Cockpit

Jenson Button

Jenson Button fallen beim Verhalten des Motors große Unterschiede auf Zoom

Jenson Button, der im McLaren-Mercedes am Mittwoch die Bestzeit fuhr, ergänzt: "In schnellen Kurven sind wir langsamer als im Vorjahr, aber in langsamen Kurven fühlt sich das Auto gut an. Ich glaube, diese Autos werden Spaß machen."

Und auch Mercedes-Pilot Nico Rosberg outet sich als Fan der neuen Formel 1. Für den Wiesbadener ist das Fahrverhalten der Boliden aber noch der kleinste Unterschied zu früher: "Der Motor ist ein bisschen anders - hauptsächlich, was die Gänge anbelangt. Man benützt höhere Gänge, fährt in der Spitzkehre jetzt mit dem dritten anstatt wie im Vorjahr mit dem ersten Gang."

Hybridantrieb beeindruckt Rosberg

Auch das berühmte Turboloch habe er gespürt: "Dadurch verlierst du sehr viel Zeit, und das ist bei uns noch nicht optimiert. Daran müssen wir noch arbeiten, weil man aus den Ecken heraus eigentlich ein ganz sauberes Fahrverhalten haben will." Der Hybridantrieb, der dieses Jahr auf 160 PS aufgewertet wurde und sich automatisch zuschaltet, sollte eigentlich das Turboloch ausgleichen.


Fotostrecke: Die Nasen der Formel 2014

Obwohl noch nicht alles perfekt eingestellt ist, findet Rosberg die Wirkung der Hybrid-Power "unglaublich. Das ist so ein Riesensprung auf den Geraden, ehe es sich ab der Mitte der Gerade ausschaltet. Man verliert dann die 160 PS, und das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das ist aber auch klar, denn das macht 25 Prozent der Gesamtleistung aus."

Komplexes "Smartphone" im Cockpit

Den größten Unterschied zu früher ortet Rosberg aber bei den Abläufen im Cockpit: Der Fahrer wird zum Multitasking gezwungen, muss zusätzliche Kapazitäten im Hirn abrufen, um der neuen Formel 1 gerecht zu werden. "Mein gesamtes Lenkrad ist jetzt anders", beschreibt Rosberg sein neues Umfeld. "Ich habe ja jetzt fast ein Smartphone im Cockpit. Den Bildschirm kann ich so einstellen, wie ich ihn haben möchte. Ich habe alles unterschiedlich positioniert. Das gesamte Menü ist voll. Wir brauchen aber auch alles. Es dauert sehr lang, sich an all das zu gewöhnen - wo finde ich was, wo muss ich hinschauen, wo muss ich drehen?"

Lenkrad, Toro Rosso

Die Lenkräder (hier Toro Rosso) stehen 2014 noch mehr im Fokus Zoom

Der Mercedes-Pilot hat das Glück, dass sein Team vor einigen Jahren den Simulator auf den neuesten Stand gebracht hat. Dadurch konnte er sich bereits mit Trockentraining auf die veränderten Rahmenbedingungen vorbereiten: "Das ist alles enorm kompliziert, und da ist der Simulator eine große Hilfe. Das war für mich der wichtigste Grund, warum ich in der letzten Zeit so gerne im Simulator gesessen habe."

Er rechnet aber trotzdem nicht damit, beim Saisonstart perfekt vorbereitet zu sein: "Auch in Melbourne wird es noch Dinge geben, die neu sind. Ich kann gar nicht oft genug mit diesem Lenkrad fahren und die Knöpfe drehen." Der Pilot wird nun von der Boxenmauer ferngeleitet, die Kommunikation mit dem Renningenieur gewinnt diese Saison massiv an Bedeutung: "Die Ingenieure sagen mir jede Runde, was ich hier, was ich da machen muss."

Technikfreaks im Vorteil?

Auch außerhalb des Cockpits hat sich für Rosberg einiges geändert. Das Tüfteln mit den Ingenieuren, um das Auto perfekt auf die eigenen Bedürfnisse einzustellen, wird diese Saison noch kniffliger, weil man mit einem weißen Blatt Papier beginnt. "Sogar die Bremsen funktionieren jetzt nicht mehr mechanisch, sondern elektronisch", nennt Rosberg ein Beispiel. "Es ist nicht so einfach, das richtig einzustellen."


Fotos: Mercedes, Testfahrten in Jerez


Es ist durchaus möglich, dass das neue Reglement Rosbergs Stärken aufwertet - während sich Lewis Hamilton auf seinen Instinkt verlässt, hatte der deutsche Mercedes-Pilot stets ein Faible für die Technik, wollte sogar an einer renommierten Universität Aeronautik studieren. Da überrascht es kaum, dass der 28-Jährige nun in seinem Element ist: "Ich finde die neuen Regeln klasse, weil ich mich sehr gerne in die Technik reinhänge, gerne mit den Ingenieuren arbeite und tüftle."

Rosberg verteidigt "grüne" Formel 1

Während das neue Formel-1-Reglement bei vielen Fans umstritten ist, weil die kleinen, spritsparenden Triebwerke ein Abrücken vom traditionellen Motorsport bedeuten, empfindet Rosberg deren Einführung als einen notwendigen Schritt: "Es ist absolut zeitgemäß, Sprit zu sparen, alles etwas ökonomischer, grüner und umweltfreundlicher zu machen. Allein heute habe ich viel weniger Sprit verbraucht als für die gleiche Rundenanzahl im Vorjahr."

Nico Rosberg

Der neue Mercedes-Bolide lief am Mittwoch in Jerez wie ein Uhrwerk Zoom

Während Rosberg draußen seine Runden drehte, wurde im Medienzentrum von Jerez geunkt, die neue Formel 1 sei "grüner denn je" - schließlich standen die meisten Boliden wegen der Zuverlässigkeitsprobleme in der Box. Und auch die fahrenden Autos sind noch weit vom Limit entfernt. "Sehr schnell waren wir bislang tatsächlich nicht unterwegs", lacht auch Rosberg. "Weil die Autos natürlich viel schwerer sind, weniger Abtrieb haben und so weiter. Das dauert noch ein bisschen, bis wir so schnell sind wie im Vorjahr."

Bei seinem Team läuft aber im Gegensatz zu den Renault-Rennställen bislang alles glatt, schließlich kam Rosberg am Mittwoch auf beachtliche 97 Runden. "So viele Runden hinzukriegen, ist ein sehr positiver Schritt", zeigt sich der Mercedes-Pilot zufrieden. "Auch wir waren, was die Standfestigkeit angeht, echt am Limit."

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