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Listed Parts & Co.: Die vier Kategorien im Technischen Reglement erklärt

In der Formel 1 gibt es seit dieser Saison vier Kategorien, die die bisherigen "Listed Parts" und "Non-Listed Parts" ersetzen: Wir erklären, welche Teile wozu gehören

(Motorsport-Total.com) - Seit einigen Jahren geistert in der Formel 1 der Begriff "Listed Parts" durch das Fahrerlager. Unter den "gelisteten Teilen" verstand man eine Aufzählung von Bauteilen eines Formel-1-Autos, die jedes Team in Eigenverantwortung selbst herstellen musste und nicht einfach von einem anderen Hersteller kaufen konnte.

Mechaniker arbeiten in Ungarm am Mercedes W13 von Lewis Hamilton

Ein Formel-1-Auto besteht aus vielen verschiedenen Teilen Zoom

Haas hatte mit Ferrari eine Vereinbarung getroffen, dass das Team so viele baugleiche Teile wie möglich von der Scuderia übernehmen konnte - nur eben die gelisteten Teile musste Haas selbst entwickeln und herstellen.

Mit dem neuen Formel-1-Reglement für 2022 hat sich das ein wenig gewandelt. Die alte Einteilung in listed und unlisted Parts gibt es nicht mehr. Stattdessen unterscheidet das Technische Reglement unter Artikel 17 jetzt gleich vier verschiedene Typen von Bauteilen.

Diese sind: Listed Team Components (LTC), Transferrable Components (TRC), Standard Supply Components (SSC) und Open Source Components (OSC). Und wir wollen an dieser Stelle einmal aufklären, was die einzelnen Kategorien bedeuten und welche Teile eines Autos unter welche Kategorie fallen.

Listed Team Components (LTC)

Im Grunde sind die LTC - deutsch: gelistete Teamkomponenten - nichts anderes als die bisher bekannten gelisteten Teile, nur eben unter neuem Namen.

In Artikel 17.3.1 heißt es dazu: "Gelistete Teamkomponenten (LTC) sind Bauteile, deren Entwurf, Herstellung und geistiges Eigentum im Eigentum und/oder unter der ausschließlichen Kontrolle eines einzigen Wettbewerbers oder seiner Vertreter stehen."

Das heißt, dass jedes Team diese Bauteile selbst entwerfen und herstellen muss und nicht von einem anderen Hersteller beziehen darf. Diese Arbeit kann an Dritte ausgelagert werden, die die entsprechenden Teile dann aber exklusiv nur dem Team zur Verfügung stellen dürfen und keinem anderen.


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In dem entsprechenden Passus ist übrigens auch geregelt, inwiefern sich ein Team dabei von anderen Teams inspirieren lassen darf. Das ist besonders nach dem Fall des pinken Mercedes 2020 relevant. Teams dürfen das Designkonzept von anderen nachbauen, aber nicht unter Zuhilfenahme von Reverse Engineering.

In Appendix 5 des Technischen Reglements ist aufgelistet, welche Teile zu welcher Kategorie gehören. Die Liste der LTC ist nicht lang, umfasst aber die wichtigsten Bereiche des Autos, darunter:

- Überlebenszelle
- Vordere Aufprallstruktur
- Aerodynamikteile
- Aufbau der Planke
- Radtrommel
- Benzinblase

Transferrable Components (TRC)

Die "übertragbaren Komponenten" sind das, was zuvor als "Non-Listed Parts" bekannt war - also jene Teile, die ein Team auch an andere weitergeben kann.

So wird es auch im Technischen Reglement unter 17.5.1 definiert: "Übertragbare Komponenten (TRC) sind Komponenten, deren Entwurf, Herstellung und geistiges Eigentum bei einem einzigen liefernden Wettbewerber oder einem Dritten liegt, die aber an einen anderen Kunden und Wettbewerber geliefert werden können."

Das ist in der Formel 1 gang und gäbe - und das nicht nur zwischen Haas und Ferrari. Auch das Getriebe gehört unter anderem zu diesen Teilen und wird von einigen Kundenteams von ihren Motorenpartnern gleich mit übernommen, etwas wie bei Williams und Mercedes.


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Übertragene Komponenten müssen dabei die gleiche Spezifikation wie das Original des Herstellers besitzen. Zwar dürfen Kundenteams diese nach eigenen Maßstäben modifizieren, eigens angefertigte, sich unterscheidende Varianten dürfen aber nicht weitergegeben werden.

Zudem ist festgelegt, dass der Ausrüster seinem Kunden alle finanziellen Informationen für die Bauteile geben muss, damit diese keine Probleme mit der Budgetgrenze und deren Kontrolle bekommen.

Zu den TRC gehören unter anderem:

- Getriebe (inklusive Kassette, inneren Teilen und anhängenden Komponenten)
- Hintere Aufprallstruktur
- Kupplung
- Teile der Vorder- und Hinterradaufhängung
- Radträger
- Servolenkung
- Komponenten des Benzinsystems
- Hydraulikpumpe inklusive Sensoren und Ventilen
- Befestigung der Power-Unit
- Auspuff

Standard Supply Components (SSC)

"Standard Supply Components (SSC) sind Komponenten, deren Design und Herstellung von einem von der FIA ernannten Lieferanten durchgeführt wird und die auf einer identischen technischen und kommerziellen Basis an jeden Wettbewerber geliefert werden", heißt es im Technischen Reglement.

Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um Einheitsteile, die von einem Hersteller zentral an alle Teams gegeben werden. Diese dürfen auch von den einzelnen Teams nicht verändert werden.

Das bekannteste Beispiel hierfür sind die Reifen, die Hersteller Pirelli seit einigen Jahren als Einheitsausrüster liefert. Auch die Einheitselektronik von McLaren Applied Technologies ist seit vielen Jahren ein Begriff.


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Vor allem fallen unter die SSC viele Teile, die keinen Performance-Gewinn bringen, wie TV-Kameras, Rücklichter oder die Beschleunigungsmesser im Ohr der Fahrer. Hier ist ein Auszug aus der Liste:

- Reifen
- Reifendrucksensoren
- Felgen
- Felgenabdeckungen
- Benzinflussmesser
- Power-Unit-Sensoren
- Telemetrie
- Funk
- Unfalldatenschreiber
- Beschleunigungsmesser im Ohr
- Biometrische Handschuhe
- Marshalling-System
- Zeitentransponder
- TV-Kameras
- Einheitselektronik (ECU)
- Apps für die ECU
- Rücklicht

Open Source Components (OSC)

Diese neue Kategorie ist im Grunde eine Alternative zu den Einheitsteilen. Denn hierbei wird das Design und geistige Eigentum allen Teams frei zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zu den Einheitsteilen dürfen die Teams hier aber nach freiem Willen Änderungen vornehmen, um die Teile für die eigenen Bedürfnisse passend zu machen.

Teams müssen ihre Designs und entsprechende Änderungen auf einen FIA-Server hochladen, bevor sie das erste Mal damit auf die Strecke gehen. Diese Daten können alle anderen Teams ebenfalls einsehen.

Sollte ein Drittanbieter involviert sein, muss sichergestellt werden, dass alle anderen Teams auch Zugang zu den Spezifikationen haben.


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Jedes Team ist für den Einsatz eines OSC selbst verantwortlich, muss etwaig auftretende Probleme aber der FIA und allen anderen Teams mitteilen.

Zu den Open-Source-Komponenten zählen unter anderem:

- Pedale
- DRS
- Antriebswelle
- Der äußerste Bereich der Vorder- und Hinterachse
- Lenksäule
- Lenkrad
- Bremsscheiben und -sattel
- Brake-by-Wire
- Benzinsystem
- Benzintank
- Feuerlöscher
- Trinksystem

Für die Formel-1-Saison 2023 hat die FIA bislang keine Veränderungen an diesem System ins Technische Reglement geschrieben.

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