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Sünderkartei 2016: Daniil Kwjat mit den meisten Strafpunkten

Schuld an einer Kollision, Behinderung eines anderen Fahrers, Rückwärtsgang in der Boxengasse: Das Sündenbock-Ranking der vergangenen zwölf Monate

(Motorsport-Total.com) - Wer in Deutschland auf öffentlichen Straßen gegen die Verkehrsordnung verstößt, bekommt Punkte in Flensburg. Wer als Rennfahrer auf der Grand-Prix-Strecke aus der Reihe tanzt, bekommt Punkte bei der der FIA. Seit der Saison 2014 gibt es in der Formel 1 ein Strafpunkte-System, das eine Rennsperre nach sich zieht, wenn ein Pilot innerhalb von zwölf Monaten zwölf Punkte sammelt. Toro-Rosso-Pilot Daniil Kwjat kommt dieser Marke bereits gefährlich nahe.

Daniil Kwjat © LAT
Sündenback des Jahres: Keiner sammelte mehr Strafpunkte als Daniil Kwjat

Der Russe hat seit seinem Heim-Grand-Prix am 1. Mai schon acht Punkte gesammelt. Das bedeutet, dass er auch in den ersten vier Rennen 2017 noch tunlichst vermeiden sollte weiter bei der Rennleitung aufzufallen. Auch Sebastian Vettel muss achtgeben: Mit sechs Strafpunkten ist er schon auf halbem Wege zu einer Rennsperre. Und seine zwölf Monate laufen erst im Juli ab.

Sotschi 2016: Es war der Anfang eine Reihe von Fingerklopfern, die Kwjat über sich ergehen lassen musste. Ausgerechnet vor heimischem Publikum wurde er zum Bad Boy der Königsklasse und danach vom Red-Bull- zum Toro-Rosso-Piloten. Denn für seine Kollision mit Vettel gab es nicht nur drei Strafpunkte, sondern auch die Degradierung in das Ausbilderteam, mit dem er 2014 schon in die Formel 1 eingestiegen war. Nur zwei Wochen zuvor hatte er in China auf dem Podium gestanden.

Eine Lehre schien es dem 22-Jährigen aber nicht gewesen zu sein. Schon in Monaco gab es zwei weitere Strafpunkte für das Abschießen von Kevin Magnussen in der Rascasse-Kurve. In Austin folgten noch zwei zusätzliche für das Aneinanderraten mit Sergio Perez und noch einer für das Verlassen der Strecke und den dadurch entstanden Vorteil in Mexiko. Kwjat ist aber auch der führende Fahrer in Sachen Kritik an der Strafenverteilung der Stewards: "Ich finde, sie beurteilen sehr unterschiedlich.", polterte er unter anderem nach dem Chaos von Mexiko.

Haas-Pilot Esteban Gutierrez hat sieben Strafpunkte in seiner Akte stehen. Er hatte in Sotschi ebenfalls für eine Kollision gesorgt, hatte in Budapest die blauen Flaggen ignoriert und in Spa-Francorchamps Pascal Wehrlein im Qualifying behindert.

Nico Rosberg

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Platz drei in der Sünderkartei 2016 belegen Vettel und Nico Rosberg, der ebenfalls sechs Strafpunkte einsackte. Dem scheidende Weltmeister hängen noch die Kollisionen mit Teamkollege Lewis Hamilton in Spielberg, Max Verstappen in Hockenheim und Kimi Räikkönen in Malaysia nach. Auf Vettels Liste stehen das Abdrängen von Felipe Massa in Silverstone, das Abschießen von Rosberg in Malaysia und der Verstoß gegen die "Verstappen-Regel" in Mexiko.

Weitere Sünder im Strafen-Ranking sind Carlos Sainz (fünf Punkte), Felipe Nasr, Kevin Magnussen, Jolyon Palmer, Esteban Ocon, Valtteri Bottas und Pascal Wehrlein (jeweils vier), Sergio Perez (drei), Kimi Räikkönen, Ericsson, Massa und Nico Hülkenberg (jeweils zwei) und Max Verstappen mit nur einem Strafpunkt.

Daniel Ricciardo, Fernando Alonso und ausgerechnet Romain Grosjean gehen mit einer weißen Westen aus der Saison. Der Franzose war einst als Chrashkid verschrien, als er unter anderem für den Startunfall in Belgien 2012 sorgte, für den er mit einer Rennsperre belegt wurde. Und er ist auch so etwas wie der Auslöser dafür, dass das Strafsystem überhaupt so entstanden ist.


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Zum Repertoire der Rennleitung gehören neben dem Punktesystem auch die Direktstrafen wie Geldstrafen (31 in der Saison 2016 ausgesprochen), Zeitstrafen (36), Durchfahrtsstrafen (4) oder Strafversetzungen in der Startaufstellung (50). Und es gibt noch die Verwarnungen, die in der Summe ebenfalls Konsequenzen haben können. Denn nach der dritten Verwarnung setzt es eine Strafversetzung von zehn Plätzen. Das wissen Lewis Hamilton und Carlos Sainz ganz genau, weil sie jeweils zwei gesammelt haben.

Zehn von 24 Fahrern wurden verwarnt

Verwarnungen können die verschiedensten Gründe haben. Hamilton ist beispielsweise in Bahrain einmal ein paar Zentimeter rückwärts in der Boxengasse gefahren oder in Sotschi auf der falschen Seite des extra aufgestellten Pollers zurück auf die Strecke gefahren. Rosberg wurde für die letzte Runde in Spielberg verwarnt, weil er mit einem beschädigten Auto weitergefahren ist. Sainz ist einmal bei Rot aus der Boxengasse gefahren und Vettel einmal falsch in die Boxengasse abgebogen.

Auch Massa, Magnussen, Bottas, Wehrlein, Verstappen und Rio Haryanto gegenüber wurde in dieser Saison der Zeigfinger erhoben. Anders als bei den Strafpunkten werden die Verwarnungen aber nach Ablauf der Saison gestrichen.