powered by Motorsport.com

McNish: Red Bull hat Kwjats Formel-1-Einstieg erst ermöglicht

Ex-Formel-1-Pilot Allan McNish glaubt nicht an einen Verbleib von Daniil Kwjat beim Red-Bull-Konzern und erklärt die knallharte Arbeitsweise im Nachwuchsprogramm

(Motorsport-Total.com) - Die Formel-1-Welt wurde am Donnerstag nach dem Russland-Grand-Prix von der Nachricht aus dem Red-Bull-Lager überrascht: Daniil Kwjat wird ab sofort wieder bei Toro Rosso fahren, Max Verstappen wird den Russen bei Red Bull ersetzen. Helmut Marko sprach im exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com' von keiner "Hinrichtung" Kwjats, die Maßnahme würde gleich mehrere interne Probleme auf einen Schlag lösen, so der Österreicher.

Daniil Kwjat

Quo vadis, Daniil Kwjat? Der Russe wird es in Zukunft schwer haben in der Formel 1 Zoom

Kwjat muss nach eineinhalb Jahren in der A-Mannschaft nun also wieder zurück in die zweite Reihe. Der erhoffte Durchbruch an der Seite von Grand-Prix-Sieger Daniel Ricciardo ist dem 22-Jährigen nicht gelungen. Doch genau dies war die Grundlage für sein Engagement, wie Ex-Formel-1-Pilot Allan McNish in seiner 'BBC'-Kolumne erläutert.

Der Brite behauptet, dass das Red-Bull-Juniorprogramm, das unter der Leitung von Helmut Marko steht, darauf aus ist, den nächsten mehrfachen Weltmeister, und damit den nächsten Sebastian Vettel, hervorzubringen: "Von Beginn an waren sie skrupellos. Es macht keinen Unterschied, ob man sich mitten in der Saison oder am Ende befindet, mitten in einem Vertrag oder am Ende davon, wenn sie merken, dass jemand nicht zu dieser elitären Gruppe gehört, suchen sie nach anderen Optionen."

Red Bulls modus operandi: Knallhart, aber fair

Dies wurde nun deutlich. Doch McNish verteufelt das Programm nicht. Er greift auch positive Aspekte heraus: "Man muss zugeben, dass Red Bull jungen Fahrern eine Möglichkeit bietet. Sie haben Kwjat aus der GP3 geholt und ihn 2014 gleich in die Formel 1 gesteckt, weil sie glaubten, dass er der nächste, vielversprechendste junge Fahrer in ihrem Programm ist." Kwjat bekam zuerst den Platz bei Toro Rosso neben Jean-Eric Vergne, wurde aber schon ein Jahr darauf - nach dem Abgang von Sebastian Vettel - in das Top-Team geholt.


Fotostrecke: Die Formel-1-Karriere des Max Verstappen

"Keine Fragen, keine Überlegungen. Es hieß: 'Hier, da ist deine Chance. Zeig uns, ob du's drauf hast'. Ein Teil von Red Bulls modus operandi ist, Leuten unter manchmal schwierigen Bedingungen eine Chancen zu geben, um zu sehen, wie sie damit umgehen", erläutert der Schotte. Nun bekommt etwas überraschend Max Verstappen seine Chance, sich in einem Top-Auto zu beweisen. Für den 18-Jährigen, der stark von Ferrari und Mercedes umworben wurde, eine harte Probe. Er selbst freut sich aber darüber.

Kwjat braucht "großartiges Comeback"

Kwjat, der vor zwei Wochen mit seinem Podium in China noch für Freude bei den Bullen gesorgt hat, wurde nun infolge seines Harakiri-Manövers gegen Sebastian Vettel in der Startphase in Sotschi aussortiert. McNish hatte den Anschein, als hätte sich der Russe in den vergangenen Rennen etwas sortiert, aber "er braucht ein bisschen mehr Zeit, um in den Rhythmus zu kommen - etwas, das du bei Red Bull nicht bekommst."


Fotostrecke: Red-Bull-Junioren in der Formel 1

Für die Zukunft des jungen Talents sieht der Langstrecken-Weltmeister wenig Hoffnung. "Die Möglichkeit besteht, dass er bei keinem der beiden Red-Bull-Teams im nächsten Jahr sein wird. Sie haben anderen junge Fahrer, die an die Tür klopfen, wie der Franzose Pierre Gasly, und ich erwarte, dass man ihn anstelle von Kwjat bei Toro Rosso einsetzt."

Auch die russische Fahrermanagerin Oksana Kossatschenko, die früher die Agenten von Witali Petrow gemanagt hat, glaubt nicht an eine Rückkehr von Kwjat zu Red Bull: "Ich bezweifle es." McNish weiß, was er nun tun muss, um seine Formel-1-Karriere zu retten: "Ein großartiges Comeback schaffen. Nicht jedes Rennen kann toll werden, aber es sind die Jungs, die die Fähigkeit haben, Dinge zu ändern, die Durchhaltevermögen beweisen."