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Coulthard: "Teamorder wird es immer geben"

Auch Ex-Grand-Prix-Sieger David Coulthard hält das Verbot von Stallregie für absurd - Eigene Erfahrungen bei McLaren gemacht: "Widerwillig hingenommen"

(Motorsport-Total.com) - Fast jeder Pilot in der aktuellen Formel 1 hat das Thema Stallorder bereits in der eigenen Karriere bestens studieren können. Natürlich halten die meisten aktiven Piloten allerdings mit ihren Erfahrungen hinter dem Berge, denn kritische Äußerungen könnten bei manchem Teamchef nicht allzu gut ankommen - man weiß nie, in welches Team einen der Weg noch führen wird. Ex-Piloten können dagegen offener über ihre Erlebnisse berichten.

David Coulthard

David Coulthard wurde früher auch im Vorwärtsdrang eingebremst Zoom

David Coulthard zum Beispiel. Der Schotte ist zwar nach wie vor als Berater von Red Bull in der Formel 1 involviert, aber dennoch spricht er offen über die Stallregie zu McLaren-Zeiten. "Ich bin wie jeder Fahrer wie mich und für das Team gefahren", so der Mercedes-DTM-Pilot in der Zeitung 'Daily Telegraph'. "Leider sollte ich 1997 in Jerez und ein Jahr später in Melbourne für Mika Häkkinen Platz machen. Ich habe es beide Male hingenommen, in beiden Fällen widerwillig."#w1#

Für einen Rennfahrer sei eine solche Entscheidung im Eifer des Renngefechts hart, aber nüchtern betrachtet aus Teamsicht nur logisch. "Stallregie gibt es. Es hat sie früher gegeben und es wird sie in Zukunft geben", sagt Coulthard. "So etwas könnte man nur dann stoppen, wenn jedes Team nur ein Auto einsetzen würde. Sobald zwei Autos unterwegs sind, lässt sich so etwas nicht vermeiden. Die Teamchefs müssen das beste für die Mannschaft, die Angestellten, die Teambesitzer herausholen."

Teamsportart mit Solisten an der Front

"Der Aufschrei beruht auf dem Missverständnis, dass es in der Formel 1 um Einzelne ginge", meint der Schotte. "Ich habe mich bei meinen Fällen damals gefragt, was passiert wäre, wenn ich mich an die Vorgaben nicht gehalten hätte? Hätte ich mehr Respekt bekommen? Wäre ich Weltmeister geworden? Oder hätte man mich gefeuert? Diese Dinge muss man als Pilot in solchen Situationen abwägen. Massa wird sich solche Fragen auch gerade stellen."

"Wäre ich Weltmeister geworden? Oder hätte man mich gefeuert?." David Coulthard

"Seine Reputation leidet. Die Öffentlichkeit wird ihn nun als jemanden wahrnehmen, der kuscht und sich den Forderungen der Firma unterwirft", meint Coulthard. "Ist man Fahrer oder Handlanger? Es ist ein schmaler Grat." So sehr der Ex-Pilot die Leiden des braslianischen Ferrari-Fahrers auch nachvollziehen kann: Coulthard hat Verständis für die Entscheidung des Teams. "Mein Ex-Boss Frank Williams hat immer gesagt: 'Es geht nicht um euch, sondern um die 700 Leute der Firma'. Das ist richtig. Wir waren immer nur zwei angestellte Fahrer."

"Es werden Leute fragen, warum in einer Teamsportart der Fahrertitel dann der heilige Gral ist. Hat man Ferrari 2008 bei Feierlichkeiten zum Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft gesehen, als Hamilton Massa den Titel vor der Nase weggeschnappt hatte? Nein. Sponsoren wollen Stars. Es ist wie bei der Tour de France, wo nur zählt, welcher Fahrer im gelben Trikot in Paris ankommt. Ein Teamchef muss die Freiheit haben, zugunsten des Erfolgs seiner Mannschaft zu entscheiden. Das ist der knifflige Part in der Beziehung zwischen Fahrer und Team."

Regel sollte gestrichen werden

"Ich finde, sie sollten die Regel streichen", sagt Coulthard über Paragraf 39.1 im sportlichen Reglement, welcher Teamorder verbietet. "Sie sorgt nur für einen Aufschrei in der Öffentlichkeit, die sich eines wahren Siegers beraubt fühlt. Diese Dinge passieren seit den 1950ern, seit es die Formel 1 gibt. Peter Collins stieg 1956 aus seinem Ferrari aus und gab ihn Juan Manuel Fangio, damit der das Rennen beenden und die WM gewinnen konnte", so der Schotte in der 'Welt'.

"Die Regel, keine Teamorder herausgeben zu dürfen, ist nicht durchsetzbar." David Coulthard

"Wir veräppeln das Publikum, wenn wir es glauben machen, dass Teamorder nicht vorkommt", so Coutlhard weiter. "Es gibt sie dauernd, schon beim Bau der Autos. Die einzige Phase, in der es so etwas nicht gibt, ist das Qualifying, wo jeder so schnell fahren muss, wie er kann. Felipe war langsamer, Sebastian Vettel schloss auf, Fernando war schneller. Und Ferrari drohte eine Situation wie Red Bull mit der Kollision seiner Fahrer in Istanbul."

"Es ist das gute Recht eines Teams, das Beste für das Team zu veranlassen. Die Regel, keine Teamorder herausgeben zu dürfen, ist nicht durchsetzbar", meint der ehemalige Grand-Prix-Pilot und reiht sich somit in eine ganze Reihe von Leuten ein, die eine Abschaffung der Regelung fordern. Interessant wird aus Coutlhards Sicht die Sitzung des Motorsport-Weltrates. Ausgerechnet FIA-Chef Jean Todt war es, der zu Ferrari-Zeiten Teamorder regelmäßig und sehr offen praktizierte. "Ab einem bestimmten Punkt müssen wir auf die Ehrlichkeit von Leuten vertrauen, gute Entscheidungen zu treffen", meint der Schotte.

(Mehr über David Coulthard finden Sie auch in unserer DTM-Rubrik.)

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