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Renault: Honda wird von Mercedes profitieren

Renault-Einsatzleiter Remi Taffin erklärt, warum ein Wissens-Transfer von Mercedes zu Honda unvermeidbar ist und wieso er keine Angst vor den Japanern hat

(Motorsport-Total.com) - Während Renault, Mercedes und Ferrari längst an ihren Triebwerken für die große Motorenrevolution 2014 arbeiten, steigt Honda ein Jahr später in die Formel 1 ein. Der Zeitpunkt sorgt für Aufruhr, denn Honda-Partner McLaren kommt somit zunächst in den Genuss des neu entwickelten Mercedes-1,6-Liter-V6-Turbomotors, ehe man im Jahr darauf wechselt. Dadurch gewinnen die Japaner ein Jahr Entwicklungszeit und können sich die Konkurrenzprodukte ansehen, bevor man selbst die Karten auf den Tisch legt. Zudem muss Mercedes befürchten, dass Honda über McLaren an Daten des in Brixworth entwickelten Aggregats herankommt, das derzeit in der Branche als Referenz gilt.

Renault-Einsatzleiter Remi Taffin sieht Mercedes in einer schwierigen Lage

Dies bestätigt nun auch Remi Taffin, Einsatzleiter bei Motorenhersteller Renault. Er glaube zwar, dass McLaren um Vertraulichkeit bemüht sei und mit Noch-Partner Mercedes bis zum Ende der Zusammenarbeit 2014 fair umgehen werde, "dennoch vergisst man am Ende einer Zusammenarbeit nicht alles, was man gelernt hat. Es handelt sich ja um Konkurrenten, daher wird man das Maximum herausholen."

Wo zieht Mercedes die Grenze?

Für den Franzosen ist daher klar: "Honda wird davon profitieren, dass McLaren 2014 einen Mercedes-Motor einsetzt." Mehr als das "geistige Eigentum" könnten die Stuttgarter nicht schützen: "Sie werden keinen Zugang zu Zeichnungen, Software und so weiter gewähren." Ihm ist bewusst, dass eine derartige Übergangsphase für Mercedes eine Gratwanderung darstellt, die einige Fragen aufwirft: "Wo ist die Grenze, wenn es um die Arbeit mit dem Team geht? Soll ich ihnen diese Software, diese Informationen geben? Oder soll ich ihnen so viel wie möglich vorenthalten? Das ist sehr schwierig."

Man könnte zwar laut Taffin sagen, "Dieses Jahr kriegt ihr diesen Motor und die Mitarbeiter, und ihr müsst euch darum kümmern. Das ist das Paket für das erste Rennen, und es wird sich im Laufe der Saison nicht verändern", dennoch werde Honda in jedem Falle profitieren. Die Frage sei bloß, "in welchem Ausmaß". Mercedes müsse nun abwägen, was wichtiger ist: das eigene Unternehmen zu schützen oder konkurrenzfähig zu sein. "Das ist eher eine Frage des Unternehmensgeistes, wie man damit umgeht", sagt der Renault-Einsatzleiter.

Taffin: Späterer Einstieg Hondas kein Vorteil

Dass es für Honda auch in Hinblick auf die Entwicklung des neuen Motors ein Vorteil ist, erst 2015 einzusteigen, glaubt Taffin inzwischen nicht mehr, auch wenn er zunächst dieser Ansicht war. "Sie werden sehen, was los ist, was wir gemacht haben. Sie können sich die Technologie ansehen, die wir einsetzen. Sie können sich Angestellte ansehen, mit denen wir gearbeitet haben", zählt er Vorteile eines späteren Einstiegs auf.

"Es geht nicht nur darum, welche Technologie man einsetzt, sondern auch wie man sie in das Chassis integriert." Remi Taffin

Er sei zwar der Meinung, dass ein späterer Einstieg aus der Sicht von Honda die richtige Entscheidung sei, glaubt aber nicht, dass man dadurch gegenüber Renault & Co. im Vorteil ist. "Wir haben den Vorteil, dass wir Kunden haben, dass wir Formel-1-Autos einsetzen", erklärt er. "Sie werden uns dabei helfen, das Aggregat richtig einzubauen. Es geht nicht nur darum, welche Technologie man einsetzt, sondern auch wie man diese Technologie in das Chassis integriert und wie man dann das Auto schnell macht. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Bereich einen Vorteil haben werden. Das heißt aber nicht, dass man eine schlechte erste Saison haben wird, wenn man 2015 einsteigt."

Tests überbewertet?

Auch die Tatsache, dass die Testbeschränkungen für Honda 2014 nicht gelten, weil man derzeit nicht in der Formel 1 aktiv ist, sieht er nicht als entscheidender Vorteil. 90 Prozent der Arbeit finde ohnedies bereits auf den Prüfständen statt, bei den Streckentests, die nur zehn Prozent ausmachen, gehe es nur darum, ob in Hinblick auf den Einbau des Triebwerks alles in Ordnung sei.

"90 Prozent der Arbeit findet auf den Prüfständen statt." Remi Taffin

Man überprüfe, ob die Temperaturen in den erwarteten Bereichen liegen - auch der "Energie-Haushalt" des Motors spiele eine besondere Rolle. Taffin rechnet damit, dass man vor allem in diesem Bereich in der Anfangsphase noch große Fortschritte machen wird - "vom ersten Test bis zum zehnten oder 15. Rennen des Jahres".

Entwicklungs-Einfrierung könnte sich auf Honda auswirken

Das Entwicklungsrennen soll aber auch in der neuen V6-Turbo-Formel im Laufe der Zeit zunehmend eingebremst werden - eine komplette Einfrierung, wie sie derzeit in der Formel 1 vorherrscht, ist das Ziel. "Wir werden bereits im ersten Winter des neuen Reglements Einschränkungen haben - Winter für Winter wird es kleinere Updates geben", erklärt Taffin.

"Es ist einfacher, wenn man 2014 oder 2015 einsteigt." Remi Taffin

Inwiefern diese Regelung auch Honda in der Anfangsphase betreffen wird, ist derzeit noch unklar. Es werde noch besprochen,"was Honda tun darf", sagt der Franzose. Die Einfrierung der Motorenentwicklung könnte sich seiner Meinung in den kommenden Jahren negativ auf das Interesse anderer Hersteller auswirken: "Es ist einfacher, wenn man 2014 oder 2015 einsteigt, denn wenn die Regeln beibehalten werden, dann ist 2016 und 2017 alles eingefroren."

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