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Trotz Entwicklungsstopp: Haas erwartet Rückkehr in die Top 10

Bei Haas strebt man die Rückkehr in die Top-10-Plätze an, auch wenn bis auf ein Motorenupdate wohl nichts mehr kommt - Fokus auf 2017 findet Zustimmung

(Motorsport-Total.com) - Zu Beginn der Saison war Haas das Überraschungsteam der neuen Formel-1-Saison, doch mittlerweile ist der Zauber ein wenig verflogen. Seit vier Rennen konnte der Neueinsteiger keine Zähler mehr holen, weil man immer knapp außerhalb der Top 10 landete. Als schlimm erachtet Teamchef Günther Steiner diesen Umstand nicht, denn wenn man vor der Saison gesagt hätte, dass man zu diesem Zeitpunkt um Platz elf fährt, hätte man es als gutes Ziel gesehen, um danach die Punkte anzuvisieren.

Günther Steiner

Teamchef Günther Steiner sieht sein Team mit jedem Meter im Aufwind Zoom

Der gute Saisonstart hat jedoch die Erwartungen in die Höhe geschraubt: "Wenn man Sechster und Fünfter war, dann möchte man immer in die Punkte kommen", so Steiner, der davon überzeugt ist, dass Haas bald wieder der Sprung in die Top 10 gelingen wird. Denn schon in Baku sei man auf einem guten Weg gewesen, bis sich eine Plastiktüte im Kühler verfangen hatte und einen Zusatzstopp notwendig machte. "Die Performance ist da, sodass wir profitieren können, wenn jemand vorne ein Problem hat. Wir sind zufrieden, aber wir wollen besser sein", unterstreicht der Teamchef.

Allerdings müssen die Amerikaner dafür vor allen Dingen einige Probleme in den Griff bekommen. Das dreht sich zum einen um die Reifen, mit denen Haas ein paar Probleme hat, sie in das richtige Reifenfenster zu bekommen. Wenn es nicht gerade heiß ist, dann scheint Haas besondere Schwierigkeiten damit zu haben, doch damit sei man nicht allein, betont Romain Grosjean: "Selbst große Teams sind nicht 100 Prozent sicher, sie zum Arbeiten zu bekommen", so der Franzose.

Frontflügelproblem gelöst?

Das habe man auch in Baku sehen können, weswegen man sich bei Haas nicht die Narrenkappe aufsetzen möchte. "Das Fenster ist einfach sehr schmal, und man muss einfach zur richtigen Zeit da sein. Manchmal braucht man Glück, dass man einfach drin ist", erklärt Steiner und meint, dass sein Team wisse, dass man auf dieses Thema einen speziellen Fokus legen müsse. "Mit jedem Kilometer werden wir aber besser", sagt er.

Romain Grosjean

Die Frontflügel von Haas waren bislang nicht die Stabilsten Zoom

Das nächste Problem sind anscheinend fragile Frontflügel. Schon häufiger in dieser Saison geriet das Team in Schwierigkeiten, weil die Frontflügel einfach brachen - wie schon bei den ersten Testfahrten. Hersteller Dallara wollte man zuletzt keinen Vorwurf machen, und auch jetzt betont Steiner, dass es sich um keinen Produktionsfehler handele. "Es ist eher ein Erfahrungsproblem beim Design. Vielleicht kann man da etwas besser machen", so Steiner.

Denn bislang sei jedesmal ein anderes Problem aufgetreten, nicht dreimal dasselbe. Möglicherweise habe man etwas an den verschiedenen Streckenkonfigurationen nicht beachtet, heißt es. Selbst anderen Teams sei das schon passiert, wie sich Grosjean erinnert: "Es gab bei Lotus auch 2013 in Barcelona ein Problem, weil man die Belastung nicht bedacht hatte - und das ist ein Team, das seit 25 Jahren existiert", betont er und ist überzeugt, dass die Angelegenheit behoben ist.

Verbesserungen: Turbo ja, Flügel vielleicht, Rest nein

Dennoch darf sich der Franzose genau wie sein Teamkollege Esteban Gutierrez nicht mehr unbedingt auf große Verbesserungen am VF-16 einstellen. Einzig ein Upgrade des Ferrari-Turbomotors ist für Silverstone geplant, kommt aber von Seiten des Motorenherstellers. Ansonsten überlegt man noch, ob man ein Update am Frontflügel vornimmt. "Aber da sind wir noch nicht zu 100 Prozent sicher", meint Steiner. Wenn, dann kommt es aber erst in gut zwei Monaten - so lange dauert der gesamte Prozess von Entwicklung und Produktion.

Eigentlich arbeitet man beim Team aber schon im Hinblick auf 2017. Wie bei allen anderen Teams auch hat sich der Fokus von 2016 zum kommenden Jahr verschoben, weil man sich dadurch mehr Vorteile erhofft. Während der aktuelle Bolide nur noch 13 Rennen überstehen muss, bildet das Auto für 2017 die Grundlage für mehrere Jahre - dem neuen Reglement sei Dank. "Wenn man eine gute Plattform aufbaut, dann ist es fast unmöglich aufzuholen - man muss sich nur Mercedes anschauen. Sie sind mit einer Rakete gestartet, und niemand konnte aufholen", so Steiner.


Fotostrecke: FIA-Fast-Facts: Österreich

Zwar könnte man auch aus dem aktuellen Boliden noch eine Menge herausholen, doch Haas würde ohnehin am Ende des Jahres vor den Erwartungen liegen, betont der Südtiroler. "Wir fokussieren uns auf das kommende Jahr, weil es nicht nur für 2017 sondern für die nächsten fünf Jahre ist", sagt er und findet Zustimmung durch Grosjean: "Wenn sie 2016 weiter verbessern, dann verpassen sie 2017", so der Franzose, der auf den Haas-Plan verweist: "Wir wollten in die Formel 1 kommen, ein Jahr mitfahren und uns dann im zweiten Jahr verbessern. Wenn man das möchte, muss man früh anfangen."

Natürlich möchte man aber auch die aktuelle Formel-1-Saison nicht einfach nur ausklingen lassen, sondern sportlich bestmöglich abschneiden. Platz acht bei den Konstrukteuren ist derzeit fast schon sicher, weil Renault, Sauber und Manor wohl kaum zulegen werden. Doch Steiner möchte niemanden unterschätzen: "Selbst der Letzte in der Formel 1 ist gut. Das sind keine Idioten! Um in den 107 Prozent zu liegen, muss man sehr gut sein." Doch diesem Ziel ist Haas längst entwachsen.