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Manor-Chefs auf Abschiedstour: "Abu Dhabi letztes Rennen"

Manor-Marussia-Sportdirektor Graham Lowdon und Teamchef John Booth bestätigen ihre Kündigung, wollen sich trotz Gerüchten aber im Guten verabschieden

(Motorsport-Total.com) - In der Startaufstellung waren sie in diesem Jahr eher Dekoration und an ernsthafte sportliche Herausforderung war kaum zu denken. Was Manor-Marussia in diesem Jahr geschafft hat, ist dennoch eine kleine Erfolgsstory. Aus der Asche der Insolvenz Ende 2014 haben sie ein funktionierendes, wenn auch noch nicht konkurrenzfähiges, Team wiederaufstehen lassen, dessen Zukunft mit dem Mercedes-Deal für 2016 rosig aussieht. Der Abschied der Führungsriege kommt daher überraschend.

John Booth

Graeme Lowdon und John Booth streichen ihre Segel in bei Manor-Marussia Zoom

"Die Reaktionen, die wir bekommen haben, seitdem die Gerüchte in Umlauf kamen, waren sehr warmherzig", ist Teamchef John Booth gerührt, während Sportdirektor Graeme Lowdon bestätigt: "Ja, Abu Dhabi wird mein letztes Rennen mit dem Team sein." Den Gerüchten über ein Zerwürfnis mit dem Investor und finanziellen Retter des Teams, Stephen Fitzpatrick, wollen beide aber aus dem Weg gehen.

Man munkelt, der britische Geschäftsmann würde Entscheidungen über die Köpfe der sportlich Verantwortlichen hinweg treffen und das Team ohnehin schnellstmöglich gewinnbringend wieder verkaufen wollen. Dazu passt das Interesse des US-Amerikanischen Promoter Tavo Hellmund an der Übernahme des Teams.

Keine Kritik an Investor

"Stephen nimmt regen Anteilen an der Formel 1", versucht Booth gegenüber der 'BBC' aber die Wogen zu glätten. "Er war sein ganzes Leben lang schon interessiert und hat das Team im Januar gerettet. Er hat großes Interesse am Team und versucht sich so gut er kann zu beteiligen, obwohl er ein vielbeschäftigter Mann ist."


Fotos: Manor-Marussia, Großer Preis von Brasilien


"Wir sind jetzt hier und haben einen Businessplan, der uns überleben lässt. Wir geben nicht mehr aus, als wir haben", rechnet er Fitzpatrick an. Auch die Verkaufsabsichten hält der Teamchef für übertrieben: "Ich bin sicher, dass das nicht sein Motiv war. Es wäre ja auch ein Wunder, wenn man in die Formel 1 käme, und sofort Geld daraus schlagen könnte. Meist ist es ja eher umgekehrt."

Lowdon blickt derweil auf die Errungenschaften der vergangenen 12 Monate zurück: "Wir mussten in der vergangenen Saison aufhören, bevor sie zu Ende war und waren im vergangenen Jahr gar nichts in Abu Dhabi. Wir mussten deswegen viel harte Arbeit und Herzblut reinstecken. Das ist alles ziemlich gut dokumentiert: Ab dem 7. November 2014 war die Belegschaft arbeitslos und die Dinge sahen zu der Zeit ziemlich dunkel aus. Meiner Meinung nach sind Formel-1-Teams aber ein Gebilde ist, das den Aufwand wert ist. Ich habe den Glauben in dieses Team nie verloren."

Lowdon wird rührselig

Auf seiner Abschiedstour während des bevorstehenden Grand Prix von Brasilien und dem Finale in Abu Dhabi in zwei Wochen, zeigt sich der Brite aber auch demütig: "Wir hatten auch viel Hilfe. In der Phase von November bis Januar haben uns auch Bernie Ecclestone und Jean Todt sehr unter die Arme gegriffen. Auch Ferrari hat nicht nur dabei geholfen, dem Team das Überleben zu sichern und einen kurzfristigen Motoren-Deal zustande zu bekommen. Wir haben zum Beispiel auch von James Allison, der eine sehr wichtige und öffentliche Rolle bei Ferrari spielt, viel Unterstützung erhalten."

"Es sind viele Dinge zusammen gekommen", schließt Lowdon ab. "Es war zwar eine sehr schwierige Saison, aber das wichtigste war, dass wir wieder Rennen fahren konnten." Ab der kommenden Saison muss das Team das ohne Lowdon und Booth hinbekommen. Wer die beiden ablösen könnte, ist noch nicht bekannt.