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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Auch Nico Rosberg, Christian Horner & Co. machen gerade eine schwere Zeit durch, aber am schlechtesten geschlafen hat unserer Meinung nach Kimi Räikkönen

Kimi Räikkönen, Fernando Alonso, Felipe Massa

Kimi Räikkönen probierte alles, fiel aber noch hinter Fernando Alonso zurück Zoom

Liebe Leser,

wie jeden Montag nach einem Grand Prix ist es an der Zeit, zu analysieren, wer letzte Nacht vermutlich am schlechtesten geschlafen hat. Und auch wenn ich damit wieder vielen Lesern auf den Schlips treten werde: Ich glaube, das war Kimi Räikkönen. Schon wieder. Den "Iceman" hatten wir bereits nach Melbourne für diese zweifelhafte Ehre auserkoren - dabei war er in Barcelona drauf und dran, seine "Schlafstörungen" vorerst aus der Welt zu schaffen.

Denn seine Trainingsleistungen waren solide, im Qualifying war er sogar schneller als Teamkollege Fernando Alonso. Der hatte in Barcelona zuvor noch nie ein Stallduell verloren. Vielleicht hatte Räikkönen etwas mehr Glück mit den neuen Teilen, die Ferrari ungleich auf die beiden Autos verteilte, aber das ist nur Spekulation. Sicher ist: Über das gesamte Wochenende gesehen war er im teaminternen Vergleich noch nie so konkurrenzfähig wie beim Grand Prix von Spanien.

Besseres Gefühl, trotzdem hinter Alonso

"Ich habe ein besseres Gefühl im Auto", bestätigt Räikkönen diesen Eindruck, auch wenn er natürlich nicht damit zufrieden ist, um sechste Plätze zu kämpfen. Letztendlich wurde es sogar nur der siebte - und das ist das, was ihn wahrscheinlich am meisten wurmt. Denn anstatt teamintern einen psychologisch wichtigen Erfolg zu feiern und Alonso ausgerechnet bei dessen Heimrennen zu schlagen, zog er am Ende wieder den Kürzeren.

Kimi Räikkönen, Marco Mattiacci, Fernando Alonso

Kimi Räikkönen, der neue Ferrari-Teamchef Marco Mattiacci und Fernando Alonso Zoom

Dabei sah es zunächst sehr gut aus, dass es diesmal klappen könnte. Räikkönen behauptete sich am Start vor dem Lokalmatador - und auch wenn der gefühlt etwas schneller wirkte, fand er keinen Weg vorbei. Als der "Iceman" in der 24. Runde schneller an Romain Grosjean vorbeikam als Alonso, wuchs der Abstand erstmals auf relativ komfortable zweieinhalb Sekunden an. Aber dann splittete Ferrari plötzlich die Boxenstrategien.

Alonso wurde in der 35. und 53. Runde reingeholt, während man es bei Räikkönen bei einem Stopp in der 43. Runde beließ. Zunächst bescherte ihm das einen Vorsprung von 19,3 Sekunden, aber nach Alonsos drittem Stopp waren es schon nur noch deren fünf - und der Spanier hatte nicht nur weichere Reifen drauf, sondern auch (um acht Runden) frischere. Von da an war das Überholmanöver nur noch eine Frage der Zeit.

Stinkige Laune unmittelbar nach dem Rennen

Dass Räikkönen damit keine Freude hatte, konnte man schon an seiner Gegenwehr auf der Strecke erahnen. Später war dann alles klar, als er bei den TV-Interviews die britischen Kollegen einfach stehen ließ. "Ich weiß nicht", antwortete er auf die erste Frage, ob er sich die Strategie selbst ausgesucht habe - und haute wortlos ab, als ihm weitere Fragen gestellt wurden. Die Ferrari-Verantwortlichen soll er danach zur Rede gestellt haben.


Fotostrecke: GP Spanien, Highlights 2014

Der 34-Jährige, immerhin Ferraris bisher letzter Weltmeister, sieht seine Felle langsam davonschwimmen. 17:49 steht es im WM-Duell mit Alonso, 2:3 nach gewonnenen Qualifyings. Und dass er nun auch noch das Gefühl hat (ob berechtigt oder nicht, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle), dass Alonso bevorzugt behandelt wird, trägt sicher nicht zu einem ruhigen Schlaf bei. Bis zu seiner Paradestrecke in Spa-Francorchamps zu warten, um Alonso in die Schranken zu weisen, kann er sich jedenfalls nicht leisten.

Wer wäre sonst in Frage gekommen?

"Wir sind immer noch Sechster und Siebter. Das ist enttäuschend für Ferrari." Kimi Räikkönen

Aber, zugegeben, es gibt auch andere Kandidaten, die in der Nacht auf heute womöglich schlecht geschlafen haben. Nico Rosberg zum Beispiel, der nach der vierten Niederlage hintereinander gegen Lewis Hamilton Gefahr läuft, bei Mercedes in die Rolle des zweiten Fahrers gedrängt zu werden. Dass ihm das stinkt, konnte man gestern bei der Siegerehrung sehen - als Lewis Hamilton von Daimler-Oberboss Dieter Zetsche geherzt wurde, während Rosberg einsam seinen Ärger verdaute.

Oder Adrian Sutil, der trotz des leichter gewordenen Sauber-Boliden immer noch nicht in Top-10-Nähe kommt und in Barcelona ein katastrophales Wochenende erlebte. Um festzustellen, dass es um seine Stimmungslage nicht allzu gut bestellt ist, musste man nur dem angespannten Boxenfunk lauschen. Und Pastor Maldonado (auch schon: "Crashdonado") kommt bei uns am Montagmorgen sowieso meistens in die engere Wahl.

Aber auch Christian Horner sollte sich die Schlaftabletten für die nächsten Rennwochenenden schon mal präventiv ans Nachtkästchen stellen. Sebastian Vettel wird ihm keine Ruhe lassen, solange der RB10 kein Siegerauto ist, und auch die Geduld von "Oberbulle" Dietrich Mateschitz' ist enden wollend. "Christian, wir haben schon bessere Zeiten erlebt", soll der Milliardär in Barcelona gesagt haben, als er seinen Teamchef begrüßt hat...

Ihr

Christian Nimmervoll

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