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  • 30.07.2001 · 13:09

  • von Fabian Hust

Luciano Burti im Interview

Luciano Burti spricht ausführlich über seinen Horrorcrash auf dem Hockenheimring und sein schmerzhaftes Rennen

(Motorsport-Total.com/Haymarket) - Eigentlich ist Luciano Burti ein Fahrer, der nur selten im Medieninteresse steht aber in Hockenheim wurde der Brasilianer im wahrsten Sinne des Wortes zum "Aufsteiger", als er nach einem Auffahrunfall auf Weltmeister Michael Schumacher in die Luft abhob. Im Ersatzauto ging der 26-jährige aus Sao Paulo wieder ins Rennen und erntete dafür auf der ganzen Strecke von den Fans stehenden Applaus. Der Paulista lag gut im Rennen, bis ihn die Schmerzen seines angeschlagenen linken Armes von der Strecke rutschen ließen. Schon einmal erlebte Burti, der mitten in der Saison von Jaguar zu Prost gewechselt war, einen üblen Schreckmoment, als er nach einem Bremsdefekt in Monaco heftig in der St. Dévote einschlug.

Luciano Burti

Böser Schreckmoment: Luciano Burti steigt über Michael Schumacher auf

Frage: "Was ist passiert?"
Burti: "Man konnte das ja im Fernsehen ganz gut sehen. Ich hatte einen Jordan zu meiner Linken und ich glaube einen BAR zu meiner Rechten - ich weiß nicht genau - und es war auch jemand vor mir. Das Auto vor mir konnte im letzten Moment den Aufprall mit Michael verhindern und als ich ihn sah, war es bereits zu spät. Da ich ein paar Autos neben mir hatte, hatte ich keine Wahl. Ich war schon sehr nahe am Bremspunkt und es war einfach zu spät, ich konnte es nicht mehr verhindern."

Frage: "Wie hart war dein erster Einschlag auf Michael?"
Burti: "Nicht sehr hart. Die ganze Angelegenheit verlief aalglatt und aus diesem Grund hatte ich auch keine Angst um ehrlich zu sein. Der erste Einschlag auf Michael und sogar die Landung des Autos war sehr flüssig verlaufen, das hat mich wirklich überrascht. Vielleicht, weil das Auto sich selbst zerstört hat und die Einschläge absorbiert hat. Das zeigt uns, wie sicher die heutigen Autos sind. Und es zeigt, wie schnell die Autos beschleunigen - ich war 250 Sachen schnell..."

Frage: "Warst du dir bewusst, wo du hinfliegst?"
Burti: "Ich kann mich daran erinnern, dass ich für einen Moment kopfüber war, aber es ging alles so schnell und dann war ich schon wieder richtigherum."

Frage: "Wusstest du, dass du auf einen Arrows gelandet bist?"
Burti: "Sie sagten mir das, aber gesehen habe ich es nicht!"

Frage: "Danach schien dich der Kies nicht sehr stark abgebremst zu haben..."
Burti: "Das war vielleicht der heftigste Einschlag, jener in die Streckenbegrenzung. Aber es dauerte alles ganz schön lange, bis es passierte, ich hatte also Zeit, die Hände vom Lenkrad wegzunehmen und ich wusste genau, was passieren würde, ich hatte die ganze Situation realisiert und wusste, was ich tun musste und das war OK. Ich wusste, dass ich OK war, weil ich nicht spürte, etwas berührt zu haben. Ich hatte meinen Arm angeschlagen aber zu diesem Zeitpunkt spürte ich gar nichts."

Frage: "Hat dich Sid Watkins durchgecheckt?"
Burti: "Ich habe ihn nicht gesehen. Ich denke, er hat mich Laufen oder Rennen gesehen und noch fitter kann man ja nun nicht sein!"

Frage: "Was hat Michael gesagt?"
Burti: "Er hat nur gefragt, ob ich OK bin, weil er es möglicherweise aus dem besten Winkel gesehen hat - er hat den ganzen Unfall gesehen."

Frage: "Hast du auf einen Neustart gehofft?"
Burti: "Ich versuchte einfach, in die Garage zurückzukommen. Ich dachte nicht, dass ich die Möglichkeit haben würde, noch einmal zu starten. Aber es ist hier sehr unsicher, über Trümmerteile zu fahren und dann vielleicht einen Plattfuß zu erleiden, sie haben also die richtige Entscheidung getroffen, in dem sie das Rennen abgebrochen haben."

Frage: "Als du zurückkamst nehme ich einmal an, dass das Team sich mehr Sorgen machte als du..."
Burti: "Ja, das denke ich! Ich denke, dass jeder gesehen hat, dass sie sich mehr Sorgen gemacht haben als ich. Ich kann mich nur wiederholen, ich weiß nicht warum, vielleicht lag es daran, dass alles so flüssig verlief und ich deshalb keine Angst hatte. In das Ersatzauto zu steigen war kein Problem. Meine erste Runde war wie bei den anderen auch, das zeigte, dass diese Angelegenheit kein Problem war."

Frage: "Das T-Car war gut?"
Burti: "Sogar auf meiner Runde auf die Startaufstellung fühlte ich mich in diesem Auto deutlich wohler, das Auto war das Schnellste, das ich das ganze Wochenende über hatte. Aber nach fünf Runden bekam ich jede Menge Schmerzen in meinem Arm, den ich mir bei meinem ersten Crash angeschlagen hatte. Es wurde sehr schwierig, das Lenkrad zu halten. Unsere Lenkung ist sowieso sehr schwergängig und es wurde schlimmer und schlimmer. Ich teilte dem Team mit, dass ich sehr litt, aber sie sagten mir, dass ich weiterfahren soll. Aber ich begann, Fehler zu machen. Ich machte einen und Jean überholte mich, dann nach ein paar Runden machte ich einen weiteren, als ich mich im Stadion drehte. Ich sagte ihnen, dass ich nicht mehr kann, sie sagten mir, ich soll mein bestes geben."

Frage: "Wie lief es dann weiter?"
Burti: "Für ein paar weitere Runden folgte ich Panis und Trulli, das war für mich eine Art Motivation, weiter zu machen, da ich schneller als sie war und es war schön, auf der Strecke zu kämpfen. Ich hatte in der ersten Kurve ein wenig Übersteuern und hatte nicht die Kraft, das Auto zurückzuholen und bin abgeflogen. Aber um ehrlich zu sein, hätte ich das Rennen nicht beendet, weil die Schmerzen sehr groß waren."

Frage: "Und du hast natürlich keine Servolenkung..."
Burti: "Nein und im Auto von Jean ist die Lenkung ein wenig schwergängiger, weil wir eine andere Übersetzung des Einschlagwinkels einsetzen, es war also noch schlimmer die Situation!"

Frage: "Wie verläuft deine Saison - wird das Auto besser?"
Burti: "Ich müsste sagen nicht wirklich. Aber ich denke, dass das Team sehr gut arbeitet und ohne Testfahrten sehr schnell ist. Wir waren das einzige Team, das auf schnellen Strecken nicht getestet hatte. Wir sind hier mit einem Setup für wenig Abtrieb ohne Tests hergekommen, das Team hat also sehr gut gearbeitet, was sich in unserer durchschnittlichen Startposition und dem Punkt gezeigt hat."

Frage: "Wie hoch ist der Druck zu dieser Zeit des Jahres in Bezug auf die Suche nach einem Job für die kommende Saison?"
Burti: "Ich denke, da ist jeder unter Druck, der nach einem Job schaut, aber ich zufrieden, dass ich jetzt seit ein paar Rennen im Team bin und ich denke dass sie wissen, zu was ich fähig bin. Auch an einem schlechten Rennwochenende wie diesem denke ich, dass ich gezeigt habe, zu was ich im Rennen mit dem richtigen Material in der Lage bin - ich war mindestens gleich schnell wenn nicht sogar noch schneller als Jean. Ich denke, dass sie damit zufrieden waren. Natürlich waren sie nicht über den Crash glücklich und all dies, mit der Leistung denke ich, waren sie aber sehr zufrieden."

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