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Tanja Frentzen: "Heinz braucht keinen Händchenhalter"

Tanja Frentzen über die Beweggründe, warum sie die Formel-1-Szene nicht besonders mag und lieber zu Hause in Monaco bleibt

(Motorsport-Total.com) - Wird ein Rennfahrer stärker, wenn er eine Frau oder wenn er vielleicht sogar ein Kind hat? Davon jedenfalls ist Heinz-Harald Frentzens Ehefrau Tanja überzeugt. Sie glaubt, dass der Mönchengladbacher nicht an Leidenschaft eingebüßt hat, sondern dass er nun seiner Arbeit auch für seine Familie nachgeht, die mit dem am 10.04.2000 geborenen Töchterchen Lea auf drei Köpfe gewachsen ist.

Tanja Frentzen

Tanja Frentzen weiß mit der Formel 1 nicht wirklich etwas anzufangen...

Als sich die beiden 1994 kennen lernten, da wusste Tanja Nigge nicht, was ihr zukünftiger Ehemann als Formel-1-Neuling bei Sauber-Mercedes treibt: "Autorennen interessierten mich überhaupt nicht", verrät die Fahrerfrau der 'Welt am Sonntag'. "Mein Umzug nach Monaco, mein erstes Formel-1-Rennen als Freundin von Heinz, mein Treffen mit seinem Team und 'seinen' Leuten - alles war ein Kulturschock. Unvergessen Manager Ortwins gut gemeinter Rat an mich: Eine Rennfahrerfrau muss den Mund halten, darf keine eigenen Probleme haben und wenn etwas schief läuft, hat grundsätzlich sie Schuld."

Bis heute ist Frau Frentzen kein großer Formel-1-Fan geworden, denn es gibt einfach zu viele Dinge, die ihr an der Formel 1 missfallen: "Dieser Krach, die Leute, die Oberflächlichkeit. Ich fand das zum Kotzen, besonders als ich sah, wie berechnend die Leute in diesem Zirkus sind. Heute beäuge ich immer noch eine ganze Menge an diesem Zirkus sehr kritisch, aber mittlerweile muss ich eher darüber lachen." Dennoch hat sie in der Zwischenzeit einige Freunde im Formel-1-Fahrerlager gefunden.

Bis zur Geburt von Lea war Tanja Frentzen häufig im Fahrerlager anzutreffen: "Der Gedanke, Heinz könnte einen schweren Unfall haben, und ich sitze in Monaco vor dem Fernseher, war unerträglich für mich." Doch nun widmet sie sich lieber dem Kind, statt mit "HHF" um die Welt zu reisen ? in beidseitigem Einverständnis versteht sich: "Ich brauche den Glamour der Formel 1 nicht und Heinz braucht auch niemanden, der ständig sein Händchen hält."

Verwundert war Tanja Frentzen, wie sich die Formel 1 verändert hat: "Als ich Anfang der Saison doch mal ein Rennen besuchte, merkte ich, wie schnell die Zeit vergeht. Von den Rennfahrerfrauen, die in Imola 1995 dabei waren, ist wohl nur noch Corinna Schumacher übrig geblieben. Da schleicht sich auch in mir ein Gefühl des Älterwerdens ein: Kaum findet man sich in der Formel 1 zurecht, schon gehört man zu den Gruftis der Szene."

Nach Frentzens Ausflug zu Williams, Jordan, Prost und Arrows kehrt der ehemalige Vizeweltmeister nun wieder zu Sauber zurück, einem Team, das auch Tanja bestens kennt. Dennoch wird sie ihren Mann auch weiterhin lieber alleine zu den Rennen fahren lassen und auch um die vielen Boxenluder macht sie sich keine Sorgen: "Ich weiß, dass auf meinen Mann Verlass ist. Er ist nicht nur treu, sondern auch ausgesprochen clever - er weiß einfach, was er an mir hat!" Wer die beiden Frentzens kennt, der weiß, dass diese Aussage keinesfalls als arrogant einzustufen ist...