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  • 04.03.2002 · 10:31

  • von Reinhart Linke

Traumhaftes Debüt für Mark Webber

Der ehemalige Rugbyspieler Mark Webber feierte am Sonntag in Melbourne ein traumhaftes Debüt in der Königsklasse des Motorsports

(Motorsport-Total.com) - Den wohl schönsten Saisonauftakt erlebte am Sonntag der Australier Mark Webber. Der 25-Jährige bestritt beim Grand Prix von Australien sein Formel-1-Debüt ausgerechnet gleich vor heimischem Publikum und konnte dank der zahlreichen Ausfälle im Rennen auf den fünften Platz vorfahren. So gewann er für sich und sein Team zwei WM-Punkte ? für Minardi die ersten seit 1999.

Mark Webber

Mark Webber feierte sich am Sonntag in Melbourne wie ein Sieger

Webber war zu Tränen gerührt

"Es war ein erfreulicher Moment, endlich die Zielflagge zu sehen", erklärte der Australier auf seiner Website. "Ich riss meine Arme in die Luft und schlug sie heftig auf das Cockpit. Ich bin sehr, sehr glücklich! Paul und das Team absolvierten einen großartigen Job und halfen mir sehr, mein erstes Grand-Prix-Wochenende zu überstehen. Es war ein sehr spezieller und denkwürdiger Moment. Wir Australier vergießen normalerweise keine Tränen, aber ich muss zugeben, dass mir nach der Ziellinie die Tränen kamen. Das letzte Mal, als ich das tat, war 1996 beim Gewinn des Formel-Ford-Festivals."

Dabei hatte der Australien-Grand-Prix für Mark Webber, der einst Alain Prost, heute aber Michael Schumacher als Vorbild hat, zunächst gar nicht gut begonnen. "Ich musste manuell starten, weil wir ein Problem mit der Startautomatik hatten", berichtete der Hobbymodellflugzeugbauer. "Für einen manuellen Start kam ich aber wirklich gut weg, trotzdem war es im Vergleich zu den anderen langsam. Ich warnte vor dem Rennen auch Pedro de la Rosa hinter mir, dass ich langsam starten würde!"

Vermutlich hat ihm der langsame Start letztlich aber geholfen, nicht in das Chaos in der ersten Kurve verwickelt zu werden, wo rund acht Autos ausschieden. "Auf dem Weg zur ersten Kurve", fuhr der Minardi-Asiatech-Fahrer fort, "sah ich ein sehr großes Durcheinander und eine Menge Unfälle der vorderen Autos. Ich versuchte, davon so gut es geht zu profitieren."

Webber: "Das Team half mir, ins Ziel zu kommen"

Dass tat Mark Webber und tauchte in Runde 25 von 58 zum ersten Mal auf dem fünften Platz auf: "Nach den ersten beiden Safety-Car-Phasen fand ich einen guten Rhythmus, bekam aber sehr große Problem mit dem Differenzial, was sich bei meiner Fahrt sehr bemerkbar machte. Aber das Team unterstützte mich und half mir, die letzten Runden zu überstehen, bis zum Ziel!"

Kurz vor dem Ziel kam Toyota-Fahrer Mika Salo dem Lokalmatadoren noch einmal nahe, doch das ließ Mark Webber kalt. "Der Kampf mit Mika Salo war interessant und obwohl er dicht hinter mir war blieb ich ruhig", erklärte er. "Der Plan war ganz klar, ihn hinter mir zu halten. Ich machte mein Auto ein wenig breiter. Ich wusste, wo ich schwach war, aber ich wusste auch, wo ich ihn hinter mir halten könnte. Ich wusste, dass ich einen geringeren Topspeed hatte, aber dann machte Mika einen Fehler und half mir, vorne zu bleiben."

Schließlich konnte Mark Webber so unbedrängt ins Ziel fahren und in seinem ersten Formel-1-Rennen Punkte sammeln. Dies gelang zuletzt Kimi Räikkönen in seinem ersten Formel-1-Rennen. Der Finne wurde 2001 in Melbourne Sechster wurde und sitzt heute in einem McLaren-Mercedes.

Als Jugendlicher spielte Webber in Australien Rugby

Der Mann aus Queanbeyan in New South Wales hatte als Kind zunächst gar nichts mit Motorsport zu tun. Als Jugendlicher spielte Mark Webber in Australien Rugby mit den Canberra Raiders Ballby und gewann 1991 mit seinem Team die Meisterschaft. Erst mit 14 Jahren saß er erstmals im Go-Kart und gab 1994 sein Debüt im Monoposto, als er im Rahmen des Formel-1-Grand-Prixs von Australien in Adelaide in der Formel Ford antrat. Im selben Jahr wurde der heutige Minardi-Asiatech-Fahrer auch zum "Rookie of the Year" gewählt.

Im folgenden Jahr trat der junge Australier, der in seiner Freizeit gerne Musik hört, erneut in der Formel Ford an und fuhr auch im Rahmen des Australien-Grand-Prixs, wo er das damalige Formel-Ford-Rennen nach der Pole Position gewann. 1995 trat er auch in der australischen Formel Brabham an und wurde in der Meisterschaft Zweiter.

Als ehemaliger Benetton-Renault-Test- und Ersatzfahrer fährt Mark Webber privat einen Renault Scenic, hofft aber, sich eines Tages einmal sein Traumauto, einen BMW M5, kaufen zu können. Erneut im Rahmenprogramm des Australien-Grand-Prixs stand Mark Webber 1996 am Start ? diesmal mit der Formel Holden. In Europa wurde er unterdessen Zweiter der Formel Ford in Großbritannien und gewann unter anderem das Formel-Ford-Festival und das Rennen auf der anspruchsvollen Strecke von Spa-Francorchamps, seiner Lieblingspiste.

1999 blickte Webber dem Tot gleich zwei Mal ins Auge

Es folgte der Aufstieg in die Britische Formel 3, in der Mark Webber 1997 ebenfalls zum "Rookie of the Year" ausgezeichnet wurde. Spätestens jetzt wurde auch Mercedes-Benz auf das Talent aufmerksam und verpflichtete Mark Webber als Mercedes-Benz-Juniorfahrer, der nun in der GT-Weltmeisterschaft antrat und mehrere Rennen gewann.

Dem folgte 1999 ein Auftritt beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans, wo der 1,84 Meter große Fahrer jedoch gleich zweimal dem Tod ist Auge blickte: Zweimal bekam sein Mercedes-Benz im Training Unterluft und Mark Webber stieg bei 300 Stundenkilometern in die Luft und überschlug sich mehrmals. Doch beide Unfälle, die schließlich dazu führten, dass sich Mercedes-Benz aus Le Mans noch vor dem Start zurückzog, überstand der Australier unverletzt.

Der Hobbymountainbiker trat 2000 und 2001 jeweils in der Europäischen bzw. Internationalen Formel 3000 an und war im vergangenen Jahr Test- und Ersatzfahrer des Benetton-Renault-Teams. Für die Saison 2002 verpflichtete ihn schließlich sein Landsmann Paul Stoddart, Teamchef des European-Minardi-Teams, mit dem Mark Webber ein traumhaftes Debüt in der Königsklasse des Motorsports in Melbourne feierte.

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