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  • 20.01.2015 · 14:00

  • von Sven Haidinger & Ryk Fechner

Surer bricht Hybrid-Lanze: "Formel 1 endlich wieder Vorreiter"

Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer verteidigt das "clevere" Hybrid-Reglement gegen die heftige Kritik und sieht kein Problem im begrenzten Verbrauch

(Motorsport-Total.com) - Seit einem Jahr setzt die Formel 1 voll auf Energierückgewinnung: Das neue Reglement mit den 1,6-Liter-V6-Turboantriebseinheiten ist zwar zeitgemäß, wurde aber in der Motorsportszene auch heftig kritisiert. Die Triebwerke klingen mau, weil das Energierückgewinnungssystem MGU-H nicht nur aus heißen Auspuffgasen Energie generiert, sondern auch den Sound schluckt.

Sprit, Tanken, Petronas, Mercedes

Der Verbrauch hat sich auf die Rennen nicht so stark ausgewirkt wie erwartet Zoom

Außerdem wurde der Spritverbrauch zum großen Thema, da ein Verbrauchslimit von 100 Kilogramm pro Grand Prix eingeführt wurde. Das sorgte bei den Puristen für einen Aufschrei: "Der Motorsport und Spritsparen - das ist ein Widerspruch", argumentierten viele.

Surer: Formel 1 weiter als Serie

Einer, der allerdings das neue Reglement verteidigt, ist Ex-Pilot und Experte Marc Surer. Und der ist ausgerechnet in einer Ära hinterm Lenkrad gesessen, als die Boliden schwer zu bändigen waren und über 1.000 PS Leistung hatten.

Der Schweizer bricht nach der ersten Saison unter neuen "Der große Schritt ist das Energierückgewinnungssystem, das ist die Zukunft. Man darf nicht vergessen, dass die Formel 1 da viel weiter ist als die Straßenautos. Und es ist toll, dass die Formel 1 wieder einmal Vorreiter ist."

Er hält die Idee hinter dem Reglement für "clever. Man gibt den Läufern quasi ein Lunchpaket und sagt: Schauen wir mal, wie schnell du 100 Kilometer - oder in diesem Fall 300 Kilometer - laufen kannst."

Verbrauch kein neues Thema

Marc Surer

Marc Surer outet sich als Verfechter des aktuellen Formel-1-Reglements Zoom

Dass man sich jedoch in den vergangenen Jahren von seinem Kernpublikum entfernt hat und technische sowie wirtschaftliche Interessen nun überwiegen, findet er nicht. "Ich glaube, es wird nicht mehr Sprit gespart als in den Jahren zuvor, als die Red Bulls ja meistens nicht voll betankt in die die Rennen gingen und man den Piloten immer wieder gesagt hat, dass sie auf den Spritverbrauch achten müssen", nennt er ein Beispiel aus der V8-Saugerära. "Viele Teams haben ja vorher schon kalkuliert, ob es Safety-Car-Phasen gibt, und das war auch in der Vergangenheit so."

Die Debatte sei erst durch die Reglementänderungen und die fixierte Spritmenge von 100 Kilogramm entstanden, glaubt Surer: "Das ist somit ein größeres Thema geworden. Auch früher hat jedoch kein Team mehr getankt, als unbedingt nötig war, meistens sogar ein bisschen weniger."

Und selbst dieses Jahr gab es einige Rennen, in denen die Teams bei der Spritmenge trotz des reglementbedingten Limits keineswegs an ihre Grenzen gerieten: Man weiß ja, dass die Autos mit Mercedes-Motoren nicht mal vollgetankt werden mussten. Daher wird sich das Thema von alleine erledigen, wenn die Spritfresser - Ferrari war offensichtlich einer - das auch einmal in den Griff bekommen."

Technische Entwicklung und Einfrierung kein Widerspruch

Surer ist der Ansicht, dass sich auch die Puristen an die neue Formel gewöhnen werden. "Früher ging es um den Hubraum, der vorgeschrieben war, die Kubikzentimeter, heute geht es stattdessen darum, wie viel Leistung ich aus 100 Kilogramm Sprit herausholen kann", vergleicht er die Philosophien.

Auch die Tatsache, dass die Formel 1 zwar einerseits neue Technologien für die Zukunft entwickeln soll, andererseits aber die Antriebseinheiten homologiert sind und daher nur bedingt entwickelt werden darf, sieht er nicht als Widerspruch: "Das Reglement erlaubt ja Feinheiten. Wenn ein Motorenkonzept einmal steht, dann geht es um Details, mit denen man einen Motor verbessern kann."

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