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Die GP2 tippt: Palmer, Palmer, Palmer, aber...

Für Daniel Abt, Rene Binder & Co. ist Jolyon Palmer weiter der große Favorit auf den Titel in der GP2, doch alle wissen noch zu gut, wie schnell sich alles ändern kann...

(Motorsport-Total.com) - An diesem Wochenende feiert die GP2-Serie in Hockenheim die Halbzeit der Rennsaison. Während es im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft am Sonntag noch 0:0 zwischen Deutschland und Argentinien stand, geht Jolyon Palmer mit einem beruhigenden Vorsprung von 38 Punkten auf Felipe Nasr in das Wochenende. Der DAMS-Pilot erlebte noch kein schlechtes Event und gilt als der große Titelfavorit.

Jolyon Palmer

Jolyon Palmer konnte bislang in dieser Saison schon sechsmal vom Podest jubeln Zoom

"Im Moment fährt er schon in seiner eigenen Liga", muss GP2-Kollege Daniel Abt gegenüber 'Motorsport-Total.com' feststellen. "Im Moment scheint Palmer und DAMS ein sehr starkes Paket zu sein. Die machen ihren Job gut und hatten bislang auch das Glück, einfach nie in irgendeinen Mist verwickelt zu sein." Während der Deutsche in dieser Saison das Pech an den Fersen zu kleben haben scheint, fuhr Palmer bislang in allen Rennen in die Punkte.

"Im Moment ist für mich fahrerisch ganz klar Palmer der Stärkste. Er ist sehr, sehr schnell und sehr konstant", lobt auch Fabio Leimer den Piloten, der sich zum Nachfolger des Schweizer GP2-Champions aufschwingen will. Und auch der Österreicher Rene Binder ist keiner anderen Meinung: "Man sieht ja, er hat einfach die Sicherheit und das Selbstvertrauen. Es scheint, als ob ihm alles locker von der Hand geht."


Fotostrecke: Alle Meister der Formel 2/GP2 seit 2005

Die Bilanz des Sohnes von Ex-Formel-1-Pilot Jonathan Palmer liest sich auf jeden Fall beeindruckend. Zwei Siege, sechs Podestplätze, vier Schnellste Rennrunden und zwei Pole-Positions konnte der Brite an den fünf bisherigen Rennwochenenden einsacken. Dabei war Palmer bislang eigentlich nicht sonderlich in Erscheinung getreten. Im Vorjahr wurde er zwar mit zwei Laufsiegen Siebter in der Gesamtwertung, doch davor zählte er mit den Rängen 28 und elf nicht unbedingt zu den auffälligsten Fahrern im Feld.

Ist Erfahrung einfach alles?

Ähnlich erging es auch seinen Vorgängern: Fabio Leimer und Davide Valsecchi gewannen den Titel erst, als sie zu den erfahrensten Piloten im Feld zählten - und fanden prompt keinen Platz in der Formel 1. Es wird diskutiert: Ist in der GP2 Erfahrung alles? Zumindest viel, wenn man die Kollegen hört: "Er ist genauso eingestiegen in die GP2 und war auf dem gleichen Niveau wie ich im letzten Jahr", meint Rene Binder. "Vor zwei Jahren war er ebenfalls nicht vorne dabei, und ich glaube, jetzt macht es wirklich die Erfahrung aus."

Fabio Leimer, Jolyon Palmer, Davide Valsecchi

Leimer - Valsecchi - Palmer? Wird der Brite der dritte "Senior-Meister" in Folge? Zoom

"Das ist ja ein Phänomen, das man in den letzten Jahren immer sieht", stimmt Daniel Abt zu. "Die Leute, die im dritten oder vierten Jahr fahren, sind einfach so abgebrüht und haben die Erfahrung, um ganz vorne mitzufahren. Jetzt hat er natürlich mit DAMS auch ein Team, die speziell im Qualifying noch etwas haben, das der Rest des Feldes scheinbar nicht hat." Mit diesem Punkt hat der Deutsche nicht ganz Unrecht. Bislang gelang es Palmer in jedem Qualifying, in die erste Startreihe zu fahren, und sich so den Grundstein für die späteren Rennerfolge zu legen.

"Wir scheinen das Setup vor dem Qualifying gut hinzubekommen und liegen damit meist in der richtigen Richtung", sieht auch Palmer im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' selbst den Freitag als großes Plus an. "Wir können im Moment einfach saubere Runden hinlegen, dadurch konnten wir in allen Qualifyings bislang in der ersten Startreihe stehen und zwei Poles holen. Das ist schon bislang unsere Stärke gewesen."

Das Coletti-Schicksal gibt zu denken

Angesichts der Bilanz fürchten viele, dass Palmer den Titel schon fast sicher in der Tasche hat. Sollte er seine Form konservieren können, scheint es kaum jemanden zu geben, der den DAMS-Piloten ernsthaft gefährden kann. Doch allein der Blick in das vergangene Jahr sollte zeigen, dass sich Palmer noch nicht zu sicher sein kann: "2013 hat man nach ein paar Rennen auch gedacht, der Coletti macht's. Und am Ende hat er es doch nicht gemacht", erinnert sich Leimer. Der Schweizer hatte zum gleichen Zeitpunkt bereits 54 Punkte Rückstand auf Stefano Coletti, am Ende lag er 66 Zähler vor dem Monegassen.

Stefano Coletti

Warnendes Beispiel: Stefano Coletti glitt die sichere Meisterschaft noch aus der Hand Zoom

Der damalige Rapax-Pilot hatte ebenfalls einen sensationellen Lauf und fuhr in den ersten acht Rennen zu drei Siegen und sechs Podestplätzen, bevor er am Saisonende elfmal (!) in Folge punktelos blieb und noch auf Rang fünf abrutschte. "Da hat sich dann mitten in der Saison das Blatt total gewendet", blickt Binder zurück. "Er hat dann ab Mitte der Saison überhaupt keine Punkte mehr eingefahren für die letzten vier oder fünf Rennwochenenden. Es ist in der GP2 alles so eng beieinander, und wenn da irgendwas nicht passt, dann ist man schnell Zehnter statt der Sieger. Gelaufen ist da noch gar nichts!", sagt der Österreicher.

Und hat Palmer eigentlich selbst Angst vor dem Coletti-Schickal? "Nein", lacht er. "Das war schon ziemlich seltsam mit Coletti im vergangenen Jahr. Das ist in der Vergangenheit ja auch noch niemandem passiert. Ich denke, dass ich mehr Zuversicht habe", gibt sich der 23-Jährige optimistisch. Und auch wenn das Jahr 2013 ein warnendes Beispiel ist, so ist und bleibt Palmer für viele der Favorit. "DAMS ist immer noch ein sehr schnelles, wenn nicht das schnellste Auto, und er hat sehr viel Erfahrung", analysiert Leimer. "Das setzt er um, daher würde ich auf ihn setzen."