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  • 30.07.2001 · 12:33

Mercedes steht das Wasser zum Hals

Nach dem Hoch von Silverstone folgte für Mercedes ein weiterer harter Fall - und das ausgerechnet beim Heimspiel

(Motorsport-Total.com/dpa) - McLaren-Mercedes steht das Wasser bis zum Hals, BMW-Williams schwimmt dagegen auf der Erfolgswelle: Nach Ralf Schumachers Sieg in Hockenheim und dem Motorendebakel der anderen scheint das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Konkurrenten zu kippen. Während die Silbernen auf der WM-Zielgeraden ins Schleudern zu geraten drohen, greifen die Blau-Weißen zielstrebig nach den Sternen. Die Vize-Weltmeisterschaft bei den Fahrern und in der Konstrukteurs-Wertung hinter den faktisch uneinholbar führenden Michael Schumacher bzw. Ferrari rückt für die britisch-bayerische Allianz in greifbare Nähe.

Jürgen Hubbert

Jürgen Hubbert bekommt Bauchschmerzen angesichts der Probleme

"Wenn wir Ergebnisse hätten, würden wir sie kommentieren. Aber wir haben keine Ergebnisse, also gibt es keinen Kommentar", bürstete das bei DaimlerChrysler für die Formel 1 zuständige Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert Bitten um eine Bewertung des Doppel-Ausfalls von David Coulthard und Mika Häkkinen nach zwei Triebwerksschäden ausgerechnet beim Prestige trächtigen Großen Preis von Deutschland ungewohnt kurz angebunden ab. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hingegen gab bereitwillig Auskunft: "Damit war nicht zu rechnen. Die Motoren liefen auf den Prüfständen und bei den Tests sehr zuverlässig."

Für die sonst so zuverlässigen Schwaben - in elf Rennen zuvor gab es lediglich ein Mal in Montreal einen Motordefekt - ist das Triebwerk-Trauma vom Sonntag auch deshalb so tragisch, weil dadurch faktisch die letzte Titelchance verspielt wurde. "Ich muss mich bei der WM eher nach hinten als nach vorne orientieren", sprach Coulthard Klartext. Während er "Schumi I" im Titelrennen nur noch theoretisch jagen kann, wird der Schotte von "Schumi II" im Kampf um die Vize-WM gnadenlos gejagt. Bei fünf ausstehenden Grand Prix haben Coulthard und McLaren-Mercedes nur noch sechs bzw. zehn Punkte Vorsprung auf Ralf Schumacher und BMW-Williams.

Haug kündigte trotzdem tapfer an: "Wir kämpfen um den ersten Platz, so lange wir eine Chance haben." Angst, dass eher der Rückfall auf Rang drei droht, hat der Mercedes-Mann keine. "In Silverstone haben wir bei unserem Sieg gezeigt, wozu wir fähig sind. Das werden wir wieder zeigen", sagte er. "Wir haken Hockenheim schnell ab. Das ist keine Tragödie. Wir haben die richtige Struktur und kein grundsätzliches Problem in der Motorenabteilung."

Neutrale Beobachter verzichteten dagegen auf Beschönigungen. Niki Lauda urteilte Messer scharf: "Großer Verlierer sind die McLaren- Mercedes." Der Karikaturist der englischen "Times" ließ einen Silberpfeil-Mechaniker bei der BMW-Williams-Konkurrenz um Beistand bitten: "'Tschuldigung, habt ihr vielleicht ein Überbrückungskabel, das wir borgen können."

Trotz Oberwasser sieht das blau-weiße Lager zu Hohn und Spott keinen Anlass - und das nicht nur, weil der souverän führende Juan Pablo Montoya erst eine halbe Minute lang beim Tanken stand und zwei Runden später ebenfalls mit Motorschaden ausrollte. "Ich glaube nicht, dass der zweite Platz in der Konstrukteurs-WM drin ist", stapelte BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger trotz des "Traumergebnisses" tief. Reifenpartner Michelin habe noch zu viele Auf-und-Abs und Montoya kenne einige Strecken nicht. Der Österreicher hatte erwartet, dass McLaren-Mercedes in der zweiten Saisonhälfte "einen großen Schritt macht. Das könnte noch kommen".

Die Ziele für die nahe Zukunft definieren die Bayern nicht so zurückhaltend. "Wir wollen 2003 um die WM mitfahren. Es sieht aber so aus, als ob das ein bisschen schneller geht", rechnet Direktoren- Kollege Mario Theissen bereits fürs nächste Jahr mit einem Durchbruch. Berger pflichtete bei: "Man hat gesehen, dass wir in diesem Spiel in der Zukunft eine Rolle spielen."