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  • 27.09.2004 · 12:10

Mercedes und Ecclestone machen gemeinsame Sache

Bei einem Gipfeltreffen berieten DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Hubbert und Bernie Ecclestone über die Formel-1-Zukunft

(Motorsport-Total.com/sid) - Nach dem Ausstieg des Automobilkonzerns Ford ist die Zukunft der Formel-1 ernsthaft gefährdet. Das war das Ergebnis eines Gipfeltreffens zwischen DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Hubbert und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone in Schanghai. "Zunächst einmal hoffe ich, dass es weitergeht. Die Entwicklung, die wir in diesen Tagen erleben, ist natürlich nicht sonderlich erfreulich", sagte Hubbert dem Fernsehsender 'RTL'.

Hubbert und Ecclestone

Hubbert und Ecclestone trafen sich in Shanghai zu Gesprächen

Nach Jaguar droht auch den finanzschwachen Rennställen Minardi und Jordan das Aus, denn beide werden von der Ford-Tochterfirma Cosworth mit Motoren beliefert. Hubbert: "Dies würde bedeuten, dass es möglicherweise im nächsten Jahr weniger Autos gibt als zurzeit, was die Attraktivität nicht gerade erhöht." Im schlimmsten Fall würden nur noch 14 Formel-1-Boliden um die Wette fahren. Um die Formel 1 zu retten, müssten die reichen Teams wohl drei Autos einsetzen.#w1#

Ecclestone nur noch nächstes Jahr Chef der Formel 1?

Ecclestone, der mit der Formel 1 Milliarden verdient hat, hofft auf bessere Zeiten: "Ich weiß nicht, wie die Regeln aussehen werden und wer als Team noch dabei sein wird. Es werden vielleicht einige Teams ausscheiden, man weiß nie. Wenn man so alt ist wie ich, dann kann man nicht so viele Jahre vorausdenken", meinte der 73-Jährige, dessen Tage als "Diktator der Königsklasse" offenbar gezählt sind: "Ich hoffe, ich bin nächstes Jahr wenigstens noch dabei."

Hubbert versicherte nach dem Gespräch mit Ecclestone, dass sich beide Seiten sehr bewusst über diese Entwicklung seien. Deshalb habe man nun miteinander diskutiert, welche gemeinsamen Chancen bestünden. Der DaimlerChrysler-Vorstand weiß natürlich auch: "Es ist schwierig. Es gibt die FOA, es gibt die Shareholder, es gibt die Hersteller, es gibt die Teams. Das unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach."

Mercedes: "Uns liegt an diesem Sport außerordentlich viel"

Daher wolle er jetzt gemeinsam mit Ecclestone versuchen, Wege zu finden, sagte Hubbert: "Weil uns an diesem Sport außerordentlich viel liegt und weil er im Moment tatsächlich mit einigen Risiken behaftet ist." Worte, die dem Engländer zumindest Mut machen sollen: "Ich bin sicher auch deshalb zuversichtlich, weil ich weiß, wie viel Mercedes für die Formel 1 getan hat. Mit dieser Unterstützung können wir eigentlich nicht verlieren", sagte Ecclestone.

Um die Kosten zu senken, hat FIA-Präsident Max Mosley den Teams einen radikalen Sparkurs verordnet. Der Brite will 2,4-Liter-Autos mit V8-Motoren. Dagegen laufen die Rennställe Sturm, weil die Formel 1 damit kaum billiger würde. Die kleinen Teams dürften bald alle von der Bildfläche verschwunden sein, da sie bei all dem Wettrüsten auf der Strecke bleiben. Toyota hat nahezu unbegrenzte Mittel zur Verfügung, investiert jährlich mehr als 400 Millionen Euro, Minardi dagegen muss mit etwa einem Zehntel davon über die Runden kommen - und ist derzeit auch nicht viel langsamer als der scheinbar übermächtige Rivale...