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  • 29.01.2014 · 14:17

  • von Sven Haidinger, Stefan Ziegler und Dieter Rencken

Wie sich das Verbrauchslimit auf die Formel 1 auswirken wird

2014 müssen die Motoren mit 30 Prozent weniger Sprit auskommen als 2013 - Doch welche Auswirkungen hat das Spritlimit für Piloten, Teams und Fans?

(Motorsport-Total.com) - Wird die Formel 1 2014 zur Verbrauchsformel? Diese Frage stellen sich viele Kritiker des neuen Reglements, die befürchten, dass der beschränkte Spritverbrauch die Piloten dazu zwingen wird, statt in beinharten Zweikämpfen bis zur Zielflagge mit den letzten Benzintropfen ins Ziel zu rollen. Fakt: Bislang hatten die Teams 150 Kilogramm Sprit pro Rennen zur Verfügung, jetzt sind es nur noch 100 Kilogramm - eine Verringerung um 30 Prozent.

Kimi Räikkönen

Horrorvision: Werden 2014 einige Piloten ihre Boliden wegen Spritmangels abstellen? Zoom

Eine Änderung, die sich 2014 mit Sicherheit auf den Verlauf der Rennen auswirken wird - und plötzlich auch für die Piloten zum Thema wird. Früher sei der Spritverbrauch laut Weltmeister Sebastian Vettel nur Thema gewesen, wenn sich die Ingenieure "vertan haben. Dann wurde darüber gesprochen, dass im Auto aktiv Sprit sparen muss. Das wird natürlich jetzt ganz anders, weil man es auf normalem Wege, wie man in den vergangenen Jahren gefahren ist, nicht ins Ziel schafft."

Fahrer müssen sich anpassen

Doch inwiefern wirkt sich die neue Regelung auf die Piloten aus? "Man muss sich als Fahrer sehr anpassen, was den Fahrstil angeht", erklärt der Red-Bull-Pilot. Das könnte sich seiner Meinung nach durchaus auf das Kräfteverhältnis auswirken. "Natürlich taktiert man dann, wann man wie viel Sprit verbrauchen will, gepaart mit den Reifen, je nachdem wie die funktionieren."

"Natürlich taktiert man dann, wann man wie viel Sprit verbrauchen will." Sebastian Vettel

Er prophezeit, dass der Spritverbrauch vor allem zu Saisonbeginn eines der bestimmenden Themen in der neuen Formel 1 sein wird. "Als man zu den Pirelli-Reifen kam und im schlimmsten Fall anfangs nur fünf bis zehn Runden weit kam, hat man sich natürlich im Vorhinein auch viel mehr Gedanken darüber gemacht als zu Zeiten von Bridgestone, als klar war, dass man mit einem Stopp überall hinkommt", zieht er einen Vergleich.

Die Änderung wird auch dafür sorgen, dass die Rundenzeiten in Qualifying und Rennen noch mehr auseinanderklaffen. Während der Spitverbrauch in einer schnellen Runde im Zeittraining keine Rolle spielt, muss man "im Rennen einen gewissen Spritverbrauch beibehalten, um ins Ziel zu kommen", sagt Toro-Rosso-Chefdesigner Luca Furbatto. "Daher wird es einen großen Unterschied zwischen der Qualifying- und der Renn-Performance geben."

Ausrollen in der Ehrenrunde wird ab 2014 geahndet

Noch sind aber in Hinblick auf die Berechnungen des Rennens nicht alle Details geklärt. Mit einer Messsonde will die FIA kontrollieren, dass die festgelegte Durchflussmenge von 100 Kilogramm pro Stunde eingehalten wird, schließlich wäre es problematisch, dies nur über die Spritmenge zu tun. Das liegt daran, dass die Piloten mehr Sprit benötigen, als für die reine Renndistanz erforderlich.

"Ab 2014 muss eben genug Sprit mitgeführt werden, um die Ehrenrunde zu schaffen." Paddy Lowe

"Wir betanken die Autos in der Garage", erklärt Mercedes-Geschäftsführer Paddy Lowe die praktischen Hintergründe. "Der Sprit muss also ausreichen, um einerseits in die Startaufstellung zu fahren und die Einführungsrunde sowie das Rennen zu absolvieren, andererseits muss damit aber auch die Ehrenrunde bestritten werden."

Unklar sei derzeit noch, was passiert, wenn man in der Ehrenrunde ausrollt. Ein diesbezüglicher Beschluss ist noch nicht offiziell, Lowe deutet aber an, dass es "nicht mehr erlaubt sein wird", dass Autos nach der Zieldurchfahrt abgestellt werden. "Nun muss eben genug Sprit mitgeführt werden, um diese zusätzlichen Kilometer zu schaffen", sagt er. "Die Teams müssen das anhand der Daten von der Boxenmauer aus überwachen. So kannst du erkennen, ob du am Ende in den letzten Runden noch Sprit sparen musst, damit es das Auto über die Linie schafft."

Tost erwartet keine Spritdramen in der Endphase

Muss man also beim Saisonstart befürchten, dass in den Schlussrunden viele Piloten ohne Benzin liegen bleiben werden und es zu Zufallsergebnissen kommt? Zumal vor allem Melbourne in Hinblick auf den Spritverbrauch als heikle Piste gilt. Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost hält dies für unwahrscheinlich: "Den Spritverbrauch kann man recht gut berechnen. Nach dem Freitag-Training weiß man genau, wie viel Sprit man benötigt. Und mit all den Informationen und Daten kann man dann das Rennen berechnen."

"Den Spritverbrauch kann man recht gut berechnen. Nach dem Freitag-Training weiß man genau, wie viel Sprit man benötigt." Franz Tost

Laut dem Österreicher ist das Thema weniger komplex, als es dargestellt wird: "Die Teams werden den Spritverbrauch unter Kontrolle haben, denn es handelt sich einfach um eine andere Motoreneinstellung. Sprit zu sparen ist eine Frage der Performance. Mit einer anderen Einstellung verbraucht man einfach weniger Sprit und ist langsamer."

Die Frage wird bloß sein, welche Herangehensweise unter dem neuen Reglement die effektivste sein wird, um am Ende das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. "Es könnte sein, dass man versuchen wird, am Anfang des Rennens Reifen und Sprit zu sparen, dann 15 Runden vor Schluss weiche Reifen aufzieht und mit viel Sprit attackiert", beschreibt er einen möglichen Weg. Dies sei aber keineswegs nur eine Frage des Verbrauchs: "Man darf auch die Reifen nicht vergessen. Man muss dafür sorgen, dass alles zusammenpasst - und das bedarf intensiver Arbeit der Ingenieure."

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