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  • 30.07.2001 · 12:18

Nach dominantem Sieg: BMW strebt höhere Ziele an

Es gab keine große Feier, dafür aber großes Lob von der Konkurrenz und größere Ziele für die Zukunft

(Motorsport-Total.com/sid) - Der Demonstration auf der Strecke folgte bei BMW nur eine ganz bescheidene Feier. Ralf Schumacher gönnte sich nach seinem ersten Heimsieg in Hockenheim ein Gläschen Champagner mit BMW-Chef Joachim Milberg und Motorsportdirektor Gerhard Berger, danach machte er sich genau so schnell auf den Heimweg zu seiner schwangeren Verlobten Cora wie er zuvor zum Triumph gerast war.

Dr. Mario Theissen

Dr. Mario Theissen lässt ein wenig seiner Zurückhaltung fallen

Nur Motorenchef Mario Theissen genehmigte sich im Fahrerlager bei Promi-Wirt Karl-Heinz Zimmermann zufrieden noch das eine oder andere Bierchen, war stolz auf "sein" Kraftwerk und träumte schon von Höherem: "Wir wollten eigentlich erst 2003 um den WM mitfahren.
Jetzt sieht es so aus, als ob es schneller gehen könnte." Bestärkt wurde er von Ralf Schumacher: "Wenn wir so weiterfahren, sollte der
WM-Titel nächstes Jahr unser Ziel sein."

Nach dem dritten Coup in dieser Saison nach Imola und Montreal ist BMW-Williams endgültig zum ebenbürtigen Gegner von Ferrari und McLaren-Mercedes aufgestiegen. Das Lob der geschlagenen Konkurrenz ließ auch nicht lange auf sich warten. "BMW verkauft sich ganz gut als Außenseiter. Aber damit ist jetzt Schluss. Für mich sind sie Favorit, und dann kommen wir und Ferrari auf einem Level", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Die Überlegenheit der weiß-blauen Raketen hatte sich auf der Hochgeschwindigkeitspiste in Hockenheim schon im Training gezeigt, als der Kolumbianer Juan Montoya und Ralf Schumacher in die erste Startreihe geflogen waren. Nur ein technischer Defekt an Montoyas Auto verhinderte den ersten Doppelsieg der BMW-Geschichte. Genau da wollen die Münchner ansetzen. "Wir brauchen ständige Zielankünfte mit zwei Autos", sagt Berger: "Und wir müssen die Top-Leistungen auf allen Strecken bringen, so wie uns Ferrari das vorgemacht hat. Jetzt kommt Ungarn, das ist unsere schlechteste Strecke."

Zunächst genossen die Bayern aber den Erfolg in Hockenheim. "Das ist natürlich für uns ein Riesen-Resultat, vor allem, weil Hockenheim als Motorenstrecke bekannt ist", sagte Berger. BMW-Boss Milberg, der sich genau das richtige Rennen für seinen ersten Besuch in dieser Saison ausgesucht hatte, schwärmte von einer "starken Leistung vor einer großartigen Kulisse" und einem weiteren Motivationsschub für das Unternehmen.

Das Risiko, in dieser Saison auf einen komplett neuen Motor - mit 850 PS der stärkste im gesamten Feld - und Reifen-Rückkehrer Michelin zu setzen, hat sich für BMW-Williams ausgezahlt. Bei nur noch zehn Punkten Rückstand auf die Silberpfeile (56:66) ist sogar Platz zwei in der Konstrukteurs-WM in Reichweite. Doch davon will Berger nichts wissen: "Denn es kommen noch Strecken, die Montoya nicht kennt."