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  • 05.08.2011 · 17:16

  • von Christian Nimmervoll & Dieter Rencken

"Team ist relativ sicher": Bleibt Kolles doch?

Der Einstieg von Thesan Capital bei HRT könnte Colin Kolles davon überzeugen, bei HRT zu bleiben - Umzug aus Bayern derzeit nicht geplant

(Motorsport-Total.com) - Im Juli hat sich bei HRT viel getan: Erst bereitete Colin Kolles die Carabantes auf seinen Abschied vor, doch dann hat die spanische Familie überraschend an die Investmentgruppe Thesan Capital verkauft. Als Supervisor des Formel-1-Engagements ist der ehemalige Grand-Prix-Pilot Luis Perez-Sala für Thesan tätig, aber Kolles bekleidet weiterhin den Posten des Teamchefs.

Colin Kolles

Der Deutsche Colin Kolles ist weiterhin Chef beim spanischen HRT-Team

Der Deutsche ist mit seinem Rennteam im bayrischen Greding für HRT überlebenswichtig, alleine schon wegen seines Personals und der ansonsten nicht vorhandenen technischen Infrastruktur. Aus diesem Grund hat Kolles den Carabantes zugesagt, nicht über Nacht zu gehen, doch mit dem Einstieg von Thesan scheint sich einiges zum Positiven verändert zu haben. Paddock-Insider sind nun davon überzeugt, dass der frühere Force-India-Teamchef weiterhin bei HRT bleiben wird.

Er selbst äußert sich dazu nicht klar: "Mir wurde gesagt, dass ich Teamchef dieses Teams bin, also bin ich Teamchef dieses Teams. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen", meint Kolles in der für ihn typischen kryptischen Art. Außerdem erklärt er im Interview mit 'Motorsport-Total.com', er habe "immer nur kurzfristige Verträge", ohne jedoch im Detail auf die Nachfrage einzugehen, wie "kurzfristig" in seinem Wortschatz definiert ist.

Kolles bewertet Thesan-Einstieg positiv

Der Deal mit Thesan sei "sehr schnell" gekommen: "Ich glaube, das ist ein positiver Schritt. Viele Sachen sind für die Zukunft dieses Teams klargestellt", deutet Kolles an, dass er sich eine Zukunft bei HRT nun eher vorstellen kann, als das noch vor ein oder zwei Monaten der Fall war. Wie das Investment von Thesan genau aussieht, will er jedoch nicht verraten: "Das sind Details, zu denen ich mich nicht äußern kann." Aber: "Es war ein ganz normaler Kauf."

"Ich denke, dass wir ein sehr effizientes Team sind und dass sehr viel Potenzial in diesem Team liegt", hält Kolles fest und unterstreicht, dass den neuen Eigentümern wichtig ist, dass HRT weiterhin "das effizienteste Team" bleibt, sprich mit dem kleinsten Budget auskommt. Denn: "Eines der wichtigsten Ziele ist, das Team am Leben zu halten. Du kannst viel träumen und fantasieren, aber wenn du nicht überlebst, werden sich diese Träume nie erfüllen. Das ist also immer der erste Schritt."

Das ist seit dem Crash-Rettungsprogramm im Winter 2009/10 perfekt gelungen - und zwar auch dank Jose Ramon Carabante und dessen Sohn, denen Kolles für ihren Beitrag in den vergangenen eineinhalb Jahren dankt: "Ich bin niemand, der schlecht über ehemalige Eigentümer spricht. Man muss auch einmal festhalten: Ohne die Carabante-Familie hätte dieses Team nicht überlebt. Es war nicht nur Colin Kolles, sondern die Carabantes hatten auch ihren Anteil."

¿pbvin|512|3953||0|1pb¿"Ich denke, das Team ist jetzt relativ sicher. Wir befinden uns in vielerlei Hinsicht in einer viel besseren Position als viele andere Teams in diesem Paddock. Jetzt müssen wir damit anfangen, dieses Team so schnell wie möglich zu verbessern", sagt der 43-Jährige, bleibt aber zurückhaltend: "Andere sagen, dass sie in fünf Jahren Rennen gewinnen. So etwas werde ich nie sagen. Das heißt nicht, dass wir das nicht versuchen, aber wir können nicht von Dingen reden, die im Moment nicht realistisch sind."

Unrealistisch wäre es auch, von derzeit gerade mal 60 Mitarbeitern auf das Personalniveau der größeren Teams aufzustocken: "Wir werden nicht auf 500 Mitarbeiter aufstocken, das steht fest", lächelt Kolles und begründet: "Ich halte das für ineffizient. Wir werden aufstocken, um als Formel-1-Team ernst genommen zu werden, aber wir wollen weiterhin das effizienteste Team bleiben, auch in Zukunft. Und wir wollen unabhängig bleiben."

Möglichst effizient und billig

"Dafür brauchst du entweder Zulieferer, die voll zum Team stehen, oder eine eigene Struktur, um das zu stemmen", gibt der HRT-Teamchef zu Protokoll und erläutert: "Es ist eine mathematische Frage, den effizientesten Weg auszurechnen und die richtigen Zulieferer zu finden, die unter Umständen sogar härter arbeiten, als das eigene Angestellte tun würden. Es geht darum, die richtigen Leute und die richtigen Zulieferer zu haben."

Das Team selbst bleibt (vorerst) bei Kolles in Greding stationiert, dazu kommt noch die Nutzung des alten Mercedes-Windkanals in Brackley. Doch man verschließt sich keineswegs der Möglichkeit, mittel- bis langfristig einen neuen Standort aufzubauen: "Theoretisch ist alles möglich, sogar der Mond oder die Wüste", meint Kolles augenzwinkernd. "Es hängt von der finanziellen Sicherheit, von den Sponsoren und so weiter ab - von vielen, vielen Faktoren."

Vitantonio Liuzzi

HRT kämpft gegen die anderen beiden neuen Teams um WM-Platz zehn Zoom

Auch Spanien bleibt ein Thema: "Wir sind ein spanisches Team und wir haben immer noch spanische Eigentümer. Eines Tages musst du den richtigen Ort und die richtigen Lösungen finden. Es geht nicht nur darum, nach Murcia zu gehen", so Kolles. "Red Bull ist auch ein österreichisches Team, aber den Sitz haben sie in Milton Keynes. Mercedes, ein deutsches Team, operiert von Brackley aus. Ich sehe da nicht das große Problem."

Das viel größere Problem ist, den erhofften zehnten Platz in der Konstrukteurs-WM zu erreichen. Derzeit liegt HRT auf Rang elf, immerhin vor Marussia-Virgin (genau wie im Vorjahr). Platz zehn hat derzeit Lotus inne, dank zweier 13. Positionen in Melbourne und Monte Carlo. Demgegenüber steht nur ein 13. Platz für HRT durch Vitantonio Liuzzi in Montreal. Aber noch stehen ja acht Saisonrennen bevor, um das Blatt zu wenden.

"Wir sind in Sachen Speed nicht konkurrenzfähig, das sehen wir ganz realistisch", weiß Kolles. "Wir sind aber gut genug, um in bestimmten Rennen vom Schaden zu profitieren, den andere für sich selbst anrichten." Der Deutsche hat dementsprechend vor, die Herausforderung anzunehmen - was sich ganz und gar mit seinen Racing-Genen deckt: "Solange ich hier bin, gebe ich nicht auf. Das ist mein Grundprinzip, so wurde ich erzogen", sagt er.

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