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  • 20.07.2001 · 15:49

  • von Marcus Kollmann

Barrichello: Formel 1 ist unser Ein und Alles

Der Brasilianer über Silverstone, den Unfall seines Teamkollegen, die Liebe zum Rennsport und die Testfahrten in Monza

(Motorsport-Total.com) - Nachdem Michael Schumacher am Dienstag bei den Testfahrten der Scuderia Ferrari in Monza einen schweren Unfall hatte, musste Rubens Barrichello die Testarbeit übernehmen. In einer Testpause sprach der Paulista ausführlich über das Rennen in Silverstone, Ferraris Strategie, Michael Schumachers Unfall und die Liebe zur Formel 1 und dem Rennsport im Allgemeinen.

Ferrari-Pilot Rubens Barrichello in der Box

Rubens Barrichello glaubt, dass der Unfall Schumacher nicht beeinträchtigen wird

Beim Großen Preis von Großbritannien entschied sich Ferrari bekanntlich für eine Ein-Stopp-Strategie, was viele Beobachter überraschte und nur im Fall von Rubens Barrichello auch wirklich aufging. "Nachdem ich wusste, welche Strategie Michael gewählt hatte, war für mich klar, dass auch ich mit dieser Taktik fahren müsste, denn das war die einzige logische Konsequenz", sagt der 29-Jährige, der im Gegensatz zu seinem von der Pole Position gestarteten Teamkollegen als Sechster in das 60 Runden lange Rennen gegangen war.

"In Silverstone hätte es eine Ewigkeit gedauert fünf Autos zu überholen, hinzukommt, dass ich selbst überzeugt war, dass ich das nicht geschafft hätte, denn in Silverstone ist ein Überholmanöver nur schwer möglich. Insofern war die Ein-Stopp-Strategie der einzige Ausweg", so der Brasilianer rückblickend auf das Rennen in Großbritannien.

Nachdem der Paulista vom schweren Unfall seines Teamkollegen in Monza erfahren hatte, versuchte er den Deutschen per Telefon zu erreichen, jedoch gelang ihm dies nicht: "Nachdem ich von Michaels Unfall gehört hatte, habe ich versucht ihn anzurufen. Leider bin ich aber nicht durchgekommen. Er muss gerade im Flugzeug gesessen habe, schätze ich."

Das einen Formel-1-Piloten ständig umgebende Risiko ist Teil des Jobs, weshalb Barrichello auch selbst keinen Grund zur Beunruhigung durch den schweren Crash Schumachers sieht. Der Grund dafür ist ganz einfach, denn jeder in der Königsklasse fahrende Pilot teilt die Liebe zum Rennsport an sich und zur Formel 1, mag es auch hin und wieder noch so schwere Unfälle geben. "Wichtig ist, dass man den Grund für den Unfall herausfindet, sodass man die Ursache kennt und gegebenenfalls die Fehlerquelle ausschalten kann. Wir sind hier um Rennen zu fahren, denn wir lieben unseren Beruf", versucht Barrichello Außenstehenden zu erklären, weshalb Leute wie er solche Unfälle anscheinend auch problemlos wegstecken können und sich keine weiteren Sorgen machen.

Der Brasilianer, der eigentlich erst am Freitag zum Testeinsatz hatte kommen sollen und zum Zeitpunkt von Schumachers Unfall Golf spielte, sieht aber auch einen Vorteil für sich durch den Unfall seines Teamkollegen, so makaber das vielleicht auch klingen mag: "Der Unfall wird Michael ganz sicher nicht beeinflussen, er wird in Hockenheim dabei sein. Für mich bedeutete es jedoch eine Änderung meines Wochenprogramms, denn ich sollte normalerweise erst am Freitag ein paar Runden fahren - so kam ich bereits am Mittwoch zum Einsatz. Ich nehme an, dass es für mich gut ist, mehr als ursprünglich geplant war testen zu können, besonders weil wir bisher nicht viel auf wenig Haftung bietenden Hochgeschwindigkeitsstrecken getestet haben."

In der Tat sind die vom 17. bis 20. Juli dauernden Testfahrten im Autodromo di Monza, wo am 16. September der Große Preis von Italien gefahren wird, der erste Test Ferraris auf dieser Strecke in diesem Jahr. Für Barrichello sind die hohen Geschwindigkeiten, welche auf den langen Geraden und durch die so flach wie möglich gestellten Flügel erzielt werden, kein Problem: "Man gewöhnt sich sehr schnell daran, auch an die 360km/h, welche man in Hockenheim auf der langen Gerade erreicht", erklärt der 29-Jährige cool. "In den ersten Runden ist es noch etwas Besonderes, jedoch hat man sich nach ein paar Umrundungen der Strecke daran gewöhnt", so "Rhubino" weiter. Obwohl die Formel-1-Boliden für die Rennen in Hockenheim und Monza mit speziellen Flügeln und bei vielen Teams auch einem eigens auf die Hochgeschwindigkeitskurse hin zugeschneiderten Aerodynamikpaket vorbereitet werden, bedeuten gerade diese Grand Prix für die Fahrer keine große Herausforderung, denn es gibt kaum schwierige Kurven oder Ähnliches, verrät Barrichello zum Schluss des Interviews, bevor er sich wieder in seinen F2001 setzt, um die Testfahrten fortzusetzen.