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Pulitzer-Preisträger bringt Russland-Thema wieder auf

Ein weißrussischer und ein anglo-amerikanischer Journalist brachten in der FIA-Pressekonferenz in Sotschi das Thema Russland und Politik wieder auf den Tisch

(Motorsport-Total.com) - In der FIA-Teamchef-Pressekonferenz am Freitag in Sotschi sorgte ein weißrussischer Journalist für Stirnrunzeln, als er Marco Mattiaco & Co. die Frage stellte, warum die Massenmedien (gemeint vermutlich die westlichen) ein sehr negatives Image von Russland zeichnen und wer dafür warum instrumentalisiert wird. Denn die Teamchefs hätten letztendlich selbst zu diesem Image beigetragen.

Eric Boullier, Monisha Kaltenborn, Franz Tost, Marco Mattiacci, Graeme Lowdon, Christian Horner

Die von der FIA organisierte Teamchef-Pressekonferenz am Freitag in Sotschi Zoom

Aufgrund des verurteilenden und wertenden Charakters der Fragestellung blickten die angesprochenen Teamchefs zunächst etwas ratlos, Mattiacci gab dann aber doch eine Antwort: "Das ist eine Frage an das falsche Publikum. Wir sind Teamchefs, nicht Medienmogule. Es ist nicht meine oder unsere Aufgabe, zu rechtfertigen, welche Themen die Presse setzt. Wir befinden uns hier in einer sehr schwierigen Zeit, wollen ein ordentliches Rennen zeigen. Die Tendenz der Medien könnte mir momentan gar nicht mehr egal sein."

Nach einigen Minuten, in denen das Thema ruhte, kam die Sprache noch einmal darauf, diesmal allerdings weniger provokant formuliert. John Burns, ein hochangesehener Journalist der 'New York Times' und zweimaliger Gewinner des Pulitzer-Preises (1993 und 1997), stellte die Frage anders: "Einer meiner Kollegen hat die sehr schwierige Frage der Einstellung der Medien gegenüber Russland zur Sprache gebracht. Ich muss übrigens sagen, dass das überhaupt nicht widerspiegelt, was ich in der westlichen Presse lese."

Journalist versucht intelligente Fragestellung

"Auf Basis dieser Beobachtung", so Burns weiter, "möchte ich Ihnen eine hoffentlich besser modulierte Frage dazu stellen, ob hier ein Rennen gefahren werden sollte oder nicht. Es ist ziemlich offensichtlich, dass es starke Beweggründe dafür gab, hier zu fahren - jeder, der etwas anderes behauptet, ist meiner Meinung nach nicht besonders intelligent. Aber gleichzeitig stellt sich die Frage: Hat der Sport ein Bewusstsein? Können es sich Menschen wie Sie leisten, sich überhaupt auf eine solche Debatte einzulassen?"

"Ich bitte Sie nicht darum, das Rennen hier zu rechtfertigen oder sich Meinungen wie jener von Ari Vatanen anzuschließen, der das anders sieht, aber ich wäre interessiert daran, einen oder mehrere von Ihnen dazu Stellung nehmen zu hören, wie die Schwierigkeiten, die unweigerlich entstehen, gelöst werden könnten - und zwar nicht nur hier. Wir hatten das Thema in Bahrain, das Thema wird auch woanders wieder auftauchen. Ich bin daran interessiert, was in Ihren Köpfen dazu vorgeht."


Fotostrecke: Track-Run in Sotschi

Und Burns betonte noch einmal, um den Teamchefs nicht den Eindruck zu vermitteln, er wolle sie an den Pranger stellen: "Ich bitte Sie nicht darum, das Rennen zu rechtfertigen - ich halte das für albern -, sondern ich frage Sie, bis zu welchem Grad Sie es sich überhaupt leisten können, diese Themen untereinander zu diskutieren, oder auch vor uns (den Medien; Anm. d. Red.). Ich hoffe, dass das eine intelligente Art und Weise ist, diese Frage zu stellen."

Trotz der intelligent formulierten Fragestellung fiel Red-Bull-Teamchef Christian Horner wieder in das altbekannte Repertoire mit Standardantworten zurück, das die Offiziellen fast gebetsmühlenartig auspacken, wenn das Thema Russland zur Sprache kommt. Sinngemäß: Wir Teams sind Teilnehmer an einem Sport, der Rennkalender wird von Bernie Ecclestone und der FIA gemacht, und denen müssen wir vertrauen. Und: "Wir sehen uns nicht politisch, sondern als reines Sportteam."

Tost bekennt sich klar zu Russland-Grand-Prix

Sein Toro-Rosso-Kollege Franz Tost äußerte sich anschließend schon etwas deutlicher, übte aber keine Kritik am Russland-Rennen, sondern gab im Gegenteil ein klares Russland-Bekenntnis ab: "Die großen Veranstaltungen", so der Österreicher, "werden immer kritisiert, seien es die Olympischen Spiele oder die Fußball-Weltmeisterschaft. Es gibt immer negative Stimmen. Ich halte das schlicht und einfach für ungerechtfertigt."

"Wir sollten uns auf unsere Aufgabe konzentrieren. Wir machen Formel 1. Wir sind verantwortlich für Unterhaltung. Die Menschen wollen am Sonntagnachmittag ein interessantes Rennen sehen. In die politische Seite mischen wir uns nicht ein - und das sollten wir auch nicht. Denn wenn wir uns einmal in diese Ecke drängen lassen, können wir nirgendwo mehr fahren", sagte Tost.

Denn: "Es gibt Probleme in Arabien, es gibt vielleicht Probleme in Brasilien, es gibt auch in Europa Probleme. Es gibt Probleme in China, es gibt Probleme in Russland. Ehrlich gesagt ist mir das egal. Das Einzige, was mich interessiert, ist, dass wir ein schnelles Auto haben. Der Rest ist Politik. Wir sind hier, um Sport zu machen, für die Unterhaltung. Das ist alles."

Burns' eigentliche Frage, ob es sich die Teamchefs überhaupt leisten können, offen auf politische Themen einzugehen, blieb unbeantwortet.

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