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Teammanager: Dirigenten, die im Schatten stehen

Wieso ohne Teammanager in der Formel 1 nichts läuft, warum ihr Job undankbar ist und weshalb sie trotzdem nicht vom Grand-Prix-Sport loskommen

(Motorsport-Total.com) - Sie agieren im Hintergrund und werden oft nicht wahrgenommen, aber ohne sie würde in der Formel 1 nichts laufen - die Teammanager in der Formel 1. Sie sind dafür verantwortlich, dass bei den Überseerennen 27 Tonnen Luftfracht und zwei Container via Schiff rechtzeitig im Fahrerlager ankommen, damit am Wochenende die Motoren dröhnen können. Bei den Europarennen koordinieren die Teammanager den Transport des Equipments mittels vier Team-Transportern und rund sieben Motorhome-Trucks. Außerdem buchen sie die Hotels für das Rennteam und müssen einen reibungslosen Ablauf des Rennwochenendes gewährleisten.

Dickie Stanford

Williams-Urgestein Dickie Stanford ist der erfahrenste Teammanager der Formel 1 Zoom

"Wir sind aus logistischer Sicht die Dirigenten", beschreibt Caterham-Teammanager Graham Watson seine Aufgabe und ächzt: "Es ist ein wahrer Fulltime-Job." Und auch Andy Stevenson von Force India erklärt, dass die Verantwortung enorm und die Arbeit teils undankbar ist: "Ich sehe mich selbst als die Person, die die Arbeiten machen muss, die niemand machen will. Und wenn etwas schief läuft, dann ist es mein Fehler, wenn aber alles passt, dann hat das Team gute Arbeit geleistet."

Beat Zehnder, der bei Sauber als Teammanager fungiert, fügt noch eine weitere wichtige Aufgabe hinzu: "Wir agieren auch als Problemlöser. Wenn am Rennwochenende irgendetwas schief läuft, dann werden wir als Erster kontaktiert. Wir sind dazu auserwählt, jedes Problem in den Griff zu bekommen."

Vom einfachen Mechaniker zum Teammanager

Aufbau, Fahrerlager, Logistik

Der Aufbau im engen Fahrerlager bedarf perfekter Organisation Zoom

Doch wer sind die Menschen, die Ordnung in das hektische Treiben im Fahrerlager bringen? Oft sind es ehemalige Mechaniker, die irgendwann aufgrund ihrer enormen Erfahrung und ihrer Übersicht in der Formel 1 zum Teammanager aufsteigen. Caterham-Teammanager Watson arbeitete sich in den 1990er-Jahren vom Benetton-Testteam-Mechaniker zum Nummer-1-Mechaniker des Rennteams nach oben, ehe er zu BAR wechselte und dort die gleiche Entwicklung ein weiteres Mal durchmachte. In Brackley schafft er es bis zum Chefmechaniker, ehe ihn das damalige Lotus-Team abwarb und als Teammanager verpflichtete.

Noch eindrucksvoller ist die Karriere von Williams-Urgestein Dickie Stanford, dem längstdienenden Teammanager in der Formel 1, auch wenn sie durchaus Ähnlichkeiten mit der seines Caterham-Kollegen aufweist. Der inzwischen 56-jährige Brite wurde als 12-Jähriger mit dem Motorsport-Virus beim Race of Champions infiziert, zudem war sein Nachbar ein großer Fan von Jim Clark. An den Wochenenden ging er damals seiner Leidenschaft nach und arbeitete unentgeltlich als Mechaniker für einen Freund.

"König" der Teammanager: Dickie Stanford

1983 stand er dann bei Williams vor der Tür und bat um einen Job, wurde aber wieder nach Hause geschickt. Seine Hartnäckigkeit sollte sich zwei Jahre später bewähren, als er es wieder versuchte und als Mechaniker für Nigel Mansell engagiert wurde. Nachdem er sich bis 1990 zum Chefmechaniker emporgearbeitet hatte, wurde er 1994 zum Teammanager befördert. Als die Hersteller Anfang des vergangenen Jahrzehnts die Formel 1 entdeckten und die Teams immer größer wurden, wurde auch Stanfords Job immer anspruchsvoller, weshalb der "Ruhepol" des Williams-Teams ausstieg, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Fracht, Transport, Logistik, Cargo

Die Teammanager müssen dafür sorgen, dass das Material rechtzeitig eintrifft Zoom

Schließlich war aber die Formel-1-Begeisterung doch größer und er feierte 2010 bei Williams ein Comeback in seiner bewährten Funktion. In Grove wird seine Arbeit gewürdigt, er gilt als wichtige Indentifikationsfigur des Teams, das in den vergangenen Jahren einige Veränderungen durchmachen musste. Sein Stellenwert wurde offensichtlich, als er bei Pastor Maldonados Sensationssieg in Barcelona im Vorjahr auf das Siegerpodest geschickt wurde.

Dennoch musste er 28 Jahre warten, ehe er am vergangenen Wochenende in Südkorea erstmals an einer FIA-Pressekonferenz teilnehmen durfte. "Es hat lange gedauert", seufzt er. Die Begeisterung für seinen Job, sie ist aber nach wie vor spürbar: "Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Kein Rennen ist wie das andere, kein Jahr vergleichbar. Und die Arbeit hört nie auf, aber ich liebe sie."

Europarennen als größte Herausforderung

Container, Logistik, Transport

Bei den Überseerennen wird das Material via Schiff oder Flugzeug transportiert Zoom

Überraschenderweise ist die Arbeitslast für die Teammanager bei den Überseerennen geringer als während der Europa-Saison. "Alles ist hier", erklärt Stanford. "Man muss nur hinfliegen, und die Trucks nicht durch ganz Europa steuern. Jetzt ist die Arbeit sehr geradlinig." Mercedes-Teammanager Ron Meadows pflichtet seinem Kollegen bei: "Die Überseerennen zählen aus unserer Sicht in Hinblick auf die Einrichtungen zu den besten Veranstaltungen."

Grund dafür sind die neuen, gigantischen Rennstrecken, die in den vergangenen Jahren von Hermann Tilke designt und mit viel Aufwand aus dem Boden gestampft wurden. "Wir haben tolle Garagen, riesige Hospitality-Bereiche. Das macht unsere Arbeit sehr einfach, wenn man es zum Beispiel mit Monaco vergleicht, wo alles so eng und das Motorhome eine halbe Meile entfernt ist."