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  • 19.08.2011 · 13:52

  • von Christian Nimmervoll & Dieter Rencken

Pollock: Hersteller als PURE-Partner denkbar

Craig Pollock kann sich vorstellen, mit einem Automobilhersteller zusammenarbeiten, und ärgert sich über den Wechsel von R4- auf V6-Turbos

(Motorsport-Total.com) - Der frühere Manager von Jacques Villeneuve und Teamchef von BAR, Craig Pollock, möchte 2014 als Motorenhersteller ein Comeback in der Formel 1 geben. Gemeinsam mit Ex-Renault-Mastermind Christian Contzen hat er dafür PURE auf die Beine gestellt. Allerdings geht es Pollock keineswegs nur um das Wohl des Sports, obwohl er von Bernie Ecclestone gebeten wurde, das Projekt zu initiieren.

Craig Pollock

Craig Pollock kann sich vorstellen, weitere Partner an Bord zu holen

"Bernie hat mir am 25. August 2009 einen handsignierten Brief geschrieben und mich gebeten, für die Zukunft die Lieferung von Motoren zu gewährleisten", erinnert sich der Brite im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. "Er schlug auch vor, dass ich eine Firma wie Renault kaufen sollte." Ein Plan, der tatsächlich zunächst sondiert, dann aber fallen gelassen wurde, als Gerard Lopez mit Genii Capital in der Post-Briatore-Ära den Scherbenhaufen in Enstone übernahm.

"Also habe ich mich entschieden, mit Christian Contzen unser eigenes Ding zu machen, Investoren zu finden und einen komplett unabhängigen Motorenhersteller zu gründen", so Pollock. Das Projekt sei "privat finanziert" und Gerüchten zufolge kommen die Gelder aus dem Mittleren Osten, Genaueres will der PURE-Chef im Moment aber nicht verraten. Klar ist jedoch, dass er mit dem Projekt in erster Linie Geld verdienen will.

Projekt auf Ecclestones Bitte initiiert

Ecclestone hatte 2009 offenbar Angst, dass die Motorenlieferanten knapp werden könnten, nachdem sich Honda, BMW und Toyota zurückgezogen hatten. PURE gilt für die Zukunft (ähnlich wie Cosworth) als unabhängige Alternative zu den Werken Ferrari, Mercedes und Renault. Die bieten ihre Triebwerke derzeit um geschätzte acht Millionen Euro Leasinggebühr pro Saison an - ein Preis, der für Pollocks Businessplan offenbar zu niedrig ist.

"Reden wir Klartext: Niemand kann eine Firma, die in einen Sport einsteigt, einschränken und sagen, dass sie für die Lieferung von Motoren maximal acht Millionen Euro verlangen darf", kritisiert er den von der FOTA festgelegten Richtpreis für das Motorenleasing. "Keine Firma der Welt steigt in ein Business ein, um Verlust zu machen." Bei einem Meeting in Silverstone, bei dem über Kostenkontrolle diskutiert wurde, sei ihm daher "regelrecht schwindlig" geworden.

¿pbvin|512|3981||0|1pb¿Für PURE habe er bereits einen konkreten Businessplan, Details will er aber nicht verraten. Pollock schließt jedoch keineswegs aus, einen starken Partner an Bord zu holen: "Wir schauen uns Hersteller an, wir schauen uns auch andere Bereiche an." Sprich: PURE könnte die Motoren entwickeln und produzieren, aber unter einem anderen Branding auftreten - ähnlich wie früher Mecachrome die Motoren für Benetton unter dem Namen Playlife gebrandet hat.

Mecachrome ist übrigens einer der Technologiepartner von PURE, ebenso wie das französische Energie-Innovationsunternehmen IFP, das PURE im KERS-Hybridbereich unterstützen wird: "Wir werden KERS im Haus fertigen", erklärt Pollock. "IFP arbeitet schon seit 15 Jahren an KER-Systemen, aber wir haben selbst auch Expertise. Vergiss nicht, dass Gilles Simon das Ferrari-KERS entwickelt hat, das das beste im Paddock ist."

Pollock und die FIA...

Mit Simon hat Pollock zur Verärgerung mancher Konkurrenten einen FIA-Geheimnisträger verpflichtet. Dennoch ist er auf die FIA nicht gut zu sprechen, denn die Entscheidung, nicht schon 2013 einen R4-, sondern erst 2014 einen V6-Turbo anstatt der aktuellen V8-Sauger einzuführen, kostet PURE eine Menge Geld: "Wir haben eine Mitarbeiterbasis, die wir nun ein zusätzliches Jahr lang bezahlen müssen. Das sind erhebliche Kosten."

"Als die Vierzylinder-Regel geändert wurde, war das wie in Schlag ins Unterteil", ärgert sich Pollock. "Ich habe mich gefragt, wie eine einstimmige Entscheidung des Motorsport-Weltrats rückgängig gemacht werden kann. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas möglich ist, aber wir sind in der Formel 1 und da kann so etwas anscheinend passieren." Nachsatz: "Das ist übrigens schon das zweite Mal, dass mir so etwas passiert..."

¿pbvin|512|3976||0|1pb¿"Das erste Mal war, als wir mit British American Tobacco ein doppeltes Branding mit einem Lucky-Strike- und einem 555-Auto hatten", erinnert er sich an den Formel-1-Einstieg von BAR. "Dass das verboten ist, stand nicht in den Regeln, und ich wurde von BAT unter Druck gesetzt, die FIA zu verklagen. Wir haben das getan und verloren, obwohl nichts in den Regeln stand." Die FIA noch einmal zu verklagen, zieht er daher "auf keinen Fall" in Betracht.

Durch die Regeländerung und die FOTA-Vorgabe, pro Jahr maximal acht Millionen Euro von jedem Kunden zu verlangen, ist die Finanzierung ein heikles Thema. Pollock stellt daher klar, dass er das Projekt im Zweifel nicht auf Biegen und Brechen umsetzen würde: "Wenn wir Anfang 2013 noch immer keine festen Kunden hätten, dann würde das ein großes Fragezeichen aufwerfen." Aber bis dahin bleiben ja noch eineinhalb Jahre Zeit...

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