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Alain Prost: Duell Hamilton-Rosberg ist anders als mit Senna

Ende der 80er Jahre erlebte die Formel 1 mit dem Zweikampf Prost gegen Senna eine ihrer Sternstunden - Warum der Vergleich mit Hamilton gegen Rosberg hinkt

(Motorsport-Total.com) - Das Duell Alain Prost gegen Ayrton Senna zählt zu den härtesten und denkwürdigsten Zweikämpfen, die die Formel 1 je gesehen hat. Hatte Prost höchstselbst seinem damaligen Teamchef Ron Dennis bei McLaren geraten, Senna als Fahrer zu verpflichten, entwickelte sich in der Saison 1988 eine Rivalität zwischen den beiden Piloten, die an Skandalen und Intrigen kaum zu überbieten ist und dazu führte, dass Prost McLaren nach sechs Jahren zum Ende der Saison 1989 verließ.

Alain Prost

Alain Prost bewertet das Duell Hamilton gegen Rosberg differenzierter als andere Zoom

Vieles von damals lässt auf den ersten Blick einen Vergleich zum teaminternen Duell zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg zu. Wie die Mercedes-Fahrer in Spanien kollidierten auch Prost und Senna einst spektakulär: Beim Großen Preis von Japan 1989 geriet Senna mit seinem Teamkollegen bei einem riskanten Überholmanöver aneinander. Prost fiel aus, sein Rivale fuhr zum Sieg. Weil er die Schikane ausgelassen hatte, wurde er jedoch disqualifiziert und Prost vorzeitig Weltmeister.

Auch als Prost zu Ferrari gewechselt war und sich dort zusichern ließ, dass Senna nie sein Teamkollege bei den Roten werde, ging die Fehde weiter. Und die wurde nicht nur auf, sondern auch abseits der Strecke geführt: Der analytische "Professor" Prost gegen den emotionalen Heißsporn Senna. Zwar keifen sich Rosberg und Hamilton in der Öffentlichkeit längst nicht so an, wie Prost und Senna es taten. Doch den ein oder anderen verbalen Seitenhieb haben sich auch diese beiden schon geleistet.

Prost über Hamilton-Rosberg: "Nicht vergleichbar"

Dennoch findet Prost, dass das Duell zwischen Rosberg und Hamilton mit dem von damals nicht zu vergleichen sei, wie er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' verrät. "Wenn du in einem dominanten Team bist, dann ist klar, dass du unter normalen Umständen Erster und Zweiter wirst. Das ist das einzige, was zwischen meiner Zeit mit Ayrton bei McLaren und dem heutigen Duo bei Mercedes vergleichbar ist", sagt der viermalige Weltmeister mit Blick auf die aktuelle Formel-1-Saison.


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"Alles andere ist komplett anders. Die Art, wie Autos abgestimmt werden, wie die Teams arbeiten und so weiter, ist nicht vergleichbar", erklärt er weiter - und meint damit auch die Regelungswut der Königsklasse, über die seit dem Großen Preis von Europa diskutiert wird. Wie viele Fahrer und Experten kritisiert Prost unter anderem das Funkverbot, das in Baku vor allem Hamilton beinahe um den Verstand gebracht hatte. Er war - wie Rosberg - in einem falschen Motorenmapping unterwegs.

Weil das Team via Funk diesbezüglich aber nicht mehr helfen darf, musste der Brite das Problem allein lösen, was ihm deutlich schwerer fiel als seinem Teamkollegen. Denn während Rosberg das Problem schnell lösen konnte, fand Hamilton erst in Runde zwölf die richtige Einstellung. Das wiederum brachte ihm einige Kritik und Häme ein - nicht zuletzt von Rosberg. In der aktuellen Punktebilanz liegt dieser zwar vor seinem Teamkollegen. Bisher ging das Silberpfeil-Duell am Ende jedoch immer zugunsten von Hamilton aus.

Kann Mercedes McLaren bei der Siegesquote schlagen?

Seit er 2013 zu Mercedes wechselte, konnte er Rosberg in der Endabrechnung immer hinter sich lassen, wurde 2014 und 2015 sogar Weltmeister. Damit ist deren Zweikampf deutlich unausgeglichener als das Duell Prost gegen Senna. Während ihrer gemeinsamen zwei Jahre bei McLaren gewann 1988 Senna und ein Jahr später Prost den WM-Titel. Nach dessen Wechsel zu Ferrari hatte Senna dann aber die Nase vorn und wurde zwei Mal in Folge Erster, bis Prost 1993 bei Williams noch einmal triumphierte.


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Für das Mercedes-Duell wünscht sich Prost indes etwas mehr Würze: "Ich würde gern Ferrari weiter vorn mitmischen sehen. Nur dann wird es anders. Ob man nur gegen den eigenen Teamkollegen oder auch gegen alle anderen kämpft, macht einen erheblichen Unterschied." Doch die WM-Wertung spricht für sich: Dort führt Mercedes mit 258 Punkten vor Ferrari (177). Bisher ging der Sieg nur über sie. Ob sie die Siegesquote von McLaren (93,75 Prozent) im Jahr 1988 knacken werden, bleibt abzuwarten.