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  • 23.10.2005 · 11:45

Marmorini: Neues Reglement als Innovationsbremse

Toyotas Technischer Direktor Motor über die Auswirkungen der langlebigen Motoren und der Wunsch nach sparsamen Triebwerken

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Wie groß war die Herausforderung dieses Jahres aufgrund der Zwei-Rennen-Motorenregel?"
Luca Marmorini: "Es war hart, auch wenn die Ergebnisse aller Teams sehr beeindruckend waren."

Toyota

Der Toyota-Motor gehörte 2005 zu den zuverlässigsten Aggregaten

Frage: "Was waren die besonderen Highlights der Saison in Bezug auf die Ergebnisse?"
Marmorini: "Rein in Bezug auf die Ergebnisse waren die Rennen in Malaysia und Bahrain unglaublich. Toyota-Autos in der vorderen Reihe der Startaufstellung zu sehen, war schon besonders genug, sie aber dann auch auf dem Podium zu sehen, war eine wirklich befriedigende Ansicht für das gesamte Team."#w1#

Frage: "Haben diese frühen Ergebnisse einen Effekt auf die Moral des Teams gehabt?"
Marmorini: "Als ich am Montagmorgen nach dem Rennen in die Fabrik kam, da konnte man in den Gesichtern aller sehen, dass die Podiumsergebnisse zu einer großen moralischen Motivationsspritze geführt haben. Egal wie die Ergebnisse aussehen, wir geben immer unser bestes, aber wenn man auf dem Podium ins Ziel kommt, dann fällt es einem immer leichter, sogar noch mehr zu geben."

Frage: "Hattest du noch irgendwelche Nerven übrig, als die ersten beiden Rennen in Australien und Malaysia vorbei waren, wo der Motor zum ersten Mal zwei Rennwochenenden in Folge überstehen musste?"
Marmorini: "Um ehrlich zu sein, ja. Ich hatte das Vertrauen in die Arbeit meines Teams, die in den Motor geflossen ist, dass er in den ersten Rennen so zuverlässig und konkurrenzfähig wie möglich sein würde."

"Aber als wir dem Ende des Malaysia-Grand-Prix näher kamen, Jarno Zweiter und Ralf Fünfter war, da begann ich etwas nervös zu werden und ich gebe zu, dass ich die verbleibenden paar Runden mit gemischten Gefühlen verfolgt habe, was sich aber in Glückseligkeit verwandelte, als die Fahrer die karierte Flagge erreichten."

Frage: "Hattet ihr während der Saison irgendwelchen größeren Probleme?"
Marmorini: "Ich kann nicht ins Detail gehen, aber sicherlich haben wir in diesem Jahr gelernt, dass die Qualität der Teile bei einem langlebigeren Motor eine sehr ernste Angelegenheit sind. In der Vergangenheit hatte man neue Komponenten, designte sie, testete sie und dann war alles okay. Bei einem 400-Kilometer-Motor war man auf der sicheren Seite."

"Aber mit einer viel längeren Laufzeit haben wir herausgefunden, dass die Qualität auf einem viel höheren Niveau kontrolliert werden muss. Longruns über 1.500 Kilometer fahren zu können, heißt eine Menge. In der Vergangenheit konnten wir einen Motor in einem Tag überprüfen, aber nun braucht es manchmal eine Woche, um ihn zu überprüfen. Und ein Motor bietet keine statistische Basis, man muss mindestens zwei testen. Die Reaktionszeit wurde dadurch sehr langsam und das war eine große Veränderung."

"Das sorgte in Bezug auf die Kreativität für viel Trägheit, denn in der Vergangenheit waren wir in Bezug auf die Einführung neuer Dinge viel aggressiver. Wir hatten von an Beginn an mit einem Teil ein Problem, das wir von Anfang an verwendeten und kämpften die ganze Saison damit, es aus der Welt zu schaffen."

Frage: "Wie wichtig war die Sparsamkeit beim Benzinverbrauch?"
Marmorini: "Daran haben wir viel gearbeitet. In manchen Rennen verwendeten wir den Motor mit einem extremen Mapping, um in der Lage zu sein, am Ende eines Rennabschnitts zwei oder drei zusätzliche Runden zu fahren. Die typische Optimierung während der Entwicklung eines Motors basiert auf der Verbesserung des spezifischen Benzinverbrauchs."

"Normalerweise spricht man von kleinen Spielräumen, denn ein oder zwei Prozent sind viel und die Art und Weise, wie man das Benzin im Verlauf einer Runde nutzt, ist viel bedeutender. Man kann so bis zu zehn Prozent einsparen, also haben wir vor allem auf der Strecke gearbeitet und auf dem Prüfstand nur geschaut, ob es eine Auswirkung auf die Zuverlässigkeit gibt."

"Man möchte den Benzinverbrauch immer senken - das ist das Ziel eines Motorenmanns. Aber es bringt keinen großen Vorteil. Wenn wir davon reden, dass wir am Ende eines Zehn-Runden-Rennabschnitts eine Runde mehr drehen können, dann entspricht das einer Einsparung von zehn Prozent."

Frage: "Wie sehr variiert ihr das Benzin-Mapping und wie wirkt sich das auf die Leistung aus?"
Marmorini: "Uns stehen eine Menge Mappings zur Verfügung. Typischerweise gibt es eines für maximale Umdrehungen und Leistung und dann haben wir auch an einem in Bezug auf den Benzinverbrauch gearbeitet."

"Dieses reicht von einem Mapping, wo man zum Beispiel nur etwas Benzin spart und vielleicht einen Kompromiss von einer Zehntelsekunde pro Runde eingeht bis zu einem sehr extremen, wo man bis zu zehn Prozent spart, aber einen großen Kompromiss in Bezug auf die Rundenzeit eingehen muss."

"Manchmal kommt es vor, dass ein Fahrer einem anderen Auto folgt und nicht überholen kann, aber dann sind wir in der Lage, bei einem Boxenstopp eine zusätzliche Runde zu fahren. Wir haben verschiedene Setups, die alle unter der Kontrolle des Fahrers stehen. Ralf und Jarno waren beide sehr brillant beim Managen dieser Einstellungen, zum Beispiel wenn es darum geht, auf den Benzinsparmodus umzustellen. Wer weiß auch besser als sie, wie viel Leistung sie in einem bestimmten Moment brauchen?"

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