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Vorschau auf den Australien-Grand-Prix

Die Vorschau auf das Auftaktrennen der 54. Formel-1-Saison am Wochenende im australischen Melbourne

(Motorsport-Total.com) - Endlich hat das Warten auf die Formel 1 ein Ende: Nach rund vier Monaten Winterpause, in denen kein Grand Prix stattfand, beginnt am Sonntag, dem 9. März 2002 die insgesamt 54. Formel-1-Saison. Wie immer hat sich in der Winterpause einiges im Grand-Prix-Zirkus getan ? Fahrer haben ihre Teams gewechselt, die Mannschaften haben neue Chassis' gebaut, die dann bei den Testfahrten doch nicht den erhofften Fortschritt brachten oder sogar die Erwartungen übertroffen haben. Darüber hinaus haben die Motorenhersteller ihre Aggregate noch weiter verbessert, um den Fahrern noch leistungsstärkere und fahrbarere Motoren zur Verfügung stellen zu können. Zudem ist mit dem Arrows-Team in diesem Jahr ein Rennstall nicht mehr dabei, die 2002 noch mit am Start stand.

Boxengasse in Melbourne

Blick in die Boxengasse beim vorjährigen Australien-Grand-Prix

Nachdem die Fahrer seit Ende des Testverbots Anfang Januar Tausende Testkilometer auf den Strecken in Europa zurückgelegt haben, treffen dieser Tage alle Fahrer und Teams nach und nach in Melbourne ein, um sich auf den Saisonbeginn vorzubereiten und die Boxen aufzubauen. Am Freitag beginnt dann ? für Mitteleuropa nachts ? das erste Freie Training der Saison 2003 und davor die neuen Zusatztests im Albert Park. Die 5,302 Kilometer lange Strecke ist bestimmt von Vollgaspassagen, auf die meist schikanenartige Kurven folgen, wobei die Kurveneingänge überwiegend langsamer als die Kurvenausgänge durchfahren werden können.

Melbourne stellt hohe Ansprüche an die Bremsen

Dadurch müssen die Fahrer ihre Autos zunächst deutlich herabbremsen, wodurch die Bremsen vor den Kurven hart beansprucht werden. "Die Anzahl der Stellen, an denen aus hoher Geschwindigkeit verzögert werden muss, stellt hohe Ansprüche an die Bremsen ? diesbezüglich ist die Strecke vielleicht nicht die härteste im Kalender, aber man darf das nicht unterschätzen", weiß Sam Michael, Chefingenieur des BMW-Williams-Teams. Darüber hinaus wird in Melbourne eine gute Traktion gefordert, um aus einigen langsamen Kurven gut beschleunigen zu können.

Da die Rennstrecke um den Albert See nur einmal im Jahr als solche benutzt wird und im übrigen Jahr der normale Straßenverkehr auf ihr rollt, ist die Strecke vor allem am ersten Trainingstag sehr schmutzig. Trotzdem freuen sich Protagonisten und Fans gleichermaßen auf das Wochenende, ist Melbourne doch nicht nur für sein pulsierendes Nachtleben bekannt, sondern auch für einzigartige Atmosphäre an der Strecke.

Formel 1 seit 1996 in Melbourne, davor in Adelaide

Zwar gilt Überholen in der heutigen Formel 1 nicht gerade als einfach, es ist auf dem Albert Park Circuit aber durchaus möglich. Die erste Gelegenheit bietet sich schon am Ende der Start- und Zielgeraden. Wenn ein Fahrer hier in einer der 58 Rennrunden (307,516 km) dicht hinter seinem Vordermann liegt, kann er aus dem Windschatten herausgehen und ihn vor der ersten Kurve ausbremsen. Gleiches ist vor Kurve drei möglich. Außerdem kann man in der vorletzten Kurve der Strecke überholen, wenn der Vordermann nicht aufpasst und eine Lücke offen lässt.

Seit 1996 beginnt die Formel-1-Saison in Melbourne, doch einen Australien-Grand-Prix gab es schon 1985 erstmals im Formel-1-Kalender. Damals fand das Saisonfinale in Adelaide statt. Aufgrund von zahlreichen technischen Defekten und einigen Unfällen erreichten nur acht der 25 Starter 1985 in Adelaide das Ziel. Sieger wurde Keke Rosberg im Williams-Honda.

Auch in den folgenden Jahren fand in Adelaide stets das Saisonfinale statt: 1987 wurde der Australien-Grand-Prix von Gerhard Berger dominiert. Im Qualifikationstraining sicherte sich der damalige Ferrari-Fahrer mit eindrucksvollen sieben Zehntelsekunden Vorsprung die Pole-Position. Im Rennen fuhr er dann nicht nur die schnellste Rennrunde, sondern gewann auch den Grand Prix vor seinem Teamkollegen Michele Alboreto, der als einziger der neun klassifizierten Fahrer noch mit dem Sieger in einer Runde war.

In Adelaide fand 1991 der kürzeste Grand Prix aller Zeiten statt

Vorzeitig beendet wurde der Australien-Grand-Prix 1989 in Adelaide. Damals regnete es am Renntag so stark, dass nach 70 Runden das Zweistundenlimit erreicht wurde und Thierry Boutson im Williams-Renault als Sieger abgewunken wurde. Die schnellste Rennrunde hatte unterdessen der Japaner Satoru Nakajima gefahren. Der Lotus-Judd-Fahrer fuhr damit seine erste und einzige schnellste Runde in seiner 49 Rennen langen Formel-1-Karriere.

Noch mehr als 1989 regnete es 1991, als das Rennen in Adelaide bei sintflutartigen Regenfällen schon nach 14 Runden bzw. 52,92 Kilometern abgebrochen werden musste. Es war der bis heute kürzeste Formel-1-Grand-Prix der Geschichte. Ayrton Senna erhielt für den Sieg die halbe Punktzahl. Rang zwei ging an Nigel Mansell vor Gerhard Berger.

Zwei Jahre bevor er in Adelaide seine erste Weltmeisterschaft gewinnen sollte, nahm 1992 Michael Schumacher erstmals an dem Formel-1-Rennen in "down under" teil. Zwar konnte der Rheinländer schon 1992 die schnellste Rennrunde fahren, musste sich im Rennen aber mit 0,741 Sekunden Rückstand McLaren-Honda-Fahrer Gerhard Berger geschlagen geben.

1994 gewann "Schumi" seine erste WM in Adelaide

Im Jahr darauf ging der Sieg in Melbourne an Ayrton Senna. Der Brasilianer konnte sich gegen die Williams-Renault-Fahrer Alain Prost und Damon Hill durchsetzen, den in der Weltmeisterschaft aber vorne liegenden Alain Prost damit nicht mehr einholen.

1994 sollte der Australien-Grand-Prix das Rennen des Michael Schumachers werden, auch wenn er es nicht bis ins Ziel schaffte. Zunächst überstand der Kerpener schon im Training einen schweren Unfall. Im Rennen lag er in Führung, ehe er in der 35. von 81 Runden offenbar durch einen Konzentrationsfehler mit seinem Benetton-Ford an eine Mauer stieß, zunächst jedoch den Weg auf die Strecke zurück fand. Dort wurde er in der nächsten Kurve von Damon Hill angegriffen, doch der heutige fünffache Weltmeister schlug dem Briten "die Tür zu" ?Schumacher schied aus, Hill musste an der Box aufgeben. So holte "Schumi" mit einem Punkt Vorsprung seinen ersten WM-Titel ? und Deutschland war entgültig im "Schumacher-Fieber". Der Sieg ging unterdessen an Nigel Mansell.

Schwerer Häkkinen-Unfall überschattet letztes Rennen in Adelaide

Ein Jahr später stellte der Australien-Grand-Prix in Adelaide zum letzten Mal das Saisonfinale dar und wurde von einem schweren Unfall überschattet. Mika Häkkinen hatte im Training offenbar durch einen Reifenschaden die Kontrolle über seinen McLaren-Mercedes verloren und zog sich bei dem schweren Einschlag in die Reifenstapel einen Schädelbasisbruch zu. Während das Rennen wie gewohnt ausgetragen wurde und der Sieg an Damon Hill (2. Olivier Panis, 3. Gianni Morbidelli) ging, lag Mika Häkkinen im Koma.

Kaum ein halbes Jahr später begann die 1996er-Saison mit dem Grand Prix von Australien in Melbourne. Dank fantastischer medizinischer Leistungen und hartem Training stand auch Mika Häkkinen wieder am Start und holte mit Platz fünf zwei WM-Punkte. Während Michael Schumacher in seinem ersten Rennen für Ferrari mit einem Bremsproblem ausschied, gewann Damon Hill das Rennen. Zuvor war Formel-1-Debütant Jacques Villeneuve von der Pole-Position gestartet und hatte das Rennen dominiert, ehe er wegen Ölverlust seinem Teamkollegen Damon Hill den Vortritt lassen musste.

Ein Jahr später stand mit Heinz-Harald Frentzen ? in seinem ersten Rennen für das Williams-Renault-Team ? ein deutscher in Startreihe eins, der nach dem Start in Führung ging und das Rennen dominierte, ehe ihn ein verpatzter Boxenstopp auf Platz drei zurückwarf. Schließlich schied der Mönchengladbacher drei Runden vor Schluss auf Platz zwei liegend aus, als ihm die Bremsscheiben platzten. Der Sieg ging so an "Silberpfeil"-Fahrer David Coulthard vor Michael Schumacher und Mika Häkkinen. Ralf Schumacher schied unterdessen in seinem Debütrennen vorzeitig aus.

McLaren-Mercedes dominierte 1998

1998 sorgten die McLaren-Mercedes-Fahrer Mika Häkkinen und David Coulthard für einen Doppelsieg beim Saisonauftakt in Melbourne, wobei sie das gesamte Feld einmal umrundeten. Schon der drittplatzierte Heinz-Harald Frentzen hatte eine Runde Rückstand zu den "Silberpfeil"-Fahrern. Gestritten wurde damals um eine Bevorzugung Mika Häkkinens. Der Finne hatte versehendlich die Box angesteuert und büßte so die Führung gegen seinen Teamkollegen ein, wurde später von "DC" aber wieder vorbeigelassen und gewann das Rennen.

Im folgenden Jahr schockierten die McLaren-Mercedes-Fahrer die Konkurrenz schon im Qualifikationstraining, als sich Mika Häkkinen und David Coulthard die erste Startreihe sicherten. Michael Schumacher qualifizierte sich für Platz drei, hatte jedoch ganze 1,3 Sekunden Rückstand. Ins Rennen musste der Ferrari-Fahrer gar vom letzten Platz aus starten, weil er beim Start in die zweite Einführungsrunde nicht gleich wegkam und angeschoben werden musste. Während sich Eddie Irvine vor Heinz-Harald Frentzen und Ralf Schumacher den Sieg sicherte, kam Michael Schumacher noch als Achter und damit Letzter ins Ziel, nachdem er auch noch einen Reifenschaden zu beklagen hatte.

Vor drei Jahren gab es in Melbourne einen Ferrari-Doppelsieg, nachdem die McLaren-Mercedes-Fahrer erneut von den ersten beiden Startplätzen das Rennen aufgenommen hatten, aber wie im Jahr davor beide durch technische Probleme im Rennen ausfielen. So gewann Michael Schumacher vor Rubens Barrichello. Erfreulich aus deutscher Sicht auch der dritte Platz für Ralf Schumacher im ersten Rennen von Williams-Motorenpartner BMW nach dem Wiedereinstieg in die Formel 1.

Ferrari auch 2003 klar zu favorisieren

Auch 2001 ging der Sieg beim Auftaktrennen an Michael Schumacher. Diesmal holte der Ferrari-Fahrer im Qualifikationstraining auch die Pole-Position und fuhr die schnellste Rennrunde. Überschattet wurde das Rennen jedoch von einem schweren Unfall in der vierten Runde: Jacques Villeneuve war auf den BMW-Williams von Ralf Schumacher aufgefahren. Bei dem Unfall hatte sich ein Rad des BAR-Hondas gelöst und flog durch ein Loch im Zaun, wo es den Streckenposten Graham Beveridge tödlich traf. Für dieses Jahr wurden die Löcher im Zaun wie berichtet entschärft.

2002 schließlich begann die neue Grand-Prix-Saison noch vor der ersten Kurve mit einem Paukenschlag: Ralf Schumacher attackierte den führenden Barrichello am Start, der wechselte aber die Spur und provozierte damit unabsichtlich einen Auffahrunfall. "Schumi II" hob wie mit einem Starfighter ab, flog über den Ferrari hinweg und schlitterte ins Kiesbett. Weil sich auch dahinter mehrere Autos eliminierten, war das Ergebnis kurios: Michael Schumacher gewann nach spannendem Kampf gegen Juan-Pablo Montoya, aber Lokalmatador Mark Webber bescherte dem Minardi-Team völlig unerwartete zwei WM-Zähler. Sechster wurde Mika Salo bei der Formel-1-Premiere von Toyota.

Dieses Jahr rechnen die Experten damit, dass Titelverteidiger Michael Schumacher seine Serie, im neuen Millennium in Melbourne noch ungeschlagen zu sein, fortsetzen wird. Der Ferrari-Star kristallisierte sich bei den Wintertests erneut als schnellster Mann heraus und verfügt mit dem Weltmeister-Wagen F2002 über ein bewährtes und zuverlässiges Paket, welches den Produkten der Konkurrenz noch immer locker das Wasser reichen sollte. Weniger glanzvoll schnitt in den letzten Monaten BMW-Williams ab ? die anglo-deutsche Truppe wird ja als einziges Top-Team schon das neue Auto einsetzen, welches aber bisher nicht überzeugen konnte. McLaren-Mercedes darf sich im stark verbesserten MP4-17 Außenseiterchancen ausrechnen.

Zusätzliche Spannung durch Reglements-Reformen

Für zusätzliche Spannung könnte am kommenden Wochenende das neue Reglement sorgen, welches nach teilweise recht heftigen Diskussionen im Albert Park seiner ersten Bewährungsprobe unterzogen wird. Besonders aufgeregt warten Fachleute und Fans auf das Einzelzeitfahren im Qualifying, welches durch die schlechte Wettervorhersage zur Regenlotterie verkommen könnte. Somit ist eine bunt gemischte Startaufstellung und die eine oder andere Überraschung vorprogrammiert. Neu sind auch das Punktesystem, welches nun die ersten acht anstelle der ersten sechs Fahrer belohnt, sowie die Zusatztests am Freitag, an denen sich Renault, Jordan, Jaguar und Minardi beteiligen werden.

Grundsätzlich steht den Formel-1-Fans nach monatelangem Warten also ein unvorhersehbares und somit extrem spannendes Rennwochenende ins Haus. Frühes Aufstehen wird sich lohnen!

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