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Williams: Erst Kunden-ERS, bald Kunden-Getriebe?

Pat Symonds macht sich Gedanken darüber, was man bei Williams alles weiter in Eigenregie bauen will: ERS gehört trotz vorhandenem Wissen nicht dazu

(Motorsport-Total.com) - Es mutet schon etwas seltsam an: Williams ist mit seiner Abteilung Williams Advanced Engineering ein Vorreiter in der Elektrotechnik und rüstet beispielsweise die neue Formel E vollständig mit Batterien aus. Zudem ist man im elektrischen Straßenwagenbereich unterwegs und entwickelte vor einigen Jahren das einzigartige Schwungrad-KERS, doch seit diesem Jahr lässt man sich das neue Energierückgewinnungssystem ERS zusammen mit dem Motor von Mercedes liefern, anstatt es selbst zu produzieren.

Valtteri Bottas

Die Frage ist: Was wird unter der Haube in Zukunft alles Marke Eigenbau sein? Zoom

Ein seltsamer Schritt sollte man meinen, doch Technikchef Pat Symonds erklärt, dass man über manche Dinge eben einfach noch einmal nachdenken sollte. Das betreffe nicht nur Sachen wie ERS, sondern auch beispielsweise das Getriebe, das Williams schon immer in Eigenregie hergestellt hat. "Ich finde, das kann man durchaus Frage stellen", meint Symonds zu 'Motorsport-Total.com'. "Vielmehr sollte es so sein, dass die Topteams Getriebe bauen und die kleineren Teams diese Getriebe kaufen können."

"Ich stelle mir daher folgende Fragen: Ziehen wir wirklich einen Performance-Gewinn daraus, dass wir unser Getriebe selbst fertigen? Sparen wir dadurch Geld? Das sind Dinge, denen man Beachtung schenken muss - und zwar grundsätzlich und nicht im Zusammenhang mit Regeländerungen", so der Brite weiter. "Es muss einfach das Ziel sein, unsere Ressourcen so optimal wie möglich zu nutzen."

Und so entschied man sich trotz vorhandener Möglichkeiten gegen eine eigene Entwicklung von ERS. Symonds sieht das im Übrigen nicht als Verlust an: "Die Fähigkeit von Williams, Elektromotoren zu bauen, ist bekannt. Einer der Vorzüge der Arbeit bei Williams ist die Zusammenarbeit des Formel-1-Teams mit Williams Advanced Engineering. Es gibt einen ständigen Austausch zwischen den Experten dieser beiden Bereiche." Und da man sich stattdessen in der Formel E oder auf dem Straßenfahrzeugmarkt engagiert, bleibe das Wissen auf dem Gebiet von Elektroantrieben zumindest nicht ungenutzt.