powered by Motorsport.com
  • 04.08.2011 · 16:57

Ricciardo setzt sich hohe Ziele

Formel-1-Neuling Daniel Ricciardo hat in den kommenden Wochen keinen Urlaub: In der zweiten Saisonhälfte will er mindestens den Teamkollegen und schlagen

(Motorsport-Total.com) - Red-Bull-Junior und HRT-Pilot Daniel Ricciardo kommt in der Formel 1 allmählich an. Beim Rennen in Ungarn konnte er es mit seinem Teamkollegen Vitantonio Liuzzi aufnehmen und lag am Ende vor dem Italiener, der deutlich mehr Routine vorzuweisen hat. Vor der Sommerpause spricht er über seine Ziele und die Umstellungen, die er in letzter Zeit durchmachen musste.

Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo peilt nach der Sommerpause auch die Marussia-Virgin an

Frage: "Was wusstest du über HRT, bevor du zum Team gekommen bist?"
Daniel Ricciardo: "Nicht viel. Ich kannte keinen einzigen Mitarbeiter. Jeder war neu für mich. Ich war vergangenes Jahr bei Red Bull und dieses Jahr bei Toro Rosso. Ich war im Team integriert und deshalb kannte ich nicht viele andere Leute in der Formel 1. Hierhin zu kommen war eine neue Erfahrung und mein Wissen vom Team war sehr begrenzt."

Frage: "Wie hat dich das Team empfangen?"
Ricciardo: "Sie waren sehr nett und hilfsbereit. Silverstone war nicht einfach. Aber sie haben es für mich so einfach wie möglich gemacht. Es gab keine Spannungen und sie ließen mich Erfahrungen machen. Alle waren sehr freundlich. Vergangenes Jahr gab es einige Fahrerwechsel. Deswegen bin ich davon ausgegangen, dass sie es gewohnt sind, einen neuen Fahrer im Auto zu haben. Sie machten es mir leicht, was sehr nett war."

Debüt auf Traditionskurs

Frage: "Das erste Formel-1-Rennen fand 1950 in Silverstone statt. Dein Debüt erfolgte auch einer legendären Strecke. Könnte dein Name für immer in der Formel-1-Geschichte verewigt werden?"
Ricciardo: "Ich fände es schön, wenn sich jemand an mich erinnert. Ich würde liebend gerne eines Tages Weltmeister werden und meinen Namen auf der Liste verewigen. Das ist ein Traum."

¿pbvin|512|3953||0|1pb¿"Diesen Traum haben aber sicher alle Formel-1-Piloten. Ich denke, dass ich mich in einem guten Alter befinde und sehr motiviert bin, das als mein Langzeitziel festzumachen. Ich denke, es war etwas besonderes, mein erstes Rennen auf dem Kurs von Silverstone zu fahren, der von soviel Geschichte umgeben wird. Persönlich hätte ich mein erstes Rennen gerne in Australien bestritten. Aber ich habe immer gesagt, dass Silverstone meine zweite Wahl für mein Debüt ist."

Frage: "Welche Ratschläge hast du von Colin Kolles und Geoff Willis erhalten?"
Ricciardo: "Ich habe ein bisschen mit Colin gesprochen. Bisher hatte ich nicht genügend Zeit, um mit Geoff zu reden. Sie waren sehr hilfsbereit, direkt, aber auch realistisch, was zu erwarten sei. Bei den ersten Rennen haben sie mich einfach machen lassen und nicht zuviel Druck auf mich gerichtet."

"Sie haben gesagt, dass alles noch kommen wird. Ich hatte in den Nachwuchsklassen einige gute Resultate und denke, dass sie den Glauben in mich haben. Früher oder später werde ich das Tempo haben und dort sein, wo sie mich erwarten und einige gute Resultate fürs Team einfahren."

"Sie stellen mich nicht unter Druck, was ich sehr schätze. Dennoch denke ich, dass das Team für die zweite Hälfte einige Verbesserungen erwartet. Das Level an Druck ist gut. Es ist nichts, mit dem ich nicht umgehen kann, aber trotzdem hinterfrage ich mich selbst sehr oft."

Weicher Fahrstil

Frage: "Wie würdest du deinen Fahrstil beschreiben und wie ist dein erster Eindruck vom F111?"
Ricciardo: "Ich mag Hochgeschwindigkeitskurven, aber mit dem F111 benötige ich ein bisschen Zeit, um mich heranzuarbeiten. Tonio war bei den ersten Rennen in den Hochgeschwindigkeits-Sektoren schneller als ich."

Daniel Ricciardo

Der Australier tastet sich immer weiter ans Limit heran und geht schon darüber Zoom

"Das ist normalerweise etwas, wo ich stark bin. Ich erwarte, dass ich da besser werde. Ansonsten fahre ich recht weich und gleichmäßig. Ich denke, dass ich mit recht viel Feingefühl fahre. Das ist einer der Gründe, warum ich hier bin. Jetzt muss ich ein bisschen mehr als die anderen finden und mich abgrenzen. Hoffentlich werde ich besser als sie."

Frage: "Vitantonio hat in Kanada mit Platz 13 das bisher beste Resultat fürs Team geholt. Wird es hart, ihn zu schlagen?"
Ricciardo: "Ich denke, das Ergebnis von Kanada war sehr gut. Tonio hat bewiesen, dass er ein sehr begabter Fahrer ist. Er wird sehr schwer zu schlagen sein. In Silverstone war ich recht weit weg von seinem Tempo. Ich wusste, dass es seine Zeit braucht. Aber man will ja immer ein bisschen mehr. Mir war klar, dass ich einen sehr starken Teamkollegen habe."

"Ich werde mich sehr bemühen müssen, um ihn zu besiegen und ein eigenes bestes Ergebnis fürs Team einzufahren. Ich gehe nicht davon aus, dass das durch Glück entstehen wird. Es wird harte Arbeit. Ich muss so viele Informationen wie möglich aufsaugen, um der Fahrer zu werden, der ich sein will. Und hoffentlich kann ich dann eines Tages ein eigenes bestes Ergebnis fürs Team holen."

Arbeitsreiches Jahr

Frage: "Du bist dieses Jahr in der Renault-World-Series gefahren, warst Testfahrer bei Toro Rosso und startest jetzt für HRT. Das ist ein beeindruckender Lebenslauf für einen 22-Jährigen. Welche Schwierigkeiten gibt es, sich an die unterschiedlichen Autos zu gewöhnen und wo liegt der Unterschied bei den Autos?"
Ricciardo: "Es war ein recht arbeitsreiches Jahr für mich. Ich bin in der World-Series gefahren, habe einige Freitage mit Toro Rosso verbracht und bin jetzt bei HRT."

"Ich sehe es als Privileg an, im Alter von 22 schon so viele Autos gefahren zu haben. Es ist nicht einfach, sich auf ein neues Auto einzustellen, aber durch die vielen Wechsel fiel es mir leichter. In der World-Series ist alles ein bisschen langsamer als in der Formel 1. Aber sobald ich im Auto sitze, egal ob in einem der World-Series oder einem Formel 1, ich bin immer mental auf das vorbereitet, was das Auto machen wird. Ich muss es nicht erst physisch spüren, um mich zu erinnern, wie es sich verhält.

Großer Zuspruch

Frage: "Wie haben deine Freunde und deine Familie reagiert, als sie erfahren haben, dass du für HRT Rennen fahren wirst?"
Ricciardo: "Ich hatte zahlreiche Anrufe, Nachrichten und Emails. Ich habe davon etwa fünf Prozent beantwortet. Ich war ziemlich überwältigt. An einem Tag habe ich 200 Nachrichten erhalten!"

Daniel Ricciardo

Der Red-Bull-Junior lieferte in Budapest eine solide Vorstellung ab Zoom

"Ich konnte sie alle lesen, war aber nicht in der Lage, alle zu beantworten. Es war beeindruckend. Für meine Familie war es sehr emotional, weil es immer mein Traum war, in der Formel 1 zu sein. Dass er in Erfüllung ging, war ein besonderes Gefühl. Ich habe meine Schwester in Australien angerufen. Sie flog den Weg, um beim Rennen dabei zu sein. Es war also sehr emotional."

Frage: "Was ist dein Hauptziel für die zweite Saisonhälfte?"
Ricciardo: "Das Ziel ist es, den Lernprozess fortzuführen. Ich denke, das wird mit der Zeit kommen. Wenn es mir gelingen sollte, ein persönliches bestes Resultat fürs Team zu holen, Tonio zu besiegen und die Virgins in ein paar Rennen hinter mir zu lassen, dann wäre das ein starkes Resultat. Ich muss mir hohe Ziele setzen, weil nur das mir für die Zukunft hilft. Ich denke, dass ich bei den letzten Rennen dieses Jahr beginnen kann, diese Ziele zu verfolgen."

Frage: "Welche Pläne hast du für die Sommerpause?"
Ricciardo: " Ich habe in Australien und Italien ein paar PR-Veranstaltungen, die ich besuchen werde. Ich werde nur fünf Tage frei haben und um ehrlich zu sein, werde ich an den Tagen trainieren. Durch das viele Reisen ist es recht hart, sich ins Fitnessstudio zu begeben und das zu tun, was notwendig ist. Deswegen denke ich nicht, dass es viel mit Urlaub zu tun haben wird."

Anzeige

Folgen Sie uns!