powered by Motorsport.com

Ron Dennis: Magnussen wurde nicht überraschend abserviert

McLaren-Boss Ron Dennis ärgert sich über Darstellungen, nach denen er Testfahrer Kevin Magnussen äußerst unsensibel per E-Mail gekündigt haben soll

(Motorsport-Total.com) - McLaren-Teamchef Ron Dennis wehrt sich gegen die Behauptung, Testfahrer Kevin Magnussen sei von ihm überraschend und unsensibel abserviert worden. Dem vorangegangen war die Aussage des 23-jährigen Dänen, er sei mit einer kurzen Benachrichtigung schriftlich gekündigt worden - und zwar via kurzer E-Mail von Dennis' Sekretärin, noch dazu ausgerechnet an seinem Geburtstag.

Kevin Magnussen, Eric Boullier

Kevin Magnussen bei Testfahrten mit McLaren-Teamchef Eric Boullier Zoom

Magnussen sprach darüber später mit Journalisten. Das sorgte unweigerlich für unvorteilhafte McLaren-Schlagzeilen, die Dennis nicht nachvollziehen kann: "Ich habe keine Ahnung, warum Kevin es so darstellt, als wäre eine Benachrichtigung, die geschickt werden musste, der einzige Moment gewesen, an dem wir ihm mitgeteilt haben, dass er nicht mehr für McLaren arbeiten wird. Verträge beinhalten nun mal eine formelle Benachrichtigungspflicht."

"Man versucht stets behutsam zu sein, man versucht unterstützend zu sein. Aber man kann die Realität nicht leugnen und dann überrascht tun, wenn der Moment der formellen Benachrichtigung kommt. Da kann man dann nicht sagen: 'Was ist denn da passiert?' Die Wahrheit ist, dass wir ihm jede Gelegenheit gegeben haben, sich mit den Tatsachen zu arrangieren", so der McLaren-Boss am Rande des Grand Prix von Abu Dhabi.

Benachrichtigung für Magnussen keine Überraschung

Zu Magnussens Verteidigung sei erwähnt, dass er nie behauptet hat, die Benachrichtigung sei für ihn überraschend gekommen. Auch handelte es sich dabei genau genommen nicht um eine Kündigung, denn sein McLaren-Vertrag wäre Ende 2015 sowieso ausgelaufen. Vielmehr teilte ihm das Team mit, dass die Option für 2016 nicht eingelöst wird. Neben Alonso/Button hat McLaren derzeit kein Cockpit frei - und aus der GP2 drängt schon Stoffel Vandoorne nach.


Fotostrecke: F1 Backstage: Abu Dhabi

Magnussen stieg beim Grand Prix von Australien kometenhaft in die Formel 1 ein, wurde gleich beim ersten Rennen Zweiter. Es sollte sein einziger Podestplatz bleiben. Magnussen verlor das Stallduell gegen Jenson Button mit 55:126 (Punkte) beziehungsweise 9:10 (Qualifyings). Als Buttons Entscheidung feststand, eine weitere Saison anzuhängen, und Alonso endgültig zusagte, war klar, dass er nach nur einer Saison auf die Ersatzbank zurück musste.

Magnussen hat gesteckte Ziele nicht erreicht

Laut Dennis habe Magnussen "jede nur erdenkliche Chance bekommen. Eine Saison in der Formel 1, gekoppelt an sehr klare Ziele, die er 2014 erreichen musste. Diese Ziele hat er nicht erreicht." Welche Ziele das im Detail waren, möchte der McLaren-Boss nicht verraten: "Das wäre nicht angemessen. Fragen Sie ihn selbst. Das wäre ein negativer Prozess für ihn. Er weiß selbst ganz genau, dass er in seiner Saison nicht so performt hat, wie er hätte sollen."

"Vielleicht hätte ich von Anfang an ein bisschen deutlicher sein sollen, dann wäre der Schock nicht so groß gewesen", räumt Dennis ein, "aber zu sagen, dass das das erste Mal war, dass er davon gehört hat, ist einfach lächerlich." Zumal Magnussen wie jeder McLaren-Fahrer "fortwährend" unterstützt wurde, auch als er kein Cockpit mehr hatte: "Wir lassen unsere Fahrer nicht im Stich. Es gibt einige, die unter dunklen Wolken gegangen sind, aber das ist die Ausnahme", behauptet Dennis.

"Wir strengen uns enorm an, jungen Fahrern eine Chance zu geben. Manchmal haben sie diese Chance nicht", fährt er fort. "Nehmen wir Stoffel. Er wird nächstes Jahr vielleicht in Japan fahren. Er ist ein riesiges Talent, aber Stand heute weiß ich nicht, ob wir 2017 eine Position im Team für ihn haben werden. Er weiß das und ich weiß das. Trotzdem möchte er in der Familie bleiben, denn die anderen Optionen, die er hat, werden seine Karriere wahrscheinlich eher zerstören als fördern."

Viele Stars von heute gefördert

"Wir zahlen für die Karrieren dieser jungen Menschen, und wir haben auch für Kevins Karriere bezahlt. Wir haben für Lewis' Karriere bezahlt. Die Leute vergessen manchmal, dass wir früher auch für Rosbergs Karriere bezahlt haben", verweist Dennis auf die erfolgreiche Nachwuchsförderung des McLaren-Teams. Aber er stellt gleichzeitig klar: "Es gibt einen Punkt, an dem man schwierige Entscheidungen treffen muss."


Verrückter Stunt: Jenson Button zwischen Beton

Mit einem 1,80 Meter breiten Formel-1-Auto durch 2,40 Meter durchfahren: Challenge accepted. Weitere Formel-1-Videos

Magnussen wünscht er trotzdem alles Gute: "Kevins hat seine Karriere bis zu einem gewissen Grad selbst in der Hand. Er ist ein guter, talentierter Fahrer, der mehr als nur dazu in der Lage ist, in der Formel 1 zu fahren. Aber es gibt viele Fahrer, die gut genug für die Formel 1 sind, die aus dem einen oder anderen Grund keine Chance bekommen und sich nach anderen Karrieremöglichkeiten umsehen müssen. So einfach ist das."