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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Ferrari erlebt in Bahrain Pleiten, Pech und Pannen - Der große Boss bekommt alles live vor Ort mit: Luca di Montezemolo hat auf dem Heimweg viele Sorgen im Gepäck

Luca di Montezemolo

Die Augen spiegeln die großen Sorgen von Luca di Montezemolo eindeutig wider Zoom

Liebe Formel-1-Fans,

es ist wieder Montag nach dem Grand Prix - für uns die Zeit, zu beleuchten, wer in der Nacht nach dem Rennen wohl am schlechtesten geschlafen hat, weil er ein Wochenende zum Vergessen hinter sich hat. In Melbourne hieß unser "Man of the Race" im negativen Sinne Kimi Räikkönen, in Malaysia war Claire Williams das Sorgenkind, das mit seltsamer Stallorder für Kopfschütteln sorgte. Wer erlebte in Bahrain das größte Trauerspiel? Meiner Meinung nach eindeutig Ferrari-Boss Luca di Montezemolo.

Was war das für ein großartiges Racing am Sonntag in Manama. An der Spitze duellieren sich Hamilton und Rosberg mit allen erlaubten Mitteln, dahinter geben es sich die Piloten von Force India, Williams und Red Bull so richtig. Unter Flutlicht standen immer wieder andere im Rampenlicht, um der großen Show noch ein wenig mehr Würze zu verleihen. Es wäre die perfekte Bühne für einen großen Auftritt der stolzen Scuderia gewesen. Aber was passierte? Kimi Räikkönen und Fernando Alonso waren wie in GZSZ-Komparsenrollen gefangen.

Die Ferraris standen nur dann im Fokus, wenn sie überholt wurden - und das war verdammt häufig. Die ehemals als "Rote Göttinnen" bezeichneten Formel-1-Autos aus Maranello versinken sportlich im Bodenlosen. Der Boss hatte schon zur Mitte des Rennens genug. Mit versteinertem Gesichtsausdruck verabschiedete sich Luca di Montezemolo aus dem Paddock von Bahrain und machte sich auf den Heimweg. Im Gepäck: Sorgen, Sorgen, Sorgen.

Montezemolo mag nicht mehr zuschauen

"Was soll ich hier schon noch sehen", lautete der Kommentar beim Abschied des stolzen Italieners. "Die Ferraris in solcher Form zu sehen ist schmerzhaft. Ich hatte von diesem Rennen nicht allzu viel erwartet, etwas mehr als das aber dann doch." Montezemolo ist bekannt für seine Wutreden zu Wochenbeginn in Maranello. Er wird sich seine Worte auf dem Flug nach Mailand sicherlich schon zurechtgelegt haben. Vor allem die Motorenleute seien jetzt gefragt, meinte die saure Piemont-Kirsche mit hochrotem Kopf.

Luca di Montezemolo

Hatte schon vor dem Rennende in Bahrain mehr als genug gesehen: Montezemolo Zoom

In Montezemolo hatte sich über die drei Tage des Grand-Prix-Wochenendes in Manama einiges angestaut. Am Freitag musste er mit ansehen, wie seine Formel-1-Mannschaft mal wieder zur Comedytruppe taugte. Dem peniblen Superstar Fernando Alonso wollte man die linke Vorderhufe seines Cavallino Rampante tunen, indem man ihm kurzerhand dort eine andere Reifenmischung installierte - was per Reglement verboten ist. Also Kommando zurück, Alonso wieder in die Box und neue Pneus drauf. Peinlich.

Am Samstag musste der 66-jährige Luca Cordero di Montezemolo mit ansehen, wie der F14 T seines Topstars im Qualifying von Abschnitt zu Abschnitt statt schneller immer nur langsamer wurde. Das Springende Pferd der Italiener taugt im Moment nicht als Galopper, es ist (noch) kein richtiges Turnierpferd. Derzeit hat man eher den Eindruck, dass das Cavallino Rampante vor jedem sportlichen Ochser verweigert - das Hindernis springt eher über das Pferd als umgekehrt.

Alonso bändigen und Team antreiben

Schon am Samstagabend hatte der Ferrari-Boss einen dicken Hals. Am Sonntag vor dem Rennen bat er um ein Vier-Augen-Gespräch mit Alonso. Warum? Der Italiener hatte wohl Angst, dass der stolze Spanier aufgrund der sportlichen Misere mal wieder die große Verbalkeule herausholt und auf die "großartigen Techniker in Maranello" (O-Ton Alonso) einschlägt. Diese Aggression hätte Montezemolo gerade noch gefehlt. Der Asturier zeigte sich sogar nach dem Rennen milde, auch wenn ihm seine kuscheligen Aussagen fast niemand abnahm.

Perez fliegt vorbei, Hülkenberg überholt, Massa winkt im Vorbeifahren und Bottas macht kurzen Prozess mit den roten Autos. Diese schmerzhaften Szenen aus dem Grand Prix von Bahrain werden Luca di Montezemolo noch lange im Kopf herumspuken. Hinzu kommt die Niederlage auf politischer Ebene. Während sich die Formel-1-Fans weltweit über die gigantische Rennshow in Manama freuten, versetzte ebendies dem Ferrari-Boss einen weiteren Stich.


Fotos: Ferrari, Großer Preis von Bahrain


Die zuvor laute Kritik an der "neuen Formel 1" war für den Italiener ein gefundenes Fressen gewesen, um seine Vorstellungen von der Königsklasse gemeinsam mit Bernie Ecclestone endlich durchsetzen zu können. Montezemolo war schon immer ein Gegner der neuen Regeln, ein 1,6-Liter-V6-Turbo für den mächtigen Manager eher ein Rasenmäher-Motor und eine qualitativ hochwertige Show ohne finanzielle Zwangsjacken der goldene Weg aus Sicht des Ferrari-Chefs.

Über 80 Prozent der Fans seien mit der Formel 1 unzufrieden, hatte Montezemolo pünktlich vor dem politischen Gipfeltreffen in Bahrain verkünden lassen. Was man dabei nicht ganz so offensiv artikulierte: Es war eine Umfrage unter Ferrari-Anhängern, die natürlich aufgrund der sportlichen Misere derzeit nicht viel Tolles an der Königsklasse finden können. Die Umfrageergebnisse sollten jedoch als Hilfsmittel dienen, um eigene Interessen durchsetzen zu können.

Auch politisch war Bahrain eine Niederlage

Das plötzlich schlechte Image der Formel 1 war für Montezemolo gut. Endlich hatte er einen Ansatzpunkt, um seinen Traum von der Wiedereinführung von Kundenautos in der Szene durchsetzen zu können. Pech gehabt. Die große Show im Grand Prix am Sonntag hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für Montezemolo kam das Spektakel in Manama zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Jetzt zeigen alle mit dem Finger auf die schwachen Ferraris und nicht auf eine angeblich kränkelnde Formel 1.

'Motorsport-Total.com'-Redakteur Roman Wittemeier wartet auf den Ferrari-Sprung Zoom

Montezemolo wird bei seinen Dienstboten wohl ein paar Flaschen Haarfärbemittel mehr bestellen müssen, um die grauen Strähnen nun zu übertünchen. Sein Privatprojekt mit dem Italo-Schnellzug ist bislang so erfolgreich wie Eintracht Braunschweig in der Bundesliga, seine Ambitionen in der großen italienischen Politik hat er aufgeben müssen, den Chefposten bei Alitalia hat er auch nicht bekommen - wahrlich schwere Zeiten für den "Automobil-Manager des Jahres 2012".

Luca di Montezemolo wird es angesichts der anhaltenden Ferrari-Krise vermutlich nicht mehr lange nur bei markigen Worten der Aufmunterung und Motivation belassen. Er wird personelle Konsequenzen in Betracht ziehen. Die Technikabteilung in Maranello wurde in den vergangenen Monaten bereits neu aufgestellt, in Kimi Räikkönen hat man sich einen Topfahrer hinzugeholt. Wer ist dann das schwächste Glied? Teamchef Stefano Domenicali, vom dem am Bahrain-Wochenende fast gar nichts zu hören war...

Die Formel 1 als Gesamtprodukt braucht ein starkes Team Ferrari. Also drücken wir mal die Daumen, dass Alonso und Räikkönen schon bald wieder auf Augenhöhe mit Force India kämpfen können.

Viele Grüße und viel Spaß bei den kommenden Rennen,

Roman Wittemeier

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