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Lance Stroll wehrt sich gegen Bezahlfahrer-Image

Lance Stroll kann zwar verstehen, wenn er auf seinen finanziellen Hintergrund angesprochen wird, dennoch sieht er sich nicht als klassischer Bezahlfahrer

(Motorsport-Total.com) - Valtteri Bottas bekommt für die Formel-1-Saison 2017 den erst 18-Jährigen Lance Stroll an seine Seite gestellt. Sportlich hat der Kanadier seine Qualitäten durch den Gewinn der Formel-3-Europameisterschaft schon bewiesen, dennoch haftet ein Makel an Stroll, den er wohl nur schwer wieder losbekommen dürfte: Der kommende Williams-Pilot gilt als klassischer Bezahlfahrer.

Lance Stroll

Lance Stroll muss sich mit dem Paydriver-Image auseinandersetzen Zoom

Grund hierfür ist sein Vater Lawrence Stroll, der die Karriere seines Sohnes finanziert hat. Stroll wollte eigentlich vor einigen Jahren das Sauber-Team kaufen, doch weil das nicht gelang, suchte er für seinen Sohn einen anderen Weg. Über die Formel-3-EM, wo der Junior beim besten Team platziert wurde, holte er sich für 2017 das Cockpit bei Williams, für das er auch das ein oder andere Milliönchen hinblättern dürfte.

Doch beim Traditionsteam aus Grove wehrt man sich gegen die Vorwürfe, der 18-Jährige würde nur wegen des Geldes Nachfolger von Felipe Massa sein: "Ich möchte klarstellen, dass Williams in den vergangenen Jahren ein Team war, das es nicht erlaubt hätte, dass Geld die Fahrerentscheidung diktiert", betont Teamchefin Claire Williams, obwohl man noch vor einigen Jahren viel Geld für das Cockpit von Pastor Maldonado bekommen hat.

Drei Titel in drei Jahren

Williams unterstreicht den sportlichen Wert, den Stroll besitzt: "Geld sorgt nicht für Performance im Cockpit. Entweder man hat Talent - oder nicht. Ich denke, dass Lance bewiesen hat, dass er das Talent besitzt. Er hat das getan, was er tun muss, um sein Renncockpit in der Formel 1 zu verdienen", so die Britin.

Lance Stroll

Der Formel-3-Titel führte 2016 nur über den Kanadier Zoom

Mit dem Titel in der Formel-3-Europameisterschaft hat Stroll immerhin mehr erreicht als etwa ein Max Verstappen, der in seiner einzigen Saison "nur" auf den dritten Gesamtrang kam. Auch er selbst will daher den Stempel als Paydriver nicht gelten lassen: "Ich bin mit Geld gefördert worden, das werde ich nicht bestreiten. Aber ich glaube, dass ich in die Formel 1 gekommen bin, weil ich jede Formelsport-Meisterschaft gewonnen habe, in der ich angetreten bin."

Das lässt sich nicht abstreiten: 2014 gewann Stroll die Italienische Formel-4-Meisterschaft, 2015 die Toyota-Racing-Series in Neuseeland, und 2016 schließlich die Formel-3-EM. "Man muss sich beweisen und in Juniorserien gewinnen, mehr kann ich nicht dazu sagen", so Stroll, der dadurch auch genügend Punkte für die Superlizenz besitzt. "Und das haben sie ja eingeführt, damit man sich nicht einfach in die Formel 1 kaufen kann", sagt der Kanadier.

Finanzielle Unterstützung hilft

Die andere Frage ist jedoch, was die Titel von Stroll wert sind. Durch Vater Lawrence, dessen Vermögen vom Wirtschaftsmagazin 'Forbes' auf 2,4 Milliarden Dollar geschätzt wird, die er vor allem über Modefirmen verdient hat, wurde Lance Stroll der Weg geebnet. Der Rookie wurde in der Formel 3 ins beste Team gesetzt, welches durch eine Finanzspritze einen Vorteil in der Entwicklung gehabt haben soll. Ganz böse Zungen sprechen sogar von einem Nichtangriffspakt bei Prema, der Stroll den Titel sichern sollte.


Williams präsentiert die Fahrer 2017

Der Kanadier ließ keinen Zweifel am Titel aufkommen und sicherte sich diesen souverän gegen seinen deutschen Teamkollegen Maximilian Günther. In der Formel 1 erwartet ihn nun aber eine komplett andere Aufgabe, der er sich stellen muss. "Wie jeder Rookie wird er Zeit brauchen", legt Claire Williams die Erwartungen noch niedrig. "Ich bin sicher, dass er ein paar Fehler machen wird, aber das ist unvermeidlich."

Umfangreiches Testprogramm

Bei Williams hat man Vertrauen in seinen neuen Piloten: "Er ist fähig, extrem intelligent und fleißig. Seine Arbeitsmoral ist mit keinem anderen zu vergleichen", sagt die Tochter von Teamgründer Frank Williams und ist überzeugt, dass er schon beim Saisonauftakt in Melbourne eine gute Leistung zeigen wird. Damit das auch Realität wird, lässt man im Team nichts unversucht und verschafft dem Youngster die bestmögliche Vorbereitung.

Lance Stroll, Lawrence Stroll

Vater Lawrence ist milliardenschwer und der große Förderer seines Sohnes Zoom

Laut 'auto motor und sport' hat Vater Lawrence ein umfangreiches Testprogramm in einem zwei Jahre alten Williams FW36 bezahlt. Williams stellt demnach ein 20-köpfiges Testteam, Mercedes zudem fünf Techniker, die sich nur um den Hybridantrieb kümmern, der übrigens extra in Brixworth aufgebaut wurde. Stroll soll somit die neue Technologie und auch die Rennstrecken kennenlernen: Silverstone, Budapest, Spielberg und Monza sind abgehakt, weitere Termine sollen folgen.

"Der letzte Neuling, der mit so vielen Testkilometern in die Formel 1 gekommen ist, war Jacques Villeneuve", hält Williams-Technikchef Pat Symonds fest - das war 1996. Hinzu kommen zahlreiche Kilometer in einem von Stroll sen. finanzierten Simulator. Dennoch warnt der 18-Jährige vor überzogenen Erwartungen: "Ich möchte nicht sagen, wann ich zeigen kann, dass ich nicht nur aufgrund von Geld hier bin, weil es auf so viele andere Dinge ankommt", so Stroll.

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