powered by Motorsport.com
  • 29.01.2014 · 13:24

  • von Dieter Rencken, Norman Fischer & Stefan Ziegler

Richtige Regeln zum falschen Zeitpunkt?

Dass die neuen Regeln für die Formel 1 der richtige Schritt sind, darauf kann man sich im Fahrerlager einigen, doch den Zeitpunkt halten einige für falsch

(Motorsport-Total.com) - Egal ob Marussia, Sauber oder Williams: Die Formel 1 steckt in finanziell harten Zeiten, in denen beinahe alle Teams um ihr Überleben kämpfen und am finanziellen Limit operieren. Und ausgerechnet jetzt führt die FIA ein komplett neues Reglement mit einem komplett neuen Turbomotor und neuer Technologie ein - besonders für die kleinen Teams ein schwerer Schlag.

Christian Horner

Christian Horner sieht die finanziellen Voraussetzungen als schwierig an Zoom

Kundenteams müssen nun rund das Dreifache für die Belieferung mit Mercedes-, Ferrari- oder Renault-Motoren blechen. Ganz schnell können so bis zu 25 Millionen Euro zusammenkommen. Nimmt man jetzt das geschätzte Jahresbudget von rund 75 Millionen Euro bei Marussia, so bleibt dem Rennstall nicht mehr viel Geld für die anderen Bereiche. Das Stöhnen über die hohen Kosten der neuen Motoren blieb natürlich nicht aus, doch etwas ändern konnten die Teams an der Einführung sowieso nicht mehr.

Und das sollten sie auch nicht, meint Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost. Der Österreicher ist der Meinung, dass die Einführung der neuen Technologie richtig war: "Die Formel 1 ist die Spitze des Motorsports, das Reglement soll neue Richtungen vorgeben. Ich glaube auch, dass diese Richtungen in Ordnung sind", erklärt Tost. "Es geht darum, dass man einen aufgeladenen Motor mit kleinem Hubraum hat. Das ist einfach die Richtung, in die die Autoindustrie in Zukunft gehen wird."

Und die Formel 1 dürfe dem in nichts nachstehen. "Entscheidend ist, dass die Formel 1 neue Technologien verfolgen muss. Ich finde, dass diese Lösungen zukunftsweisend sind und hier der richtige Weg eingeschlagen wurde", betont Tost, dass die FIA die Entscheidung für die neue Technologie einfach treffen musste. Doch angesichts der finanziellen Lage der Teams darf man sich die Frage stellen: Kommt die Einführung vielleicht zum falschen Zeitpunkt?


Fotos: Testfahrten in Jerez, Mittwoch


"Diese Regeln wurden wohl zur falschen Zeit eingeführt", bejaht Red-Bull-Teamchef Christian Horner die Frage. "Denn die Kosten sind sehr hoch. Es sind die umfangreichsten und teuersten Regeländerungen, an die ich mich erinnere. Natürlich muss die Formel 1 mit der Zeit gehen, aber das Timing dieser Regeländerungen darf man schon hinterfragen. Es gibt schließlich viele Autos, die ziemlich wenige Aufkleber tragen." Um rund 25 Prozent sollen die Kosten bei den Teams dadurch gestiegen sein.

Und das sei nur das Geld, das man ausgeben muss, um auf dem gleichen Niveau zu sein wie im Vorjahr, betont Tost, "also die zusätzlichen Ausgaben für die Antriebseinheit, für andere Änderungen, zu denen uns das neue Reglement zwingt." Trotzdem hält der Österreicher den Zeitpunkt im Gegensatz zu seinem Red-Bull-Kollegen nicht für falsch: "Es wird immer Diskussionen geben über das Budget", winkt er ab und meint, dass man sich in jedem anderen Jahr die Frage auch gestellt hätte.

Eigentlich sollten die neuen Motoren sogar schon im Vorjahr eingeführt werden, doch das hat man noch einmal um ein Jahr verschoben. "Wie wir jetzt sehen, hat es dafür gute Gründe gegeben, denn vor einem Jahr waren wir diesbezüglich noch wesentlich weiter hinten", so Tost. Dann muss man sich eben jetzt mit den Regeln der FIA herumschlagen. Und auch wenn er gegen die Einführung der teuren Motoren zu diesem Zeitpunkt ist, will sich Horner auch in Zukunft weiter Dinge von der FIA und Bernie Ecclestone vorschreiben lassen. Denn: "Die Teams können sich ja kaum einigen, welchen Wochentag wir haben."