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Christian Horner: Red Bull macht Karrieren, zerstört sie nicht

Max Verstappen zahlt gleich im ersten Rennen im A-Team zurück - Horner gibt Einblick in die Verträge und bindet das Supertalent - Was wird aus Daniel Ricciardo?

(Motorsport-Total.com) - Hinterher ist man immer schlauer. Mussten sich die Red-Bull-Bosse vor dem Spanien-Grand-Prix-Wochenende noch harte Kritik für den plötzlichen Fahrertausch von Max Verstappen und Daniil Kwjat anhören, hieß es nach dem Sensations-Sieg des Niederländers in Barcelona: Alles richtig gemacht! Experte Martin Brundle lobte im britischen Fernsehen auf 'Sky': "Sie haben vier Fahrern neue Energie gegeben: Max ist jetzt in einem Siegerteam, Daniel Ricciardo bekommt durch ihn eine neue Herausforderung, Daniil hat bei Toro Rosso die Chance, seine Karriere wieder aufzurichten und Carlos Sainz ist durch ihn jetzt auch angefixt."

Christian Horner, Helmut Marko

Die Red-Bull-Bosse Horner und Marko polarisieren mit ihren Entscheidungen Zoom

Dabei hatte das vergangene Woche noch ganz anders geklungen: Viele Experten, Fans und auch Fahrer in der Formel 1 kritisierten das Vorgehen als "brutal" und stellten die Frage: Wieso macht Red Bull das? Dabei ist die Antwort ganz einfach: Weil sie es können - wie Teamchef Christian Horner bestätigt: "Unsere Verträge mit den Fahrern geben uns die Möglichkeit, jeden der vier frei zwischen unseren beiden Teams zu verschieben." Dies sei von vornherein so vereinbart und habe auch keine Auswirkungen auf die Gehälter der Piloten.

Im Klartext: Sensationsmann Verstappen verdient trotz seiner Beförderung zum A-Team nun nicht mehr als zuvor bei Toro Rosso. Gleichwohl bestätigt Horner, dass man die Situation genutzt habe, um den Vertrag mit dem 18-Jährigen gleich "auf mehrere Jahre" zu verlängern. Der begehrteste Jungstar der Königsklasse ist damit an Red Bull gebunden - Mercedes und Ferrari haben in den kommenden Jahren erst mal schlechte Karten.

Verstappens Beförderung wurde nur vorgezogen

"Er ist ein beeindruckendes Talent. Möglicherweise das heißeste, junge Gut in der Formel 1 im Moment. Selbstverständlich schauen sich das die großen Teams genau an. Das beinhaltet auch unsere beiden Hauptkonkurrenten. Wir haben diese Möglichkeit natürlich auch dazu genutzt, unsere Beziehung mit ihm weiter zu verlängern, was die nächsten paar Jahre betrifft", gewährt Horner einen Einblick in die Red-Bull-Verträge.


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Der Brite verrät nochmals im Detail, wie es zu der Entscheidung kam: "Wir hatten ohnehin geplant, Max in diesem Jahr noch in einem Red Bull zu testen - möglicherweise beim Silverstone-Test im Sommer. Helmut Marko kam dann nach dem Russland-Grand-Prix auf mich zu und meinte: Wenn wir es eh vorhaben, wieso warten wir dann damit? Lass es uns gleich zum Start der Europasaison tun." Horner und Marko sprachen die Entscheidung gemeinsam durch, dann griff der Österreicher zum Telefon und teilte Kwjat die Degradierung zum B-Team mit.

Dafür hagelte es einen regelrechten "Shitstorm", den Horner aber nicht auf sich sitzen lassen will. Schon vor Verstappens Barcelona-Sieg verteidigte er die Vorgehensweise im Hause Red Bull entschieden: "Es ist eine harte Entscheidung - aber dieser Sport ist hart. Die Jungs wissen ab dem Moment, in dem sie ihre Verträge unterzeichnen, dass sich alles nur um Leistung dreht." Das Unternehmen stecke viel Zeit, Geld und Personal in ihre Förderung und erwarte, dass sich das auszahle. "Red Bull investiert in sie seit ihrer Kindheit und hat sie in die Formel 1 gebracht", so der 42-Jährige.

Hart aber fair: Red-Bull-Youngster-Programm bietet große Chancen

Den Vorwurf, dass man mit solchen Entscheidungen die Karrieren von jungen Fahrern zerstören würde, lässt Horner deshalb nicht gelten. Obwohl es eine ganze Reihe solcher Beispiele gibt: Scott Speed, Jaime Alguersuari, Sebastien Buemi, Jean-Eric Vergne - sie alle haben nach ihrem Rauswurf aus dem Red-Bull-Kader kein Stammcockpit in der Königsklasse des Motorsports mehr gefunden. "Wir zerstören keine Karrieren - wir schaffen Möglichkeiten. Wenn diese Fahrer so gefragt wären, weshalb haben sie dann keinen Platz in einem anderen Team gefunden", fragt Horner ganz direkt.


Fotos: Red Bull, Großer Preis von Spanien, Sonntag


Seiner Meinung nach hätten diese jungen Piloten ihren Formel-1-Einstieg nur Red Bull zu verdanken: "Wenn sie dann den entscheidenden Schritt nicht machen, können sie nicht sagen, sie hätten keine Chance bekommen." Hierbei bekommt Horner Unterstützung von Experte Brundle: "Red-Bull-Nachwuchspiloten können sich sehr glücklich schätzen: Sie verdienen gutes Geld und sind in tollen Teams zuhause. Und sie bekommen Gelegenheiten, die andere junge Fahrer, die sich durch die Nachwuchsklassen und Serien wie die DTM kämpfen müssen, nicht haben."

"Kwjats Formel-1-Karriere ist erledigt." Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve

Bleibt die Frage, wie es nun mit den aktuellen vier Piloten des österreichischen Getränke-Riesen weitergeht. Verstappen hat einen langfristigen Vertrag bei Red Bull, eine Rückkehr von Kwjat zum A-Team erscheint höchst unwahrscheinlich, soviel ist klar. "Kwjats Formel-1-Karriere ist erledigt", meint etwa Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve. Bei Toro Rosso steht nun Sainz unter besonderer Beobachtung: Nur wenn er Kwjat deutlich schlägt, könnte er auch noch seine Chance beim Topteam bekommen.

Wie geht es mit Sainz und Ricciardo weiter?

"Er macht einen guten Job. Wir haben ein Luxusproblem, da wir vier sehr talentierte Fahrer in unserem Stall haben. Auch Carlos fährt sehr gut", hält ihm Horner den Rücken frei - wohl wissend, dass hintendran schon die nächsten Red-Bull-Junioren mit den Hufen scharren. Beim GP2-Saisonauftakt in Barcelona fuhr Franzose Pierre Gasly zweimal auf das Podium und sicherte sich die Pole-Position.

Daniel Ricciardo

Führt der Weg von Daniel Ricciardo bald doch noch zu Ferrari? Zoom

Und Daniel Ricciardo? Immer wieder wurde von den Red-Bull-Bossen in den vergangenen Wochen betont, dass man einen langfristigen Vertrag mit dem Australier habe. In erster Linie sollte so der Konkurrenz, im Speziellen Ferrari, signalisiert werden, dass man sich gar nicht erst um Ricciardo bemühen müsse. Der 26-Jährige klang in Barcelona aber etwas anders. "Meine vertragliche Situation ist offen", so der Vierte des Spanien-Grands-Prix zur italienischen Tageszeitung 'Corriere della Sera'. "Es hängt alles an Red Bull. Wenn sie in der Formel 1 bleiben, werden sie wohl eine mehrjährige Verlängerung vorschlagen", vermutet er.

Horner schmiert seinem bisherigen Nummer-eins-Piloten jedenfalls gehörig Honig um den Mund, sprach von Ricciardo und Verstappen als die "künftig stärkste Fahrerpaarung". Ob das den Australier überzeugt? "Es wird von unseren Ergebnissen abhängen und ob ein anderes Team zu mir kommt und sagt: 'Wir wollen versuchen, die Weltmeisterschaft mit dir zu gewinnen'", lässt "Ricci" seine Zukunft bewusst offen. Die besten Karten scheint das wiedererstarkte Red-Bull-Team dennoch zu haben: "Wir haben diese Saison schon einen größeren Schritt gemacht, als wir gedacht haben. Wenn das so weitergeht, sind Max und ich hier sicher sehr glücklich", so der WM-Fünfte abschließend.

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