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Magnussen: "Führe keinen Rachefeldzug gegen McLaren"

Renault-Pilot Kevin Magnussen hat das Kapitel McLaren abgeschlossen, kann sich aber einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Renault ist ein viel entspannteres Team"

(Motorsport-Total.com) - In der Formel 1 kann sich eine Situation rasend schnell drehen. Diese Erfahrung mussten zu Beginn des Jahres Pastor Maldonado und Kevin Magnussen machen. Maldonado war dank der PDVSA-Millionen aus seiner Heimat Venezuela bei Lotus beziehungsweise Renault gesetzt. Nun ist Venezuela eines jener Länder, die unter dem tiefen Ölpreis leiden, der Staat steht vor dem Bankrott. Da PDVSA kein Geld mehr für die Formel 1 bereitstellt, musste Maldonado sein Cockpit im neuen Renault-Werksteam räumen. Anfang Februar stand fest, dass Kevin Magnussen dieses Auto bekommt.

Kevin Magnussen

Kevin Magnussen erhält bei Renault seine zweite Formel-1-Chance Zoom

Von Maldonado war seither wenig zu hören. Magnussen absolvierte in der vergangenen Woche seinen ersten Test für Renault und lernte das Team kennen. Mit seinen 23 Jahren hat der Däne schon die Höhen und Tiefen der Formel 1 kennengelernt. Bei seinem Debüt in Melbourne 2014 jubelte er auf dem Podium, doch nach einer schwierigen Saison musste bei McLaren Platz für Fernando Alonso machen. "Jetzt, nachdem ich einmal meinen Platz verloren habe, schätze ich es noch viel mehr", wird Magnussen von 'GPUpdate.net' zitiert. "Ich war noch nie so glücklich in der Formel 1 zu sein."

Nur wenige Fahrer schaffen nach einer Auszeit ein Comeback. Magnussen sah sich nach anderen Möglichkeiten um und wäre beinahe in der DTM gelandet. Anfang Dezember hatte er einen DTM-Mercedes getestet. Schon sein Vater Jan fuhr Mitte der 1990er-Jahre in der DTM beziehungsweise der ITC. Das Pech von Maldonado war gleichzeitig ein großer Glücksfall für Magnussen. Ansonsten hätte der Däne vermutlich nie wieder eine Formel-1-Chance erhalten.

Kevin Magnussen

Das Renault-Werksteam will langfristig zurück an die Formel-1-Spitze Zoom

"Wenn man ein Jahr nicht dabei ist, wird man sehr hungrig. Es war nicht leicht, die Autos vom Streckenrand zu beobachten. Es ist sehr gut, wieder dabei zu sein", freut sich Magnussen. Da Renault erst am Anfang eines langfristigen Projektes steht, herrscht beim Saisonauftakt kaum Druck. Niemand erwartet von Magnussen oder dessen Teamkollegen Jolyon Palmer, dass sie in Melbourne in der Spitzengruppe mitkämpfen. "Es ist ein großes Projekt, Renault hat große Ambitionen. Es ist wirklich der perfekte Platz für mich", will der Däne langfristig Erfolge feiern.

Kapitel McLaren abgeschlossen

Das Kapitel McLaren hat er abgeschlossen: "Ich habe den Platz wegen ungewöhnlicher Gründe verloren." Trotzdem ist sein Verhältnis zu der britischen Mannschaft in Ordnung. In der Boxengasse gibt es auch das eine oder andere Gespräch mit seinen ehemaligen Mechanikern. Obwohl McLaren ihm die erste Formel-1-Chance ermöglicht hatte, ist Magnussen im Laufe seiner bisherigen Karriere auch eng mit Renault verbunden.

Kevin Magnussen

2014 sammelte Kevin Magnussen in seiner ersten Saison 55 WM-Punkte Zoom

Magnussen fuhr zum Beispiel die Formel-Renault 2.0. Vor allem seine Erfolge und der Meistertitel (2013) in der Formel-Renault 3.5 stechen in seiner Vita hervor. Für Renault war Magnussen die logische Wahl als Ersatz für Maldonado. "Die Leute fragen mich, ob ich auf Rache aus bin", so Magnussen bei 'GPUpdate.net'. "Deshalb bin ich aber nicht hier. Ich bin hier, um Weltmeister zu werden. Daran arbeite ich, und nicht um McLaren zu schlagen. Wenn McLaren das beste Team ist, dann will ich sie natürlich schlagen. Sind sie das nicht, dann sind sie mir egal."

"Das Team schaut nur auf die Performance, und nicht ob das Auto oder der Boden glänzt." Kevin Magnussen

Als Motorenlieferant feierte Renault viele Erfolge. Mit 168 Siegen ist Renault hinter Ferrari und Ford die Nummer drei in der ewigen Bestenliste. Als Werksteam verpasste Renault in den 1980er-Jahren den WM-Titel knapp. Erst 2005 und 2006 konnte in der zweiten Phase der große Erfolg gefeiert werden. Nun steht die französische Marke zu Beginn der dritten Phase in der Formel 1. Das Vorbild sind die Erfolge von Fernando Alonso vor zehn Jahren.

Schon in seinem ersten Arbeitsmonat sind Magnussen einige Unterschiede zu McLaren aufgefallen: "Zunächst bemerkt man, dass die Leute hier viel glücklicher sind. Die Einstellung ist viel positiver und die Mitarbeiter haben mehr Vertrauen in das Team. Es ist ein entspannteres Team. Alle arbeiten hart und fokussiert. Alle konzentrieren sich auf die Performance. In der Formel 1 kann man sich vielen Dingen widmen, aber das Team schaut nur auf die Performance, und nicht ob das Auto oder der Boden glänzt", kann sich Magnussen einen Seitenhieb auf Ron Dennis nicht verkneifen.

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