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  • 30.07.2001 · 09:56

  • von Fabian Hust

Ralf Schumacher: Taktisches Rennen oder zu langsam?

War Ralf Schumacher auf dem Hockenheimring clever gefahren oder war er im Vergleich zu Montoya einfach nur zu langsam?

(Motorsport-Total.com) - Was zählt, ist schlussendlich immer nur das Ergebnis, diese Weisheit ist schon so alt wie die Formel 1 selbst, aber dennoch wirft der Große Preis von Deutschland einige Fragen auf. Denn Juan-Pablo Montoya zog seinem Teamkollegen bis zu seinem Boxenstopp im Schnitt pro Runde um 0.4 Sekunden weg. Zunächst sah es deshalb so aus, als würde der Kolumbianer auf zwei Stopps fahren, dann wären die langsameren Rundenzeiten von Ralf Schumacher erklärbar gewesen. In Runde 17 fuhr Ralf Schumacher seine schnellste Rundenzeit in 1:42.048 Minuten, die schnellste Rennrunde ging in Runde 20 an Montoya mit 1:41.808 Minuten.

Juan-Pablo Montoya

Juan-Pablo Montoya fehlt nach der Pole Position weiterhin der Sieg

Ralf Schumacher erklärte nach dem Rennen: "Juan-Pablo war heute schneller als ich, da ich mit meinen Reifen und den Bremsen nicht zufrieden war. Wir gingen in dieses Rennwochenende mit dem Wissen, dass es mit dem Motor knapp werden könnte. Juan-Pablo zog mir weg und ich dachte 'mach du, was du willst'. Ich hatte schon begonnen, den Motor zu schonen, da ich wusste, wie lange und hart das Rennen ist. Und es zahlte sich am Ende aus."

"Montoya hat die Latte heute sehr hoch gelegt", so BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger nach dem Rennen, der damit wohl unterschwellig auch meint, dass Montoya am Sonntag wohl einfach schneller als Ralf Schumacher war - wenn wir hier auch sicherlich nicht von vier Zehntel pro Runde sprechen. Doch das Rennen von Ralf Schumacher hat dem Österreicher gefallen: "Er fuhr sehr überlegt, wie ein reifer Pilot."

Es ist ungewöhnlich für einen Rennfahrer, dass er seinen Teamkollegen davonziehen lässt, konnte also Ralf Schumacher in Hockenheim wirklich nicht mit Montoya mithalten, der in den letzten Rennen immer stärker wird und im Qualifying eine ebenbürtige Leistung zeigte? War die "Unzufriedenheit" mit den Reifen und den Bremsen eine Ausrede? Oder war Ralf Schumacher wirklich so clever und hat sich nach den drei Motorschäden bei den Monza-Tests dazu entschieden, angesichts des großen Vorsprungs auf Rang 3 zurückzustecken und das Risiko einzugehen, von Montoya vorgeführt zu werden, um vielleicht das Material zu schonen, und wie gesehen im Gegensatz zum Kolumbianer das Auto ins Ziel zu bringen?

Man wird es wohl nie erfahren, ob Ralf Schumacher die technischen Probleme im Rennen wirklich hatte, aber Montoya wusste, dass Ralf Schumacher auf der gleichen Strategie wie er war und hätte somit sein Rennen am Renntempo des Deutschen ausrichten müssen. Stattdessen drehte er den Motor aus, lieferte somit zwar eine tolle Show ab, sein verrauchender Motor beendete aber alle Hoffnungen auf den erste Formel-1-Sieg im 12. Formel-1-Rennen. Vielleicht hätte der 25-Jährige den Defekt damit verhindern können. Vielleicht wäre er aber auch der große Held gewesen, der den zweifachen Sieger Ralf Schumacher auf der Strecke vorführt. Was am Ende zählt, ist aber eben nur das Rennergebnis.